Labors in Alarmbereitschaft

09. Januar 2018 01:03; Akt: 09.01.2018 08:32 Print

Neuer Tuberkulosekeim bei Flüchtlingen entdeckt

Forscher der Universität Zürich haben in Chiasso einen neuen resistenten Krankheitserreger entdeckt. Europäische Labors sind in Alarmbereitschaft.

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Das Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Zürich hat einen neuen multiresistenten Tuberkuloseerreger entdeckt. Der Keim wurde 2016 an insgesamt acht afrikanischen Flüchtlingen nachgewiesen. Daraufhin wurde ein europaweites Alarmsystem aufgebaut.

Das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien (NZM) der Universität Zürich fand im Februar 2016 bei einem somalischen Asylsuchenden aus dem Empfangszentrum Chiasso TI einen resistenten Tuberkulosekeim, der sogar für die Fachleute aussergewöhnlich war.

Acht Flüchtlinge betroffen

«Der Erreger wies eine neuartige Kombination von Resistenzen gegen vier verschiedene Antibiotika auf, die noch nie beschrieben worden war», sagt Peter Keller, Leiter Diagnostik im NZM, laut einer Mitteilung der Universität Zürich vom Dienstag.

In den folgenden Monaten wurde der gefährliche Keim bei weiteren Patienten nachgewiesen, die alle aus Ländern am Horn von Afrika nach Europa migriert waren. Insgesamt identifizierte das NZM den Erreger zwischen Februar und November 2016 bei acht Flüchtlingen aus Somalia, Eritrea und Dschibuti.

Warnung an europäische Labors

Von multiresistenten Keimen Betroffene müssen sofort isoliert werden und eine mehrmonatige, intravenöse Behandlung im Spital über sich ergehen lassen. Dank des raschen Nachweises und der sofortigen Isolationsmassnahmen gab es keine weiteren Übertragungen auf Personen in der Schweiz.

Allerdings setzten das NZM und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) wegen der aussergewöhnlichen Häufung der Fälle eine Warnung an ihre europäischen Kollegen ab. Gleichzeitig diagnostizierte das deutsche Referenzlabor in Borstel bei Hamburg einen Fall mit dem gleichen Erreger.

Weitere Verbreitung verhindert

Das NZM stellte dem European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) die molekularbiologischen Daten zur Verfügung. So konnte dieses weitere mögliche Patienten in der EU identifizieren. Bei diesen Untersuchungen stiessen die europäischen Referenzzentren auf insgesamt 21 Fälle. Auch diese Betroffenen stammten aus Ländern am Horn von Afrika oder dem Sudan.

Dank der Warnung wurde die weitere Verbreitung des Erregers verhindert. Zudem ergriffen die Behörden Vorsorgemassnahmen: «Der ausserordentliche Fall hat zum Aufbau einer europäischen Warnorganisation für gefährliche Tuberkuloseerreger geführt», so Keller.

Keim in Flüchtlingscamp verbreitet

Die Wissenschaftler konnten auch die Infektionskette teilweise rekonstruieren, wie sie im Fachblatt «Lancet Infectious Disease» berichten. Die Daten weisen darauf hin, dass sich der Tuberkuloseerreger in einem libyschen Flüchtlingslager bei Bani Walid unter Migranten verbreitete.

Das überfüllte Lager rund 180 Kilometer südöstlich von Tripolis sei berüchtigt für seine unhygienischen Verhältnisse. Etliche der diagnostizierten Patienten passierten das Camp auf ihrem Weg nach Norden.

Neue Mutationen

Wer am Anfang des Ausbruchs steht und das Bakterium ins Lager eingeschleppt hat, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit rekonstruieren. Als Ursprungsort des Erregers vermuten die Wissenschaftler den Norden Somalias. Dort dürfte der Tuberkuloseerreger aufgrund neuer Mutationen die gefährliche Resistenzkombination entwickelt haben.

Dank den genetischen Analysen konnte ein PCR-Schnelltest entwickelt werden. Somit können Personen, bei denen ein Verdacht auf diesen Tuberkulosekeim besteht, innert Stunden diagnostiziert werden.

(oli/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lars am 09.01.2018 02:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bessere zukunft

    Jeder sollte in seinem Land bleiben und dafür kämpfen dass Zukunft des Landes besser wird!!! So haben es die Europäer auch immer gemacht!!

  • Maddin Joop am 09.01.2018 02:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na, gut Nacht

    Und wieviele blieben unentdeckt und stecken fleissig Leute an? Und - heutzutage können nur noch die wenigsten Ärzte TB sofort erkennen. Da wird noch mancher mit Hustensirup nach Hause geschickt...

  • Marko am 09.01.2018 01:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hurra

    Und singen wir ein Lied, dieses Jahr steigen die Prämien nochmals...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lars am 09.01.2018 02:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bessere zukunft

    Jeder sollte in seinem Land bleiben und dafür kämpfen dass Zukunft des Landes besser wird!!! So haben es die Europäer auch immer gemacht!!

  • Maddin Joop am 09.01.2018 02:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na, gut Nacht

    Und wieviele blieben unentdeckt und stecken fleissig Leute an? Und - heutzutage können nur noch die wenigsten Ärzte TB sofort erkennen. Da wird noch mancher mit Hustensirup nach Hause geschickt...

  • Petra Berger am 09.01.2018 02:05 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr späte Info

    Genau auf das haben wir gewartet tödliche Krankheiten. Es ist bis heute nicht bekannt wievielte in Europa sind, viele nicht untersucht untergetaucht. Wir wissen ja wer schuld ist wen sich die Krankheit ausbreitet unter der Bevölkerung. Das wäre ein Wirtschaftlicher Super Gau. Wer geht dann noch aus dem Haus? Deutschland hat schon lange davon berichtet, warum die Schweiz nicht? Mit was müssen wir noch rechnen?

  • Bürger am 09.01.2018 01:43 Report Diesen Beitrag melden

    Dankbarer

    Danke an die Forschung, die trotz aller Missgunst des ungeschulten Volkes (Homöopathie etc.) alles daran setzt unser Leben zu schützen.

  • Financier P. am 09.01.2018 01:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinen Kindern zu liebe

    Ab sofort meiden wir den ÖV, Tram/ Bus. Fertig Coop/Migros. Nur noch Spezial Geschäfte. Privatschule für meine Kinder. Dafür Spende ich nicht mehr an soziale Institutionen.