Psychiater warnen

16. Dezember 2017 06:52; Akt: 16.12.2017 06:52 Print

Ist Trump böse, verrückt oder beides?

von Rolf Maag - 27 Psychiater und Psychologen finden, US-Präsident Donald Trump müsse seines Amtes enthoben werden. Damit verstossen sie gegen eine jahrzehntealte Regel.

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1964 war Barry Goldwater, ein ultrakonservativer Senator aus Arizona, der republikanische Kandidat für die US-Präsidentschaft. Während des Wahlkampfs sagte er beispielsweise, mit einer Atombombe lasse sich der vietnamesische Dschungel sehr gut «entlauben». Schulbildung hielt er in den meisten Fällen für entbehrlich.

Umfrage
Soll Trump seines Amtes enthoben werden?

Aufgrund solcher Aussagen veröffentlichte das Magazin «Fact» eine Umfrage unter 1189 Psychiatern, die mehrheitlich bestätigten, dass Goldwater psychisch ungeeignet für das Amt des Präsidenten sei. Goldwater klagte wegen Verleumdung und bekam recht: Der Herausgeber von «Fact», Ralph Ginzburg, musste ihm 75'000 Dollar Entschädigung zahlen. Dennoch verlor Goldwater die Wahl gegen den amtierenden Präsidenten Lyndon B. Johnson deutlich.

Goldwater-Regel erlassen

Die American Psychiatric Association (APA) reagierte 1973 auf diesen Vorfall, indem sie es für «unethisch» erklärte, wenn ein Psychiater einer Person des öffentlichen Lebens eine Diagnose stellt, ohne sie zuvor um Erlaubnis gefragt und untersucht zu haben. Diese als «Goldwater-Regel» bekannt gewordene Bestimmung ist bis heute in Kraft.

Kürzlich setzten sich 27 Psychiater und Psychologen darüber hinweg, als sie einen Sammelband mit dem Titel «The Dangerous Case of Donald Trump» veröffentlichten. Darin behaupten sie, dass der amtierende US-Präsident an verschiedenen Persönlichkeitsstörungen leide, obwohl sie ihn nie selbst untersucht haben.

Die Herausgeberin des Buchs, Bandy Lee von der Yale School of Medicine, rechtfertigt dieses Vorgehen damit, dass es geradezu die Pflicht der Psychiater sei, «Alarm zu schlagen, wenn jemand, der über unser aller Leben und Tod entscheiden kann, eindeutige Zeichen einer gefährlichen geistigen Beeinträchtigung zeigt».

Narzissmus

Die Autoren sind sich einig, dass Trump geradezu ein Musterbeispiel für Narzissmus ist und wahrscheinlich sogar an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Craig Malkin, ein Spezialist auf diesem Gebiet, warnt davor, dass solche Leute gefährlich werden können, wenn sie nicht die Wertschätzung erfahren, auf die sie ihrer Meinung nach einen Anspruch haben.

Sie neigen dann dazu, sich die Wirklichkeit zu ihren Gunsten zurechtzubiegen, sodass sie sich weiterhin als etwas Besonderes fühlen können. So scheint Trump bis heute wirklich zu glauben, an seiner Amtseinführung hätten mehr Leute teilgenommen als an derjenigen seines Vorgängers Barack Obama.

Psychopathische Züge

Noch schwereres Geschütz fährt der Psychologe John Gartner auf. In einem Beitrag mit dem Titel «Donald Trump ist: a) böse, b) verrückt, c) beides» attestiert er dem Präsidenten psychopathische Züge.

Psychopathen sind Menschen, die unter anderem ständig lügen und über keinerlei Einfühlungsvermögen verfügen. Tatsächlich lügt Trump nach einer Schätzung des Magazins «Politico» etwa alle drei Minuten. Seinen Mangel an Empathie brachte Roy Cohn, ein befreundeter Anwalt, den Trump sofort fallen liess, als er von dessen Aids-Diagnose erfuhr, drastisch auf den Punkt: «He pisses ice water.» Wörtlich übersetzt: «Er pisst Eiswasser.»

Amtsenthebung wäre möglich

Aufgrund dieser Einschätzungen sind die Autoren der Meinung, dass Trump seines Amtes enthoben werden sollte. Eine Möglichkeit dazu böte der 4. Artikel des 25. Zusatzes zur US-Verfassung. Danach kann der Vizepräsident mit einer Mehrheit der Minister die Amtsunfähigkeit des Präsidenten feststellen und sich an den Kongress wenden. Wenn sowohl der Senat als auch das Repräsentantenhaus den Befund innerhalb von 21 Tagen mit Zweidrittelmehrheit bestätigen, ist der Präsident abgesetzt.

Dass es dazu kommt, ist äusserst unwahrscheinlich, solange die Republikaner in beiden Häusern die Mehrheit haben. Im November 2018 werden allerdings das ganze Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Sollten die Demokraten dann die Mehrheit erringen, dürften die Chancen steigen. Vermutlich werden die Amerikaner aber bis 2020 mit diesem Präsidenten leben müssen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erwin B am 16.12.2017 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klarer Fall

    Was für ein Frage! Jeder einigermassen vernünftige Mensch sieht doch, was mit den aktuellen US-Präsidenten los ist. Nur einige unverbesserliche Fans - auch hier in der Schweiz - wollen das nicht wahr haben.

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  • Bäbi am 16.12.2017 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adieu

    Der ist verrückt, gefährlich und unberechenbar! Selbstverliebt und Knöpflidrücker je nach Lust und Laune! Man sollte ihn klar seines Amtes entheben, alles andere ist in meinen Augen fahrlässig!

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  • Mike am 16.12.2017 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Makes America great again

    Die Amis wählen ihn für die nächste Amtsperiode nochmals, so wie ich diese einschätze.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Das Omen am 18.12.2017 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Psychiater der wohl zum Psychiater muss

    Das Problem daran ist jetzt das sich eben dieser Psychiater ebenfalls als Narzisst geoutet hat da er seine Meinung ( es ist nur eine Meinung) über die aller stellt. Ich weiß jetzt nicht was mich mehr beunruhigt. Psychiater sollten ihre Meinung dort abgeben wo sie erwünscht ist, in ihrer Praxis. Und nur dort.

  • G. Rippe am 18.12.2017 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Charles Manson ist gestorben.

    Damit fällt die letzte Steigerungsform für einen US-Präsidenten weg. Sie hätten ihn sicher gewählt, mit viel Push aus den Swingstates. Denn, hey, er war weiss und fand Waffen toll.

  • Game of Throns am 18.12.2017 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Saubere weste?

    Trump ist Präsident weil es so auf dem Fahrplan steht. Der sündenbock, der viel Kohle macht. Dem egal ist wie seine weste aus sieht. Aber nein, er ist ganz allein auf den Thron gekommen. Genau.

  • Moneyless am 18.12.2017 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Das Mass heisst Geld

    Egal ob der Kerl verrückt ist oder nicht. Der kleine Bürger hat ihn gewählt weil sie meinen dass er Ihnen zu mehr Jobs verhilft. Die Grossen wählten ihn, weil sie denken dass er ihnen mehr Geld in die Kassen spült. Letztere werden wohl Ende Jahr zufrieden sein, die Börsen dieser Welt haben den neuen Despoten positiv bewertet. Der Scherbenhaufen wird wohl noch etwas auf sich warten lassen. Es ist wohl nicht die Frage ob der angerichtet wird, sondern wie lange es dauert. Bis dahin wird Geld verdient auf Teufel komm raus.

  • Nervensäge am 18.12.2017 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferndiagnosen sind nicht gültig

    Solage man Angestellter des Saates ist. Macht jemand anderes eine Drohung (also das gleiche) wird er verhaftet und alles was er/sie sagt kann vor Gericht gegen er/sie verwendet werden. Noch fragen?