Elmer McCurdy

10. Februar 2018 22:56; Akt: 10.02.2018 22:56 Print

Die Mumie, die alle für eine Schaufensterpuppe hielten

von Fee Riebeling - Sein Leben war aufregend, doch richtig abenteuerlich wurde es für Elmer McCurdy erst nach dem Tod. Sein Leichnam reiste rund 60 Jahre umher.

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1911 wurde Elmer McCurdy, ein Zug- und Posträuber aus den USA, von der Polizei erschossen. Er wurde nur 31 Jahre alt. Doch wirklich Schluss war für ihn danach nicht. Weil es keine Angehörigen gab, die die sterblichen Überreste für sich reklamierten, entschied der Bestatter, diese mit einer arsenhaltigen Lösung haltbar zu machen und sie auszustellen – eine in der damaligen Zeit nicht ungewöhnliche Praxis. 1916 tauchten dann plötzlich zwei Männer auf, die vorgaben, Verwandte McCurdys zu sein, und den Körper mitnahmen. Tatsächlich waren es aber Schausteller und der Leichnam avancierte zur Hauptattraktion der Jahrmarkt-Show «Oklahoma Outlaw». Gut 60 Jahre reiste er so durchs Land. Seine vorletzte Ruhe fand McCurdys Körper schliesslich im kalifornischen Vergnügungspark The Pike. (Im Bild: der Haupteingang des Parks mit der Cyclone-Achterbahn im Hintergrund, 1960) Dort wurde er in der Geisterbahn Laff in the Dark ausgestellt. Dass es sich bei der vermeintlichen Schaufensterpuppe um einen echten Menschen handelte, war zu diesem Zeitpunkt längst in Vergessenheit geraten. Das Missverständnis wurde erst 1979, bei Dreharbeiten der TV-Serie «Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann», aufgeklärt, als ... ... ein Produktionsmitarbeiter der vermeintlichen Kunststoff-Puppe einen Arm abbrach und in dessen Innern Knochen entdeckte. Nachdem man die postmortalen Reisen rekonstruiert und die Identität der Leiche geklärt hatte, wurde er dort beerdigt, wo er gestorben war: in Oklahoma. Auf seinem Grabstein findet sich die Kurzform seiner Odyssee. Um sicherzugehen, dass er nicht wieder abhandenkommt, wurden zwei Kubikmeter Beton über den Sarg gegossen.

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Seit rund 60 Jahren steckt der mumifizierte Jagdhund Stuckie in einem Baumstamm fest. Diese wahrlich tragische Geschichte erinnerte 20-Minuten-Leser Pierre Michel an die Abenteuer, die der Leichnam des einstigen Zug- und Bankräubers Elmer McCurdy erlebte.

Bekannt wurden diese erst knapp 65 Jahre nach seinem Tod – durch Zufall, bei einem Filmdreh.

Knochige Überraschung

Die Crew der TV-Serie «Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann» war 1976 gerade dabei, das Set – ausgerechnet eine Geisterbahn – für die nächste Einstellung vorzubereiten, als ein Mitarbeiter eine für ihn wohl ziemlich verstörende Entdeckung machte.

Als er eine mit einem Strick an der Decke aufgehängte Figur zur Seite stellen wollte, knackte es unversehens und er hatte deren Arm in der Hand. Und er musste erkennen: Die vermeintliche Puppe war gar keine, denn aus dem Arm ragten Knochen.

Untersuchungen ergaben, dass es sich bei dem Leichnam um Elmer McCurdy handelte, einen Banditen, der zu Lebzeiten mehrfach Züge und Banken ausgeraubt hatte und bereits 1911 bei einem Feuergefecht von Polizisten erschossen worden war.

Einbalsamiert und entwendet

Nach seinem Tod war McCurdys Leiche ins Bestattungsinstitut von Pawhuska im US-Bundestaat Oklahoma gebracht worden. Weil es keine Angehörigen gab, die die sterblichen Überreste für sich reklamierten, entschied der Bestatter, diese mit einer arsenhaltigen Lösung haltbar zu machen und sie auszustellen – eine in der damaligen Zeit nicht ungewöhnliche Praxis.

Fünf Jahre lang konnten sich Schaulustige McCurdys mumifizierten Körper anschauen. Fünf Cent kostete der Spass. 1916 tauchten dann plötzlich zwei Männer auf, die sich als Verwandte McCurdys ausgaben und den Körper mitnahmen.

Tatsächlich waren es aber Schausteller und der Leichnam avancierte zur Hauptattraktion der Jahrmarktshow «Oklahoma Outlaw».

Postmortale Reise

Rund 60 Jahre reiste die menschliche Mumie als solche durch die USA, bis sie schliesslich auf unbekannten Wegen als angebliche Schaufensterpuppe in der Geisterbahn Laff in the Dark im kalifornischen Vergnügungspark The Pine landete.

Dass es sich bei der Figur mal um einen echten Menschen gehandelt hatte, war da längst vergessen. Erst als die Wahrheit 1979 erkannt wurde, schickte man den Leichnam dorthin, wo er eigentlich schon seit über 60 Jahren hingehörte: ins Grab. Um sicherzugehen, dass McCurdy dort auch bleibt, wurden zwei Kubikmeter Beton über den Sarg gegossen.

Auf McCurdys Grabstein ist seine postmortale Reise in Kurzform notiert: «Erschossen am 7. Oktober 1911 vom Sheriff und seiner Truppe in Osage Hills, für das Begräbnis am 22. April 1977 aus Los Angeles, Kalifornien, nach Oklahoma zurückgekommen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • roli am 10.02.2018 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    horror show

    Wahrheit erkannt 1979... Begräbnis 1977.... Geschichte wird immer besser!

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  • Andiheim am 11.02.2018 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Geschichte

    Wenigstens mal eine unterhaltsame Geschichte mit Text und nicht nur Tilate, aus der 12 App und und Videos

  • Papst am 11.02.2018 00:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Hoffe das diese Zirkusheinis genau so wenig ruhe finden werden wie er. Kein Respekt und einfach widerlich

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nachbar am 11.02.2018 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Welche alte Geschichte

    wird eigentlich als nächstes aufgewärmt? Carl von Cosel und seine Angebetete? Oder Julia Pastrana, die Affenfrau? La Pascualita, die ewige Braut? Oder Jeremy Benthams Auto-Ikone?

    • Trollgeflüster am 11.02.2018 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nachbar

      Wahrscheinlich die Geschichte des ewig rumnörgelnden "Nachbarn"...

    • Nachbar am 11.02.2018 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      Sorry,

      aber niemand versteht Sie, wenn Sie flüstern.

    • F. M. am 11.02.2018 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nachbar

      Nicht jeder Leser kennt alle alten Geschichten, lieber solche Artikel, als irgendwelche Hetzartikel oder Promi-Stuss.

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  • Daniele C am 11.02.2018 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Mumien

    Es gibt sogar Mumien die fahren am Montag wieder zur Arbeit.

  • Emmanuelle am 11.02.2018 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Weit gereist!

    Mit Sicherheit wäre der Typ stolz auf sich zu wissen dass die Welt im 21. Jh. noch so über ihn berichtet! Ganz tolle Leistung, der ist weiter gereist als mancher von uns!

  • Roland Plüss am 11.02.2018 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Echter Grusel

    Ab jetzt schauen wir uns in der Geisterbahn etwas genauer um.

  • Polizischt Wäckerli am 11.02.2018 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ächli ungnau

    Aufregend das Leben von Elmer, aber in der Berichterstattung wohl etwas danabengehauen. 1979 wurde erkannt dass es sich um eine Mumie handelt aber 1977 Begräbnis?? Ganz schlechter Kommissar.

    • Fehler Passieren am 11.02.2018 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Polizischt Wäckerli

      Zahlendreher! Ist dir sicher auch schon mal in einem Mathetest passiert ;-)

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