Fakten-Check

01. Januar 2018 09:46; Akt: 01.01.2018 09:46 Print

Was hilft wirklich gegen Kater und was nicht?

Heute dürfte dem einen oder anderen der Schädel brummen. Tipps, wie man das Leiden verkürzen kann, gibt es viele. Doch nicht alle helfen. Ein Überblick.

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So gut die Feier war, so heftig können die Folgen sein. Erfahren Sie in dieser Bildstrecke, was hilft, wenn man zu tief ins Glas geschaut hat. Falsch. Den Schwips beeinflusst das nicht, denn der grösste Teil des Alkohols gelangt nicht über die Schleimhaut des Mundes ins Blut, sondern über die 10'000-mal grössere des Dünndarms. Das heisst: Selbst wenn man seinen Drink gurgeln würde, im Vergleich zur Aufnahme über den Dünndarm wäre die Alkoholaufnahme über die Mundschleimhaut nur marginal. Der Plan geht leider nicht auf. Zwar stimmt, dass der Alkohol bei einem reichlich gefüllten Magen nicht so schnell in den Dünndarm gelangt, wo er zu 80 Prozent aufgenommen wird. Aber irgendwann gelangt er doch dahin. Das heisst: Eine gute Grundlage kann die Alkoholaufnahme zwar verzögern, verhindern aber nicht. In erster Linie spielt natürlich die Menge des getrunkenen Alkohols eine Rolle. Aber trotzdem hat die Regel etwas: Denn grundsätzlich enthält farbiger Alkohol wie Rotwein, Cognac oder Brandy mehr sogenannte Fuselalkohole wie Ethanol. Diese sorgen dafür, dass man den Kater später stärker merkt. Das hilft wirklich, denn aufgrund des Alkohols verliert der Körper Wasser, was so wieder ersetzt wird. Wenn man zusätzlich noch Salziges knabbert, hat der Kater so gut wie keine Chance. Da ist etwas dran. Tatsächlich befeuern Glühwein, Feuerzangenbowle & Lumumba die Durchblutung des Magens. Dadurch wird auch die Alkoholaufnahme ins Blut gefördert und der Schwipps so forciert. Auch wenn es immer wieder behauptet wird: Die Verdauung verbessert der Schnaps nicht. Das beweisen Forscher, die Testpersonen nach Herzenslust Fondue schlemmen liessen. Je mehr Schnaps und je mehr Wein die Teilnehmer dabei tranken, desto langsamer wurde ihre Verdauung. Hilfreicher ist, nach dem Essen spazieren zu gehen. Honigbrot oder andere Produkte, die Fruchtzucker enthalten, fördern tatsächlich den Abbau von Alkohol. Das kann den Kater reduzieren. Aber das funktioniert nur, wenn man nicht zu viel getrunken hat. Das stimmt, denn der darin enthaltene Wirkstoff hemmt die sogenannte Prostaglandinsynthese – und damit den Kopfschmerz am nächsten Morgen. Das gilt allerdings nicht für Menschen mit Problemmagen, ihnen droht Übelkeit. Ganz falsch ist diese Aussage nicht. Tatsächlich wirkt Alkohol erst einmal beruhigend, wodurch viele Menschen besser einschlafen. Aber sobald die Wirkung nachlässt, kommt es zum Entzug. Man schläft schlechter, schläft nicht durch und ist am nächsten Tag gerädert. Das stimmt nur indirekt. Bier besitzt zwar Kalorien, aber nicht so viele, dass es ins Gewicht fallen würde. Schuld daran ist einzig das Essen. Denn Bier regt den Appetit enorm an. Ein Irrglaube: Nach einer durchzechten Nacht sollte man tunlichst vermeiden, mit noch mehr Alkohol in den Tag zu starten. Dann erhöht sich nämlich der Alkoholwert im Blut wieder, und das verstärkt die Symptome. Besser ist: Wasser trinken. Das ersetzt auch verloren gegangene Mineralstoffe wie Magnesium und Kalzium. Das stimmt nicht, denn Koffein täuscht nur kurzfristig ein Wachheitsgefühl vor, der Alkoholspiegel aber bleibt unverändert. Bei Menschen mit einem schwachen Kreislauf kann die Mischung von Alkohol und Koffein richtiggehend gefährlich werden und zum Kollaps führen. Falsch. Wenn der Rollmops den Kater lindert, dann wohl nur indirekt, weil der salzig eingelegte Fisch dazu führt, dass wir vermehrt Wasser trinken - das einzig wahre Anti-Kater-Mittel. Weil Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht, sollten die Speicher so schnell wie möglich wieder aufgefüllt werden. Das ist richtig, denn einerseits lässt sich der Alkohol nicht ausschwitzen. Andererseits verstärkt die Hitzekur den alkoholbedingten Wasser- und Mineralstoffmangel noch. Das ist nicht nur falsch, sondern auch überhaupt nicht sinnvoll. Auch wenn Ihnen nicht nach Essen zumute ist: Nährstoffe gleichen die in der Nacht entstandenen Defizite im Körper wieder aus.

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Schon aus gesundheitlichen Gründen sollte man nicht zu viel Alkohol trinken. Das ist klar. Doch es gibt immer wieder Anlässe, die sich nicht allein mit Mineralwasser bestreiten lassen – zum Beispiel an Silvester.

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Den Kater am nächsten Morgen nehmen da viele Menschen gern in Kauf. Schliesslich gibt es ja genügend Tipps und Tricks, wie sich der rasch lindern lässt. Doch wie viel Wahrheit steckt in den gut gemeinten Ratschlägen? Klick dich durch die obige Bildstrecke und du erfährst es.

So bleibt der Kater gleich fern

So harmlos wie der Ausdruck Kater vermuten lässt, ist er der Zustand übrigens nicht. Tatsächlich handelt es sich dabei um die Folge einer leichten Alkoholvergiftung.

Doch so weit muss es gar nicht kommen: Wer ein paar Tipps vor dem Trinken beherzigt, kann dem Brummschädel entgehen – ohne auf Alkohol verzichten zu müssen:

Wer klug trinkt, leidet weniger

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi MitMass am 01.01.2018 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    das hilft ganz sicher

    was 100% hilft: nicht so viel rein kippen!

  • Katzenfreund am 01.01.2018 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mietze

    Das Kätzchen sass an der Bar und becherte. Fragte der Barkeeper: warum trinkst du denn so viel? - Ich möchte auch einmal einen Kater!

    einklappen einklappen
  • Manuel am 01.01.2018 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Bild 4, Fuselalkohole

    Ethanol ist eben kein Fuselalkohol. Das sind Methanol, Propanol, Hexanol etc.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Trucker am 15.01.2018 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Was kann man tun, bei Kater?

    Ganz einfach; streicheln und knuddeln.

  • Spaniel am 09.01.2018 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Kater

    Begnüge mich mit wenig Alkohol / dazwischen immer Wasser und am Morgen ein ausgiebiger Spaziergang in der Natur mit dem Hund.

  • Hirnflatulenz am 05.01.2018 22:22 Report Diesen Beitrag melden

    Aussetzen!

    Den Alkohol, nicht den Kater.

  • Didi am 03.01.2018 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht saufen oder Hund anschaffen

    Gegen Nachbars Kater hilft ein Hund - was den Alkoholkater anbelangt: Den einfachsten Ratschlag haben Sie im Artikel wieder mal vergessen: Kippt keinen Alkohol, dann gibt's auch keinen Kater ...

  • Schluckspecht am 03.01.2018 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Training, aber nicht zu empfehlen

    Leider hilft da nur jahrelanges Training. So dass man, wenn andere den Kater beklagen, easy ohne Beschwerden wieder zum Tagesgeschehen übergehen kann mit seinem üblichen Grundpegel von etwa 1 Promille.