Nächster Halt für die Nati

05. Juli 2018 05:33; Akt: 05.07.2018 09:59 Print

Euro-Achtelfinal 2020

von Florian Raz - Das Aus gegen Schweden ist ein grosser Rückschritt für die Nati. Zieht Trainer Petkovic die richtigen Schlüsse?

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Was wäre passiert, wenn Blerim Dzemaili (l.) seine Chance in der ersten Hälfte im WM-Achtelfinal gegen Schweden genutzt hätte? Es ist aber nicht der Fall. Der Zürcher kann es nicht fassen, der Tessiner Valon Behrami leidet mit. (3. Juli 2018) Die entscheidende Szene in der 66. Minute in St. Petersburg: Der sonst so solide Manuel Akanji lenkt den Schuss des Schweden Emil Forsberg ins eigene Tor ab. Die Schweiz kann nach dem 0:1 nicht mehr reagieren, die Achtelfinals bedeuten Endstation für das Team von Vladimir Petkovic. Yann Sommer zeigt ein bemerkenswertes Turnier und ist der beste Spieler des Teams. Auf den Bundesliga-Keeper ist mehr als nur Verlass. (27. Juni 2018) Trainer Vladimir Petkovic beweist in Russland, dass er auch ein guter Coach ist. Er bleibt ruhig, sachlich, aber auch kritisch gegenüber seinen Spielern. Petkovic bleibt Personalchef des Nationalteams – und das ist gut so. Die Schweizer haben nach dem 2:2 gegen Costa Rica ihren ersten Schritt gemacht und die Gruppenphase ohne Niederlage überstanden. Zu recht freut sich das Team über die Qualifikation für den K.o.-Wettbewerb. (27. Juni 2018) Die Angst des Torwarts vor dem Elfmeter: Via Sommers Körper findet der Penalty von Bryan Ruiz den Weg ins Netz zum 2:2. Die Fifa stuft die unglückliche Aktion des Schweizer Keepers als Eigengoal ein – da kann man auch anderer Meinung sein. Die Chance nach der Einwechslung genutzt: Joker Josip Drmic bezwingt den Weltklassekeeper Keylor Navas zum 2:1. Das Tor ist eine grosse Genugtuung für den Gladbacher, der zuvor stets mit Blessuren zu kämpfen hat. Er kann auch treffen: Blerim Dzemaili, gegen Serbien noch glücklos, schiesst wuchtig das 1:0 gegen die Ticos. Es ist ein Treffer in einem wichtigen Moment, zuvor haben die Schweizer den Faden verloren. Der Doppeladler im Duell gegen die Serben hat hohe Wellen geworfen, die Sünder Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner werden von der Fifa gebüsst. Aber: Die Aktion des Trios hat zu keinen Bruch in der Mannschaft geführt, im Gegenteil. Diesen Fakt muss man als Positivum werten. Und: Das Team hat das wichtigste Gruppenspiel gewonnen und drei Punkte geholt. (22. Juni 2018) Später Sieg: Xherdan Shaqiri wird von Einwechselspieler Mario Gavranovic glänzend eingesetzt und schliesst den Konter perfekt zum 2:1 ab. Was folgt, ist kollektiver Jubel, auch auf den Schweizer Strassen. Die Schweizer steigern sich nach der Pause gegen Serbien, und Granit Xhaka erzielt mit einem satten Weitschuss das 1:1. Es ist der Beginn der Wende in diesem kapitalen Spiel. Es ist der fast perfekte Start des Schweizer WM-Abenteuers: Der Aussenseiter kommt gegen Turnierfavorit Brasilien zu einem 1:1. Steven Zuber verwertet den Corner von Shaqiri zum Ausgleich. Mit Glück, aber auch mit viel Einsatz bringt die Schweiz das Remis über die Zeit. (17. Juni 2018) Valon Behrami spielt gegen Brasilien und gegen Superstar Neymar eine ausgezeichnete Partie. Der Freund der Skifahrerin Lara Gut wächst über sich hinaus, in Sachen Kampf und Leidenschaft ist er ohnehin eine Leaderfigur. Auch neben dem Platz ist er eine Persönlichkeit, die für dieses Team von grossem Wert ist. (17. Juni 2018)

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Fehler gesehen?

Es ist wie beim ewigen Sketch-Klassiker «Dinner for One»: Immer und immer wieder fällt Butler James über den Kopf eines Tigerfells. Genauso punktgenau stolpert die Nati, wenn sie versucht, ihren ersten Achtelfinal zu gewinnen. Nur lustig ist das jeweils nicht.

Diesmal gelang der Schweiz ihr rätselhaftester Auftritt in einem K.-o.-Spiel überhaupt. Das hat auch mit der Ausrichtung zu tun, die ihr Vladimir Petkovic verpasst hatte. Der Nati-Trainer hat ein Team, das gegen grosse Gegner verteidigen und gegen kleine dominieren kann. Aber den Schlüssel für Spiele, in denen es um alles oder nichts geht, hat auch er nicht gefunden.

Realitätsfremd

Ja, wahrscheinlich war das riesige Selbstbewusstsein, das die Schweizer unter ihm entwickelt haben, sogar hinderlich in diesem Spiel gegen Schweden, die sich ohne jegliche ­Allüren in den Dienst ihres ­Abwehrbollwerks stellten. Xherdan Shaqiri etwa winkte schon nach wenigen Minuten ab, weil ihm etwas nicht passte. Er soll der Star dieses Teams sein, war aber wieder nicht in der Lage, ein Spiel für die Schweiz hinzubiegen, in dem sie auf seine Klasse angewiesen war. Dass er dieses Aus danach als guten Schritt für die Zukunft verkaufen wollte? Realitätsfremd.

Dieses Aus war ein grosser Schritt zurück. Trotzdem hat das Team die Klasse, sich für die Euro 2020 zu qualifizieren. Behrami will nochmals dabei sein, Lichtsteiner zögert. Sie werden früher oder später von Zakaria und Lang abgelöst, die spielerisch keine Schwächung sein müssen, denen aber noch die Persönlichkeit der alten Schlachtrösser abgeht.

Das Problem, das Petkovic zu lösen hat, liegt weiter vorne. Die Schweiz hat keinen Spieler, der als Nummer 10 funktioniert. Dzemaili war an der WM überfordert, Shaqiri ist am Flügel besser aufgehoben. Warum nicht auf eine Dreier-Abwehr wechseln? Eine Chance hat diese Generation wohl noch. Nächster Halt: EM-Achtelfinal 2020.

WM-Center

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gabriel Vanakio am 05.07.2018 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Herr Lichtsteiner sagt,

    dass das Team eine ausgezeichnete Quali und eine gute WM gespielt hat, dann ist das Selbstüberschätzung, denn als Gruppenzweiter mit einer Niederlage gegen Portugal und einem zittrigen Weiterkommen gegen Nordirland ist das schon etwas hoch gegriffen. Zudem: Ohne einen Torwart namens Sommer hätte die Mannschaft 0 Punkte auf ihrem Konto.

  • Ueberheblich am 05.07.2018 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Achtelfinal?

    Eher die Qualifikation überstehen. Wie wieder sofort erwartet wird, dass die Schweiz ins Achtelfinale kommt. Vielleicht sollte man auch mal einsehen, dass die eigene Nati einfach nicht genug ist? So überheblich.

  • Dave am 05.07.2018 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realitätsfremd

    Ach, ich dachte, auch die Medien hätten gemerkt, dass sie diese Nati immer völlig unbegründet hochlobt. Aber nicht mal eine Woche später fängt diese Übertreibung wieder an.... Schuster, bleib bei deinen Leisten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Keine Hoffnung am 05.07.2018 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist vorbei

    Die EM Gruppe ist ziemlich schwer. Ich glaube an die Schweizer Nati nicht mehr. Ehrlich gesagt sie ist mir auch nicht mehr sympathisch. Sie ist mir irgendwie verleidet. Ich glaube wir sind Weltweit die doofsten mit den Spieler, Reporter, Medien, Trainer usw. Es gurkt an. Ehrlich.

  • Daniel von Grünigen am 05.07.2018 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Die Nati hat keinen Stürmer oder

    offensiven Mittelfeldspieler von Weltklasse (wie wir einst einen Stéphane Chapuisat hatten) und da will man sich Hoffnungen auf den 1/8-Final machen? Diese Selbstüberschätzung konnte nur in einer Enttäuschung enden.

  • Fritz am 05.07.2018 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja, labert nur

    Da muss sich das Team aber noch um einiges steigern. Es ist schwieriger, sich für das 1/8 Final an der EM zu qualifizieren als an der WM. Aber ja, die Jungs sollen sich schonmal für die EM qualifizieren, bevor wieder zu hoch gepokert wird.

  • Ruggeto am 05.07.2018 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind einfach nicht so gut ....

    Wir sollten langsam gemerkt haben, dass wir nicht so stark sind wie uns manche (auch eigene Spieler) einreden wollen. Das Spiel gegen Schweden, das nicht grade eine Fussballmacht darstellt, hat uns den eigenen Spiegel wieder mal klar vor die Augen gehalten. Schwach, ängstlich und ideenlos...:.

  • Manolo am 05.07.2018 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    ähhmmm...

    haben wir das Achtelfinale von der UEFA geschenkt bekommen? Zuerst mal qualifizieren, dann die Gruppe überstehen (auch das ist nicht einfach) und dann können wir über so etwas reden!! Wiedermal typisch Medien...