Versuch

27. September 2010 12:13; Akt: 27.09.2010 19:21 Print

Kalter Entzug für Facebook-Junkies

von Runa Reinecke - 800 Studenten einer US-Universität wagten einen Versuch: Eine Woche ohne Facebook. Dabei gingen einige der Probanden durch die entdigitalisierte Hölle.

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Face-to-Face statt Facebook: wer weniger digital Kommuniziert, trifft seine Freude auch im wahren Leben.
(Bild: Keystone)

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«Ich habe nur noch drei Rüebli im Kühlschrank», «mein Meersäuli hat Blähungen» oder «drei meiner zehn Socken haben ein Loch»: Nichts ist unwichtig genug, um es der Facebook-, beziehungsweise Twitter-Gemeinde vorzuenthalten. Ob man an jeder der alltäglichen Belanglosikeiten seiner «Freunde» teilhaben möchte, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Hauptsache, man ist dabei. Dass dabei sein - zumindest für einen Teil der User - alles ist, zeigt ein Versuch der Harrisburg University of Science and Technology in Pennsylvania, USA: 800 Studenten durften sich über einen Zeitraum von einer Woche in keiner Online-Community aufhalten. Sieben lange Tage ohne Facebook, Twitter und Co - kein Problem? Von wegen: «Die meisten der Teilnehmer verhielten sich wie Raucher, die nach der Vorlesung unbedingt eine Zigarette rauchen wollten», erzählte der Direktor der Hochschule, Eric Darr, auf Anfrage von «Foxnews.com».

Darr beobachtete aber auch andere Phänomene: Einige der Probanden entdeckten wieder die Vorzüge der Face-to-Face-Kommunikation, während sie zuvor ausschliesslich auf digitalem Wege kommunizierten. So mancher Studierende berichtete von einer Entschleunigung seines Alltags und weniger Stress.

Für 300 Franken das «Leben» hergegeben

Eine ähnliche Erfahrung machten Schweizer Facebook-Poweruser, die über einen Monat an einer Studie der Zürcher Werbeagentur Rod-Kommunikation teilnahmen. Die Agentur «kaufte» 50 Digital-Junkies vorübergehend das Passwort ab und änderte es. So hatten die Probanden über vier Wochen keinen Zugriff auf ihr Profil. «Wir wollten aus der Sicht einer Werbeagentur analysieren, welchen emotionalen Stellenwert Massenmedien wie Facebook in der Gesellschaft haben», erklärte David Schärer, Mitinhaber von ROD-Kommunikation gegenüber 20 Minuten Online.

Während sich die Studienteilnehmer zunächst schwer mit der Drosselung des digitalen Mitteilungsbedürfnisses taten, kamen die Probanden nach und nach besser mit ihrer Situation klar. So erzählte eine Teilnehmerin, sie habe durch den Facebook-Entzug mehr fürs Studium gelernt. Auch bei anderen Mitwirkenden zeigte der Versuch, dass die frei gewordenen Ressourcen nicht etwa für den Konsum anderer Massenmedien wie TV verwendet, sondern eher für konstruktive Projekte genutzt wurden.

Auch die Studenten der Harrisburg University konnten von ihrem Versuch profitieren, wie Eric Darr beschreibt: «Die Teilnehmer haben herausgefunden, dass der ausufernde Konsum der Social-Communities das Leben beherrschen kann.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gabi Giftig am 27.09.2010 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Volksverblödung Nr. 1

    Wer im Facebook sein Leben verbringt, hat ein Problem in der realen Welt! Studien haben gezeigt, dass Facebook User ein gestörtes Verhältnis zum Leben und zu Mitmenschen haben. Zu dem haben sie einen Geltungsdrang, Exhibitionismus, den sie im "normalen" Leben nicht befriedigen können. Sie sind gezwungen, jeden Schnupfen oder Pickel, der Facebook Gemeinde preiszugeben. Ein Drang, ein innerer Kampf etwas zu verpassen. In jedem FallekKrank! Psychisches Fehlverhalten. Ab ca. einer Stunde Facebook pro Woche kann man von Störung sprechen. Schlimme Zukunft für diese Leute...

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  • ItaloRaver am 29.09.2010 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Vor und Nachteile

    ich bin noch nicht bei Facebook aber ich sehe FB als gute Möglichkeit verlorene Kontakte ev. wider zu finden. Bestimmt gibt es solche wo es übertreiben, und nur noch über FB zu kommunizieren is sicher nicht das wahre. Aber wie bei allem gibt es eben auch bei FB Vor und Nachteile

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  • Dani am 28.09.2010 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook

    Eine Welt ohne Gefühle.Was ist eine Diskusion ohne Emotionen.Genau deshalb wird die Menschheit immer gefühlsloser und brutaler. Man muss im Netz keine Rücksicht nehmen auf das gegenüber.Jungs und Mädels, lernt wieder als Menschen gemeinsam was zu unternehmen.In der Natur und nicht im Netz.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Müller am 23.01.2013 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Mal schauen

    Ich habe mein FB-Profil nun dauerhaft gelöscht und bin gespannt, ob es wie ein Entzug wird. Ich bin aber eher optimistisch! :)

  • Kim am 30.09.2010 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Beziehungskiller

    FB ist der Beziehungskiller nr 1! nur dumm, dass man dies nicht mal sieht... Egal,.. wer Spass hat, soll es auch haben,... Jedem das seine

  • Blindfisch am 30.09.2010 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute idee

    Ich bin kein FB-ler und werd auch niemals einer sein. FB ist zwar eine gute Idee, aber auch störend und schlecht für die Wirtschaft. Ich habe mal temporär in einem 6-er Team gearbeitet, wo einer die ganze zeit auf FB war und nichts geschafft hat. Da die anderen mehr gearbeitet haben konnte man ihm seine Faulheit nicht nachweisen und es dauerte fast ein Jahr bis er entlassen wurde. Natürlich waren da alle anderen schuld die ihn gemobbt haben obwohl er "so viel für das Team gearbeitet" hat. Traurig:-(

  • Anna Weber am 29.09.2010 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ogott ogott

    Diese Kommentare... Wem's passt soll mitmachen, wem nicht solls doch einfach lassen. Aber die Kommentare von denen die keinen FB-Account haben sind so was von ignorant und überheblich... Und FB-Nutzer sollen die ohne Sozialkompetenz sein? :-) Lustig ist aber, wenn Leute sagen, sie hätten ihre Hobbies wiederentdeckt. Wart ihr den 24h am PC oder was? :-)

  • sam am 29.09.2010 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook das....

    Supervirus!