CSI-Effekt

06. Januar 2018 19:54; Akt: 06.01.2018 20:31 Print

Krimi-Fans sind nicht die besseren Verbrecher

Wer häufig Krimis schaut, lernt das perfekte Verbrechen zu begehen. Das hört man immer wieder. Dabei sind ganz andere Faktoren dafür ausschlaggebend.

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CSI-Effekt – so wird das Phänomen bezeichnet, wonach forensische TV-Serien den Zuschauer beeinflussen. (Im Bild: Szene aus «CSI: New York») Erkenntnisse aus der Crime Scene Investigation (CSI), der Tatortermittlung im Film, könnten sich demnach im realen Leben niederschlagen. Im schlimmsten Fall, so die Befürchtungen, lernen potenzielle Verbrecher, wie sie eine Tat am besten vertuschen. (Im Bild: Szene aus einem «Tatort» aus Münster) Deutsche Forscher haben untersucht, ob da etwas Wahres dran ist. In einem ersten Schritt analysierten sie die Statistiken aus den Datenbanken von BKA und FBI. Dabei verglichen sie die Rate der Verbrechensaufklärung in den Jahren vor dem Start der US-Serie «CSI» mit jenen danach. Anschliessend befragten sie 24 verurteilte Kriminelle, die sich in Haft befanden, ob sie derartige Serien für hilfreich erachten, um einer Strafverfolgung zu entgehen. In einem dritten Schritt untersuchten die Wissenschaftler, ob die Zuschauer von «CSI»-Serien tatsächlich besser darin sind, bei einem vorgetäuschten Verbrechen die Spuren zu verwischen. Ähnlich verlief auch ein vierter Test. Diesmal spielten die Probanden das Verbrechen aber mithilfe eines Puppenhauses nach. Das Fazit der Forscher: «Wir können jetzt die Mythen widerlegen, die seit 20 Jahren in den Medien und anderen Schriften kursieren, und mit relativ grosser Sicherheit behaupten, dass Leute, die CSI schauen, nicht besser darin sind, ihre Spuren zu verwischen, als andere Menschen auch.» In anderen Worten: Zwischen dem Konsum von forensischen Serien und den Fähigkeiten, ein Verbrechen zu begehen, besteht laut der Studie kein Zusammenhang.

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Krimiserien wie «Tatort» oder die verschiedenen «CSI»-Reihen können potenziellen Verbrechern wichtige Informationen zur Ausführung und Vertuschung von Straftaten liefern. So lautet eine oft gehörte Kritik.

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Dass es diesen von Experten «CSI-Effekt» genannten Einfluss tatsächlich gibt, ist allerdings wissenschaftlich nie belegt worden. Psychologen von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz haben diese Forschungslücke nun geschlossen.

In vier Schritten zur Antwort

Für die im Fachjournal «International Journal of Law, Crime and Justice» veröffentlichte Studie wertete das Team um Andreas Baranowski zunächst Statistiken aus den Datenbanken vom deutschen Bundeskriminalamt BKA und dem amerikanischen FBI aus. Dabei verglichen sie die Rate der Verbrechensaufklärung in der Zeit vor dem Start der US-Serie «CSI: Crime Scene Investigation» im Jahr 2000 mit jener danach.

Anschliessend befragten sie 24 verurteilte Kriminelle, ob sie derartige Serien für hilfreich erachten, um einer Strafverfolgung zu entgehen.

In einem weiteren Schritt liessen Baranowski und seine Kollegen Zuschauer von «CSI» in die Rolle von Kriminellen schlüpfen und bei einem fiktiven Tatort Spuren verwischen. Als Kontrollgruppe dienten Probanden, die im Alltag solche Serien nicht schauen. Ähnlich verlief auch ein vierter Test mit 120 Studienteilnehmern. Diesmal spielten sie das Verbrechen aber mithilfe eines Puppenhauses nach.

«Kein Zusammenhang»

Alle Teiluntersuchungen führten zu dem Schluss, «dass zwischen dem Konsum von forensischen Serien und den Fähigkeiten, ein Verbrechen zu begehen, kein Zusammenhang besteht», wie die Hochschule mitteilt.

Vielmehr scheinen andere Faktoren ausschlaggebend zu sein. So schnitten im vierten Versuchsteil die Männer besser ab als Frauen, jüngere Teilnehmer besser als ältere und höher gebildete besser als weniger gebildete Probanden.

Weiter fiel auf: Versuchspersonen aus technischen Berufen, vorwiegend Männer, scheinen bei der Verbrechensvertuschung auch gewisse Vorteile zu haben.

Aufgrund dieser Erkenntnisse kommen die Forscher um Baranowski zu folgendem Urteil: «Wir können jetzt die Mythen widerlegen, die seit 20 Jahren in den Medien und anderen Schriften kursieren, und mit relativ grosser Sicherheit behaupten, dass Leute, die ‹CSI› schauen, nicht besser darin sind, ihre Spuren zu verwischen, als andere Menschen auch.»

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 06.01.2018 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Hammer

    Wo kann man sich für solche Studien melden? Wer würde nicht gerne mal straffrei das perfekte "Verbrechen" begehen.

  • René B. am 06.01.2018 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nützt auch nichts

    Das wäre schön. Dann würde es bei gewissen Leuten vielleicht auch helfen wenn man ihnen einen Film vom Strassenverkehr zeigen würde.

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  • jane77 am 06.01.2018 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    war klar

    das wusste ich natürlich den nach Elementary bin ich sowas von einer Ermittlerin..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bauer am 07.01.2018 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Tja wenn dan richtig

    Ganz erlich, schon seit jahren kein krimi etc gesehen und auch nicht vom tv gelernt aber wenn ich jemand verschwinden lassen will gebe ich den 4-6 schweinen den körper.. Nach einer woche ca. Plus minus ist alles samt knochen weg und wird schön in der erde verteilt! .. Tja polizisten dan habt ihr ein problem xD

  • Katrin am 07.01.2018 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Karma

    Was der Mensch säht wird ernten!

  • Brausefritz am 07.01.2018 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Lieblingsverbrecher...

    ...ist seit Langem Arno Funke. Ich würde es in etwa machen wie er, seine Fehler jedoch zu vermeiden versuchen.

  • HomeLandSec. am 07.01.2018 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Mord ist teuer

    Der Perfekte Mord ist der wo man die Beamten mundtot besticht oder gleich damit beauftragt.

  • Treki am 07.01.2018 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das perfekte Verbrechen

    Ist möglich wenn man zu den oberen Zehntausend gehört. Die Superreichen können sich alles erlauben und erkaufen