Basler Sensationsfund

29. April 2014 12:45; Akt: 29.04.2014 22:15 Print

«Ich habe keine Angst vor einem Pharaonen-Fluch»

von B. Rosch - Susanne Bickel und ihr Team von der Uni Basel haben im Tal der Könige eine Totenstadt entdeckt. Der Fund gilt als Sensation – auch wenn Grabräuber schon lange zugeschlagen haben.

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Es ist der Sechser im Lotto für jeden Archäologen. Forscher der Universität Basel haben im weltberühmten Tal der Könige in Ägypten fast 50 Mumien entdeckt – in einem Grab, das zwar schon lange bekannt, aber noch nie untersucht wurde. «Unter den Begrabenen sind zahlreiche Prinzen und Prinzessinnen, deren Namen bisher wohl noch unbekannt waren», sagt Susanne Bickel, Archäologin und Professorin an der Uni Basel.

Der bei einer gemeinsamen Ausgrabungskampagne mit Forschern der Universität Basel gemachte Fund sei vor allem deshalb bemerkenswert, weil er sich im eigentlich gut erforschten Tal der Könige ereignet habe und dabei die Namen wohl noch unbekannter Prinzessinnen gefunden worden seien.

Neben hölzernen Sakrophagen wurden in der Grabstätte auch Totenmasken und Kanopengefässe gefunden, in denen die inneren Organe der Toten nach deren Mumifizierung aufbewahrt wurden. Die Forscher konnten bei der Untersuchung der Inschriften etwa 30 Tote identifizieren. Dabei handelt es sich zumeist um Familienmitglieder der beiden Pharaonen Thutmosis IV. und Amenhotep III., die im 14. Jahrhundert vor Christus regierten.

Unter den Beigesetzten befinden sich auch mindestens acht bisher unbekannte Königstöchter, vier Prinzen und einige «Ausländerinnen», wie die Inschriften schliessen lassen. Bei den meisten handelt es sich um Erwachsene, doch auch Kinder wurden beigesetzt: «Wir fanden auffallend viele aufwendig mumifizierte Neugeborene und Kleinkinder, die sonst eher einfach bestattet wurden», sagt die Basler Ägyptologin. «Wir vermuten, dass die Mitglieder des königlichen Haushalts über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten in diesem Grab beigesetzt worden sind.»

«Drücken Sie mir die Daumen»

Auch Schätze, wie man sie vom sagenumwobenen Pharao Tutanchamun kennt, werden wohl als Grabbeigaben dort gelegen haben. «Die Grabstätte muss, so unsere Theorie, aber mehrmals Opfer von Räubern geworden sein.» Und zwar in der Antike, aber auch im 19. und frühen 20. Jahrhundert, so Bickel. Wissenschaftlich interessanter seien aber ohnehin die Inschriften, mit denen nun viel über die Geschichte des Tals der Könige ermittelt werden könne.

Für die Basler Forscher ist das ein Glücksfall. «Nun werden wir DNA- Analysen durchführen, wenn das möglich ist», sagt Bickel. Die überaus prunkvollen Särge, die allerdings in viele Einzelteile zersplittert seien, würden zudem rekonstruiert. Die Frage nach dem Pharaonenfluch beantwortet sie lachend: «Nein, Angst habe ich nicht – aber drücken Sie mir die Daumen.»

Einblick in die Geschichte

Die Identifizierung von Personen, die in der Umgebung der Königsgräber bestattet wurden, gibt dem Forscherteam Aufschluss darüber, wer das Privileg hatte, so nahe beim Pharao das ewige Leben zu verbringen.

«Die Funde und auch die Wände sind von einem Grossbrand stark verrusst, der wohl durch die Fackeln der Grabräuber ausgelöst wurde», vermutet Susanne Bickel. Die Fragmente von verschiedenen Holz- und Kartonagesärgen zeigen, dass die Grabanlage nach der Aufgabe des Tals als Pharaonennekropole noch einmal genutzt wurde, diesmal als letzte Ruhestätte für Angehörige von Priesterfamilien im 9. Jahrhundert vor Christus.

Weitere Untersuchungen sollen nun genaueren Aufschluss über die Zusammensetzung und die Lebensbedingungen des pharaonischen Hofstaats der 18. Dynastie und dessen Bestattungssitten liefern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Donna M. am 29.04.2014 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alte Kulur

    Als Fan der alten Ägyptischen Kultur freue ich mich sehr über diesen Fund. Das Team hat super Arbeit geleistet. Ich bin gespannt darauf, dereinst die Namen der anderenMumien und deren Geschichte zu erfahren.

  • Bruno am 29.04.2014 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wiedermal etwas interessantes

    Wirklich interessant. Die Grabräuber haben wohl die Wertsachen geklaut. Aber für die Geschichte sind die überreste die sie nicht mitnahmen wertvoller.

  • in egypt lebende am 29.04.2014 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    ich würde

    so gern mal für 1-2 monate bei einem solchen team mitmachen. gratis und auch nur tee kochen...um die stimmung und das gefühl zu erleben! wer kent weeks buch über seine entdeckung des grabes K5 gelesen hat, kann das nachvollziehen. nur...wo sind die leute? hier in luxor trifft man sie nicht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • AnnA am 29.04.2014 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal da gelebt

    So gut . Erinnert mich an mein leben in Luxor .

  • Georges Huber am 29.04.2014 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ach wie schön

    Ich mache jede Wette. In Ägypten gibt es noch viele solcher Gräber und alle paar Jahre wird von Staat eines freigeben und für Werbung bei den Touristen gesorgt. Im Tal der Könige IST jeder Millimeter genau ausgemessen und mit Röntgenstrahlen kontrolliert. Es gibt also keine offizielle Überraschungen mehr. Alles nur noch bluff

    • Sepp Stolz am 29.04.2014 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nur motzen

      Jawohl,anstatt sich über den Fund des Teams aus Basel zu freuen nur motzen lästern. Arme Schweiz mit solchen Bewohnern. : (

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  • Pauli am 29.04.2014 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halunken am Werk

    Wer braucht da noch Erasmus? Unsere Unis können das Geld auch selbst im Ausland verlochen. Wenn das Grab eh schon bekannt war ist das nichts sensationelles....sehe keinen Nutzen aber befürchte hohe Kosten. Wir sollten einen klaren Nutzennachweis für sämtliche Ausgaben, welche mit Steuergeldern finanziert werden einführen - ansonsten bleibt der Staat und nicht die Grabräuber die wahren Halunken!

  • Donna M. am 29.04.2014 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alte Kulur

    Als Fan der alten Ägyptischen Kultur freue ich mich sehr über diesen Fund. Das Team hat super Arbeit geleistet. Ich bin gespannt darauf, dereinst die Namen der anderenMumien und deren Geschichte zu erfahren.

  • Martin Meier am 29.04.2014 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da wird Geld verlocht  

    Da wird wieder einmal Schweizer Geld im Ausland verlocht. Haben wir nicht genügend Erde in der Schweiz, die man umgraben kann? Es wäre doch viel wichtiger auf den Spuren von Wilhelm Tell zu graben. Das sind unsere Wurzeln.

    • Fritz Häner am 29.04.2014 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Danke für den Beitrag

      Genial, was du schreibst. Genau so denke ich auch. Eine Frechheit unsere Steuern im Ausland zu verschwenden.

    • Gessler am 29.04.2014 18:28 Report Diesen Beitrag melden

      Wirklich?

      Sie wissen schon, dass Willhelm Tell eine Figur aus einer Geschichte von Schiller ist, welche wiederrum auf Legenden/einem Heldenepos aus dem alten Skandinavien stammt? Aber viel Erfolg beim graben!

    • Milette Schoch am 29.04.2014 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Verschwendung

      Genau meine Meinung. Unnötige Geldverschwendung im Ausland!

    • marsipulami am 29.04.2014 18:34 Report Diesen Beitrag melden

      Echt wahr?

      Oder Heidi, Peter & Almöhi. Also meine Wurzeln konnte ich in Frankreich/Österreich ausfindig machen. Von Pogrom-Flüchtlingen aus Frankreich und Pest-Überlebenden aus Österreich. Schon ziemlich lange her. Suchen Sie doch auch mal, da werden Sie 100% erstaunt sein:)

    • geschichte am 29.04.2014 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schweizer Geschichte

      Wilhelm Tell hat nie gelebt.

    • An Bünzli M.M. am 29.04.2014 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Und wieder

      nurmehr motzen und eindrucksvoll die eigene Ahnungslosigkeit unter Beweis stellen... Haben Sie schon einmal etwas von Ägyptologie gehört?? Wenn in Ihrem ach so geliebten Schweizer Boden ägyptische Mumien gefunden würden, wäre dies allerdings eine wirkliche Sensation. Ich bin stolz auf unsere dort forschenden Landsleute!

    • Judith Guntern am 29.04.2014 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Willi

      Oh je, der Arme glaubt an Wilhelm Tell, da hat Schiller was angerichtet!!! Ja, wahre Schweizer Geschichte zu erforschen wäre was... und um ein paar Illusionen ärmer... aber es gibt Leute, die glauben lieber an Märchen.

    • h.schmitter am 29.04.2014 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      maerchenforschung?

      wilhelm tell gab es nie. das ist nur eine geschichte. da waere das geld nicht besser angelegt. ;)

    • W. Tell am 29.04.2014 18:53 Report Diesen Beitrag melden

      Dir ist schon bewusst,

      dass Tell eine Sage ist und es ihn gar nie gegeben hat?...

    • peter w. am 29.04.2014 18:59 Report Diesen Beitrag melden

      ja, ja, der tell

      ja klar der tell! der ist doch eine schiller erfindung, oder. im gegensatz zum willhelm gab es diese menschen wirklich..! ;-)

    • Nala71 am 29.04.2014 19:16 Report Diesen Beitrag melden

      Wurzeln von Tell sind in Deutschland

      Wilhelm Tell!? Ist das Ihr ernst? Wilhelm Tell ist eine Buchfigur eines deutschen Schreiberlings. Den gabs in der Schweiz so gar nie.

    • HisThoriker am 29.04.2014 19:55 Report Diesen Beitrag melden

      Wilhelm Wer?

      Beim Umgraben von Erde auf dem Rütli würde ausser Erde wohl nicht viel gefunden werden. Auch keine Spuren von Tell. Schliesslich ist dieser nicht mehr als eine ... Illusion. Ein Mythos. Erstmals erwähnt als "Thall" im weissen Buch von Sarnen im 15. Jahrhundert, wobei Schiller massgeblich für die heute bekannte Version bekannt war. Ins Land der Mythen gehört übrigens auch das vermeintliche Gründungsjahr 1291. Ja, es gab damals einen Bundesbrief. Wie es vorher und nachher noch einige mehr geben sollte.

    • Gynny am 29.04.2014 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nie gelebt

      Da kannst du das Geld gleich in die Aare schmeissen . Wilhelm Tell, aber aber

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