Tödlicher Krebs

06. Oktober 2011 12:04; Akt: 07.10.2011 15:46 Print

Deshalb hielt Jobs so lange durch

von Runa Reinecke - Für die meisten Bauchspeicheldrüsen-Krebspatienten bedeutet die Diagnose den sicheren Tod nach zwei Jahren. Jobs überlebte sieben Jahre - das hatte er nicht nur einer neuen Leber zu verdanken.

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Verschiedene Faktoren stehen im Verdacht, Krebserkrankungen zu begünstigen. Nachfolgend einige Beispiele... . Viele Sonnenschutzmittel enthalten gesundheitlich bedenkliche Stoffe. Trotzdem gilt: Lieber dick mit einer Creme mit hohem Lichtschutzfaktor eincremen und somit das Hautkrebsrisiko minimieren. Sogenannte Azofarbstoffe werden auch zum Tätowieren verwendet. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Alkohol wird - wenn auch nur indirekt - zum Krebsrisiko: Seine Abbauprodukte können den Körper schädigen. Eine deutsche Studie brachte es ans Licht: Kinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken aufwachsen, haben ein grösseres Risiko an Blutkrebs zu erkranken. Die genetische Disposition kann das Krebsrisiko erhöhen, wie zeigt. Schlanke Menschen leben gesünder - und verringern ihr Krebsrisiko (). Feuerwehrmänner leben auch langfristig wegen riskanter Einsätze gefährlich: Sie kommen regelmässig mit krebserregenden Stoffen in Kontakt. Diätexperten raten zum regelmässigen Verzehr von Fisch, Gemüse und Früchten. Wer viel rotes Fleisch (also Rind, Schwein, etc) zu sich nimmt und nicht auf eine ausgewogene Ernährung achtet, erhöht sein Darmkrebsrisiko. Das Rauchen eines Joints ist 20 Mal so krebserregend wie das Qualmen einer normalen Zigarette. Dies besagt eine Studie des Medizinischen Forschungsinstituts in Wellington, Neuseeland. Sogar in Kochutensilien wurden krebserregende Stoffe gefunden. gibts mehr zum Thema. Sogar Menschen, die regelmässig nachts arbeiten müssen, sind . Durch Raps erzeugter Treibstoff ist mit Vorsicht zu geniessen, wie in zu lesen ist.

Trotz stetigem medizinischen Fortschritt ist der Krebs immer noch eine heimtückische Krankheit.

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Er kämpfte, wollte sich sein Leiden nicht anmerken lassen. Apple-Mitgründer Steve Jobs litt an der zehnthäufigsten Krebsart, die zugleich eine der tödlichsten ist: dem Bauchspeicheldrüsen-Krebs, auch Pankreas-Karzinom genannt. «Rund 70 Prozent aller Patienten sterben innerhalb der nächsten zwei Jahre nach Diagnose-Stellung, auch wenn man erfolgreich operiert und eine Chemotherapie anwendet», erklärt Peter Bauerfeind, Professor und Leitender Arzt für Gastroenterologie am Unispital Zürich gegenüber 20 Minuten Online in einem Interview. Dem Mediziner zufolge zeigen grosse Studien ein ernüchterndes Bild: Fünf Jahre nach Diagnose-Stellung sterben mehr als 95 Prozent der Patienten, unabhängig davon, ob operiert wurde oder nicht.

Dass Steve Jobs sieben Jahre mit der Diagnose lebte, hat er nicht etwa einem Wunder zu verdanken: Er war von einer besonders seltenen Form, einem neuroendokrinen Tumor der Bauchspeicheldrüse, betroffen. Dieser Krebs ist in der Regel weniger aggressiv als sogenannte exokrine Karzinome. Menschen, die unter dieser Tumor-Art leiden, können nach der Diagnose-Stellung bis zu 20 Jahre überleben.

Hoffnungsschimmer Organtransplantation

So mancher mag sich jetzt zu Recht fragen: Macht es da nicht Sinn, die erkrankte Bauchspeicheldrüse komplett zu entfernen? Schliesslich kann ein Mensch auch ohne das Organ leben, das in unserem Körper für die Insulinproduktion zuständig ist. «Das ist richtig», meint Bauerfeind, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass bei einer Krebsoperation dieser Art meistens nicht die ganze Bauchspeicheldrüse entfernt wird. Um die Insulin-Zufuhr weiterhin sicherzustellen, genüge es, wenn zehn Prozent des Organs im Körper belassen werden. Nur wenn die Bauchspeicheldrüse vollständig entfernt werde, müsse sich der Patient zukünftig Insulin spritzen. Auch bei Jobs wurde offenbar der von Krebs befallene Teil des Organs entfernt.

Häufig streut der Bauchspeicheldrüsen-Krebs in benachbarte Organe, insbesondere in die Leber. Entsprechend greifen die behandelnden Ärzte zu speziellen Therapien, die die Krebszellen in der Leber attackieren: Sie werden operativ entfernt oder mit Hitze vernichtet. In einigen Fällen versuchen es Mediziner mit einer Organtransplantation. Im Jahr 2009 unterzog sich auch Steve Jobs diesem Eingriff: Dabei wurde seine Leber durch ein Spenderorgan ersetzt. Bei der Tumorart, unter der Jobs litt, ist dieser Eingriff allerdings eher untypisch, wie der New Yorker Onkologe Graig Devoe bemerkt. An eine Transplantation sei laut Devoe nur dann zu denken, wenn andere Behandlungsoptionen keinen Sinn mehr machen oder die Leber von Metastasen befallen ist.

Hilfe aus dem Giftschrank

Leider bleibt der langfristige Erfolg einer Lebertransplantation für die meisten von Bauchspeicheldrüsen-Krebs Betroffenen, darunter auch Steve Jobs, aus: «Schätzungsweise bei neun von zehn Patienten kommt der Krebs zurück. Denkbar ist aber auch, dass Jobs die starken beziehungsweise extrem toxisch wirkenden Medikamente, die er nehmen musste, nicht vertragen hat», spekuliert Jack Jacoub vom MermorialCare Cancer Insititute in Fountain Valley, USA. Erschwerend kommt ihm zufolge hinzu, dass Transplantationspatienten immunmodulierende Medikamente einnehmen müssen, sogenannte Immunsuppressiva. Sie sollen verhindern, dass das neue Organ vom Körper des Rezipienten abgestossen wird. Auch eine «leichte» Chemotherapie gehört meistens zur Standardtherapie eines Pankreas-Karzinom-Patienten.

Im August trat Jobs zurück. Sein Erscheinungsbild liess bereits Monate zuvor nichts Gutes vermuten: Der Amerikaner war besorgniserregend abgemagert. «Starker Gewichtsverlust in einem fortgeschrittenen Krebsstadium ist grundsätzlich ein schlechtes Zeichen», kommentierte Jack Jacoub im Chicago Tribune den letzten öffentlichen Auftritt des grossen Apple-Visionärs.