Antibiotika und Hormone

31. Oktober 2017 18:52; Akt: 31.10.2017 18:52 Print

Die Gefahr für Insekten lauert auch im Wasser

Nicht nur Pestizide, auch vermeintlich sauberes Wasser kann für Bienen, Schmetterlinge und Marienkäfer das Todesurteil bedeuten.

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Nicht nur Pestizide setzen Insekten zu, sondern auch ... ... Chemikalien, die sich im Wasser befinden, das für die Bewässerung von Nutzpflanzen eingesetzt wird. Wie US-Forscher berichten, können Rückstände von Hormonen und ... ... Antibiotika Insektenlarven in der Entwicklung negativ beeinflussen. Für die Studie hatte das Team um John T. Trumble die Larven der Schmetterlingsart Aschgraue Höckereule (Trichoplusia ni) mit verschiedenen Wirkstoffen in Kontakt gebracht. Dabei zeigte sich, dass bei diesen Tieren nicht nur die Entwicklung der Raupen deutlich verlangsamt war. Es starben auch doppelt so viele Tiere, wenn sie von den Pflanzen futterten, die mit den Wirkstoffen in Berührung gekommen waren. Noch mehr Tiere traf es, wenn sie die künstliche Nahrung gefressen hatten – vor allem dann, wenn sich darauf sowohl Antibiotika als auch Hormone befanden. Das zeigt laut den Forschern, dass grob geklärtes Abwasser für die Bewässerung von Nutzpflanzen problematisch sein könnte. Doch nicht nur die Landwirtschaft ist Negative Folgen für die kleinen Tiere hat es auch, wenn Privatleute chemische Pflanzenschutzmittel einsetzen – um Schädlinge zu eliminieren und Unkraut fernzuhalten. Deshalb sollte werden. Das gilt für Garten und Balkon genauso ... ... wie im restlichen Haushalt. Laut Experten sollte eingesetzt werden. Zumindest, wenn man sich dafür stark machen möchte, dass es Insekten besser geht. Im Garten dagegen gibt es für die meisten Problemchen natürliche Lösungen. So lassen sich beispielsweise Blattläuse zuverlässig mit – auch Brennesseljauche genannt – vertreiben ... ... und Unkraut lässt sich auch . Damit Insekten auch in einer städtischen Umgebung überleben, müssen sie dort Nahrung finden. Hat es um das Haus herum keine , auf denen die Tiere jede Menge Pollen und Nektar finden, ist der Mensch gefragt. Denn auch im Garten, auf Balkon und Terrasse kann man Bienen & Co. eine grosse Futterauswahl bieten – in bestückt. Neben bunten Blumen ... ... kann man auch anpflanzen. Dann hat man auch selber noch etwas davon. Ebenfalls attraktiv für Fluginsekten sind und ... ... sogenannte . Beide brauchen wenig Pflege, stellen für die Tiere aber so gut wie ganzjährig einen gut gedeckten Tisch dar. Auch hierbei gilt es zu beachten, dass es sich um einheimische Pflanzen handelt. Denn nur sie bieten den heimischen Insekten das, was sie brauchen. Besonders empfehlenswert sind neben der (Anthemis tinctoria), ... ... auch der (Chenopodium album), ... ... die (Achillea millefolium) und ... ... die (Phacelia tanacetifolia). Laut Untersuchungen von Forschern der Justus-Liebig-Universität Giessen werden diese vier Pflanzenarten von rund 80 Prozent aller Wildbienen und Schwebfliegen angeflogen. Auch die immerblühende (Salix triandra L.) zieht Insekten an. Kenner wundert das nicht. Unter ihnen gilt der grosse Strauch als der 24h-Laden der Insektenwelt. Wer noch mehr Platz im Garten hat, kann auch eine (Salix caprea) pflanzen. Aufgrund ihrer frühen Blütezeit ab Anfang März ist sie eine wichtige, erste Futterpflanze für Insekten wie Honigbienen. Eigenheimbesitzer können noch mehr machen. So können auch und ... (Im Bild: Naval Station Norfolk, Stützpunkt der US-Navy) ... den so wichtigen Tieren helfen. Natürlich gilt auch hier wieder: Was zählt, sind einheimische Pflanzenarten. (Im Bild: Vertikaler Garten in Madrid) Doch nicht nur das Anpflanzen neuer Pflanzen sorgt dafür, dass sich Insekten wohl fühlen. So profitieren Wildbienen etwa von . Vor der Anschaffung lohnt es sich aber, sich eingehend zu informieren – Auch bei der Gartenpflege kann man einiges tun, damit es den Insekten in Zukunft besser geht. So wird empfohlen, Dadurch bleiben immer Rückzugsflächen für die Tiere erhalten, bis das Gras wieder nachgewachsen ist. Dann kann man sich den nächsten Abschnitt vornehmen. Apropos Gartenpflege: Experten empfehlen, stets zu kaufen. Preisgünstiger und wirkungsvoller als dieser ist nämlich , der deutlich mehr Nährstoffe als Torf enthält. Weiterer Vorteil: Dadurch wird auch der Zusatz von Düngemitteln überflüssig. Auch – nicht Rindenmulch – hilft, torfhaltige Erde zu ersetzen. Dabei handelt es sich um zerkleinerte und kompostierte Rinde, die man mit oder ohne Zusatz von Nährstoffen erhält und die zudem die Qualität des Bodens langfristig verbessert. Auch wer keinen eigenen Garten oder Balkon hat, kann dazu beitragen, dass sich der Insektenbestand erholt. So könnte man beispielsweise aufhören, störende Insekten zu töten. Entdeckt man eines, kann man es besser. Wer sich davor grust oder die Tiere . Auch wichtig: Bei Dunkelheit das . Ausserhalb des Hauses gibt es ebenfalls einige Möglichkeiten, das Insektensterben einzudämmen: Wer das Auto öfter stehen lässt und stattdessen die nimmt, verhindert beispielsweise, dass Fliegen, Bienen & Co. auf der eigenen Windschutzscheibe sterben. Und der Kauf von bringt etwas. Weil diese vor Ort angebaut werden, profitieren auch die Insekten davon – sie finden auf den entsprechenden Feldern genug zu essen.

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Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist in Verruf geraten, denn die Mittel vernichten nicht nur die zu beseitigenden Schädlinge, sondern sorgen auch für Kollateralschäden – bei Mensch und Tier. Besonders die Insekten sind betroffen.

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Letztere setzen auch andere Chemikalien zu, wie Forscher der University of California in Riverside nun in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten. Laut der Studie behindern Antibiotika und Hormone aus Verhütungsmitteln die Entwicklung von Insektenlarven (siehe Box).

Künstliches Futter und gespritzte Tomaten

Für die Studie hatte das Team um John T. Trumble die Raupen der Schmetterlingsart Aschgraue Höckereule (Trichoplusia ni) mit verschiedenen Wirkstoffen in Kontakt gebracht.

Die Test-Tiere konnten sich entweder an mit normalem Wasser gegossenen Tomatenpflanzen laben oder an solchen, die mit einer antibiotika- oder hormonhaltigen Lösung gewässert wurden. Eine dritte Gruppe bekam ein wirkstoffhaltiges, aber künstliches Futter. Anschliessend beobachteten die Forscher, wie es den Raupen erging.

Wirkstoffe mit Folgen

Das Ergebnis war eindeutig: Nicht nur war die Entwicklung der Larven deutlich verlangsamt, wenn sie von den Pflanzen futterten, die mit den Wirkstoffen in Berührung gekommen waren, es starben auch doppelt so viele Tiere. Noch mehr Tiere traf es, wenn sie die künstliche Nahrung gefressen hatten – vor allem dann, wenn sich darauf sowohl Antibiotika als auch Hormone befanden.

Die Konzentration der Wirkstoffe orientiert sich an denen, die in US-amerikanischen Oberflächenwässern basieren. Diese sind zwar um das Zehn- bis mehr als Hundertfache höher als die in unseren Breitengraden gemessenen Werte. Dennoch zeige die Studie etwas Wichtiges, so die Forscher: «Dass grob geklärtes Abwasser für die Bewässerung von Nutzpflanzen problematisch sein könnte.»

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Biologe am 31.10.2017 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Warnung schon Mitte 80er

    Als ich Biologie studierte Mitte 80er Jahren, hatten wir schon Professoren, die vor der Problematik von Pestiziden, Insektiziden u.a. warnten, weil schon damals Feldversuche zeigten, wie gefährlich die Kombination von diesen Wirkstoffen war. Dass war vor 30 Jahren, aber leider wurden diese Wissenschaftler nie erhört. Ich frage mich einfach, was wir unseren Enkelkindern in 20 Jahren antworten werden, wenn sie fragen weshalb wir nichts gemacht haben um den Planeten zu schützen.

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  • Günther am 31.10.2017 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wundert mich nicht

    Heute rennen ja alle zum Arzt oder gar in die Notaufnahme, egal wie winzig die Verletzung ist, sogar nur wegen ein wenig Halsweh! Die Ärzte sind verpflichtet zu helfen, also geben sie auch dementsprechend häufig Medikamente ab. Darum haben wir so viele Rückstände im Wasser. Dabei gäbe es viele alte, aber bewärte Hausmittel, die man selber anwenden könnte, wie zum Beispiel Essigwickel, Tonerde, Äterische Öle bei Erkältung, Wachholdergeist, etc.

  • Leserin am 31.10.2017 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kalter Kaffee

    Es ist schon lange Handeln angesagt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Knorrli am 01.11.2017 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr guter Artikel! Mehr solche Artikel!

    Aber vielleicht sollte man diesen Artikel auch noch mal im Frühling bringen ( oder mehrmals im Jahr?), damit die Leute dann auch dem entsprechend gleich diese Pflanzen für ihren Balkon/Garten beschaffen können. Wer denkt in einem halben Jahr wieder daran? Wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir uns das immer und immer wieder vor Augen führen!

  • Günther am 31.10.2017 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wundert mich nicht

    Heute rennen ja alle zum Arzt oder gar in die Notaufnahme, egal wie winzig die Verletzung ist, sogar nur wegen ein wenig Halsweh! Die Ärzte sind verpflichtet zu helfen, also geben sie auch dementsprechend häufig Medikamente ab. Darum haben wir so viele Rückstände im Wasser. Dabei gäbe es viele alte, aber bewärte Hausmittel, die man selber anwenden könnte, wie zum Beispiel Essigwickel, Tonerde, Äterische Öle bei Erkältung, Wachholdergeist, etc.

  • Leserin am 31.10.2017 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kalter Kaffee

    Es ist schon lange Handeln angesagt!

  • Biologe am 31.10.2017 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Warnung schon Mitte 80er

    Als ich Biologie studierte Mitte 80er Jahren, hatten wir schon Professoren, die vor der Problematik von Pestiziden, Insektiziden u.a. warnten, weil schon damals Feldversuche zeigten, wie gefährlich die Kombination von diesen Wirkstoffen war. Dass war vor 30 Jahren, aber leider wurden diese Wissenschaftler nie erhört. Ich frage mich einfach, was wir unseren Enkelkindern in 20 Jahren antworten werden, wenn sie fragen weshalb wir nichts gemacht haben um den Planeten zu schützen.

    • Der Beobachter am 01.11.2017 02:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Biologe

      Habe auch Biologie und yzoologie studiert vor 30 Jahren. Uns wurde damals gezeigt, dass die Hormone im Seewasser des Vierwaldstättersees dazu führen, dass es nur noch weibliche Jungfische gibt! Die Geschlechtsteile männlicher Jungfische wandelten bis zur Geschlechtsreife in weibliche Geschlechtsteile um, oder sie starben. Das vor 30 Jahren! Ich habe nie in der Öffentlichkeit erlebt, dass darüber diskutiert wurde oder etwas dagegen unternommen wurde. Wir werden belogen und Ergebnisse werden verheimlicht. Die Folgen für uns sind verheerend! Seit damals esse ich keinen Fisch mehr...

    • res am 01.11.2017 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Beobachter

      das wegen der fische wird seit 10 jahren diskutiert. eine lösung wäre sämtliche kläranlagen nachrüsten, zu teuer

    • Michi F. am 02.11.2017 00:00 Report Diesen Beitrag melden

      Nachrüsten der Kläranlagen

      @res es gab vor Jahren Versuche mit Ozon bei der Kläranlage Regensdorf. Die haben sich bewährt und nun wird so eine Anlage in der Werdhölzli Kläranlage eingebaut. Dadurch kann ein sehr grosser Anteil der Mikroverunreinigungen entfernt werden. Zu diesen zählen Medikamentenrückstände sowie auch Hormone und hormonaktive Substanzen. Für mehr Infos kannst Du beim Awel anfragen.

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