Blasenentzündungen

14. Mai 2018 20:05; Akt: 14.05.2018 20:05 Print

Das heikle Comeback alter Antibiotika

Um Resistenzen gegen neuere Antibiotika zu verhindern, verschreiben Ärzte wieder vermehrt ältere Präparate. Bei Harnwegsinfekten ist das problematisch.

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Wenn die Blase schlimm zwickt, ist meist eine Blasenentzündung schuld. Um eine solche zu behandeln, verschreiben Ärzte immer seltener moderne Antibiotika, sondern zunehmend solche, die schon seit vielen Jahren zugelassen sind. Auf diese Weise wollen die Mediziner verhindern, dass die Bakterien Resistenzen bilden, so wie es beim Breitband-Antibiotikum Ciprofloxacin bereits passiert ist. Dementsprechend sei es wichtig, dieses Präparat nur in schweren Fällen einzusetzen. Ein weiterer Grund für die sparsame Verwendung von Ciprofloxacin ist, dass es – genauso wie die anderen Antibiotika aus der Gruppe der sogenannten Fluorchinolone – im Verdacht steht, schwerwiegende und dauerhafte Nebenwirkungen zu haben. Deshalb werden immer öfter die älteren Antibiotika Nitrofurantoin und Fosfomycin verschrieben, die bereits 1953 und 1971 zugelassen wurden. Das Problem: Niemand kann sagen, wie wirksam und sicher sie sind. (Im Bild: Nitrofurantoin-Rationenbeutel) Diese Wissenslücke haben Forscher der Universität und des Universitätsspitals Genf nun geschlossen. Ergebnis ihrer im Fachjournal «Jama» veröffentlichten Studie: Fosfomycin, das auch deshalb oft verabreicht wird, weil in der Regel eine Einzeldosis reicht, kann modernen Präparaten nicht das Wasser reichen. Anders als das Nitrofurantoin. Es sei ähnlich wirksam wie Ciprofloxacin, so die Forscher. 15 weitere Fakten zu Harnwegsinfekten erfahren Sie auf den nächsten Bildern. , da die weibliche Harnröhre kürzer ist als die männliche und Krankheitserreger schneller ihr Ziel erreichen. Laut einer im «British Journal of Family Medicine» veröffentlichten Studie leidet jede zweite Frau mindestens einmal in ihrem Leben an einer Blasenentzündung. Für sie steigt das Risiko ab dem 50. Lebensjahr. Grund: Männer in dem Alter haben oft eine vergrösserte Prostata und eine verengte Harnröhre. Dadurch wird der Harnabfluss behindert, sodass sich vermehrt Krankheitserreger in Blase und Harnröhre sammeln. Unter anderem trinken Frauen dann oft zu wenig, was verhindert, dass die Bakterien aus der Blase gespült werden. Zudem steigert Wassersport das Risiko, mit den Bakterien in Kontakt zu kommen. Auch nasse Bikini-Höschen tragen zu diesem Effekt bei. , weil Sex zu Schleimhautverletzungen und Harnröhren-Reizungen führen kann. Durch die gleichzeitige Veränderung des Scheidenmilieus können sich Erreger der Vagina auf der vorgeschädigten Schleimhaut vermehren und in die Blase gelangen. , denn jede Blasenentzündung lässt eine leicht entzündliche Wunde zurück. Frauen, die einmal die schmerzhafte Erfahrung gemacht haben, sind deshalb davon meist öfter wieder betroffen. , um sich gegen Zystitis zu schützen: Sie können weder einer Blasenentzündung vorbeugen noch ihre Heilung herbeiführen. Wichtiger ist es, sich immer von der Scheide zum After hin zu säubern und nach dem Geschlechtsverkehr möglichst bald aufs WC zu gehen. , meistens sind jedoch Darmbakterien verantwortlich, die über die Harnröhre in die Blase gelangen. In seltenen Fällen verursachen aber auch Viren, Pilze oder Würmer das Ziepen in der Blase. Nur er kann bestimmen, wie die Therapie aussehen muss. Verlässlich Linderung verschaffen in der Regel Antibiotika. Welches davon im Einzelfall das richtige ist, offenbart ein Urintest. So bleiben beispielsweise die gängigen Mittel gegen den häufigsten Zystitis-Erreger (E.coli) bei der Therapie oft wirkungslos. Konkret: Ampicillin versagt in 60 Prozent, Trimethoprim/Sulfamethoxazol in 30 Prozent der Fälle. Und selbst die alternativ eingesetzten Chinolone sind schon bei jeder zehnten Behandlung nutzlos. Steigt sie in die Nieren auf und weitet sich die Entzündung auf andere Organe aus, droht eine Nierenbeckenentzündung und im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung. Denn wenn sich über längere Zeit Urin in der Blase sammelt, können sich die Bakterien schneller vermehren. Auch den Harndrang sollte man nicht unterdrücken, weil dadurch die Blasenmuskulatur überdehnt und die Blase nicht mehr vollständig entleert wird. : Besser als stark gewürzte Speisen, viel Salz, Kaffee, Alkohol oder schwarzer Tee, die alle die Blase reizen und damit die Grundlage für eine Entzündung schaffen, sorgen Hülsenfrüchte, Fisch, Vollkorn und Gemüse für sauren Urin, in dem es Erreger schwerhaben. Lassen Sie die Strings und Synthetik-Unterhosen im Schrank und tragen Sie stattdessen bequeme Höschen aus Baumwolle. , um der Entzündung die Gelegenheit zu geben, vollständig abklingen zu können. Einziger Trost: In der Regel sind Harnwegsinfekte so schmerzhaft, dass die Lust auf Geschlechtsverkehr sowieso vergeht. Denn wer übertriebene Intimhygiene betreibt, beschädigt den Säureschutzmantel von Haut und Genitalbereich. Dadurch haben Bakterien leichtes Spiel und können schneller in den Körper gelangen

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Moderne Antibiotika wirken sowohl bei lebensgefährlichen Infektionen als auch bei harmloseren wie beispielsweise einer Blasenentzündung (Cystitis). Allerdings entwickeln die Bakterien immer mehr Resistenzen gegen diese Medikamente.

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Davon betroffen ist unter anderem das hochwirksame Breitband-Antibiotikum Ciprofloxacin. «Laut Schätzungen sind bereits bis zu 20 Prozent der Bakterienpopulation, die für Harnwegsinfekte verantwortlich sind, gegen Ciprofloxacin resistent», warnt Angela Huttner, die an der Universität Genf zu Infektionskrankheiten forscht. Dementsprechend sei es entscheidend, dieses Präparat nur in schweren Fällen einzusetzen.

Resistenzen – und heftige Nebenwirkungen

Hinzu kommt, dass Ciprofloxacin – genauso wie die anderen Antibiotika aus der Gruppe der sogenannten Fluorchinolone – im Verdacht steht, schwerwiegende und dauerhafte Nebenwirkungen zu haben (siehe Bildstrecke unten).

Aus diesem Grund kommt Ciprofloxacin seit 2011 bei harmloseren Blasenentzündungen eher nicht mehr zum Einsatz. Mediziner verschreiben dagegen die älteren Antibiotika Nitrofurantoin und Fosfomycin, die 1953 und 1971 zugelassen wurden.

Diese Antibiotika haben heftige Nebenwirkungen

Weniger strenge Zulassungsverfahren

«Der Einsatz dieser alten Medikamente hat sich verfünffacht, ohne dass wir wissen, wie wirksam und wie sicher sie genau sind», wird Huttner in einer Mitteilung der Uni Genf und der HUG vom Montag zitiert. Laut der Forscherin waren die Beurteilungs- und Zulassungsverfahren damals noch nicht so streng wie heute.

Die zurzeit am häufigsten bei Blasenentzündung verschriebene Substanz ist Fosfomycin, wohl auch, weil ein Einzeldosis-Sachet genügt. Nitrofurantoin-Tabletten hingegen müssen während fünf Tagen dreimal täglich eingenommen werden.

Fosfomycin wenig wirksam

Die Forscher der Uni Genf und der HUG untersuchten die Wirkung der beiden Medikamente in einer Studie mit 513 Frauen aus Genf, Tel Aviv (Israel) und Lodz (Polen), die an Blasenentzündung litten. Diese erhielten nach Zufallsprinzip entweder eine Therapie mit Fosfomycin oder Nitrofurantoin verschrieben.

Es zeigte sich, dass 70 Prozent der Patientinnen, die Nitrofurantoin eingenommen hatten, nach der Behandlung symptomfrei waren. Bei 74 Prozent waren die Bakterien aus dem Urin verschwunden. Die Frauen mit einer Fosfomycin-Therapie waren nur zu 58 Prozent symptomfrei und nur bei 63 Prozent wurden die Bakterien eliminiert.

«Wenn man bedenkt, dass eine Frau eine Chance von 33 Prozent hat, von einer Blasenentzündung zu genesen, ohne Antibiotika einzunehmen, zeigen die Resultate, dass Fosfomycin wenig Wirkung entfaltet», so Huttner. Über ihre Befunde berichteten die Forschenden im Fachjournal «Jama».

Deutlich besser wirksam

Da die Wirkung von Nitrofurantoin hingegen vergleichbar mit anderen Antibiotika ist, sehen die Forscher es als geeigneten Ersatz für moderne Präparate an, zumal das Risiko von Nebenwirkungen (Durchfall, Kopfschmerzen und Bauchkrämpfe) bei den beiden untersuchten Präparaten sowie dem modernen Ciprofloxacin ähnlich ausfällt.

Die Wissenschaftler bestreiten nicht per se die Rückkehr zu älteren Antibiotika als Strategie gegen die Resistenzen. Aber sie fordern, die Wirksamkeit der Medikamente zu überprüfen, damit nur solche verschrieben werden, die auch tatsächlich helfen und auf die jeweilige Infektion zugeschnitten sind. Denn auch wenn Fosfomycin nicht die optimale Behandlung bei Blasenentzündung darstellt, könnte es bei anderen Infekten durchaus wirksam sein.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • anonym am 14.05.2018 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blasenentzündung

    Demanose ist das beste heilmittel gegen blasenentzündung.

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  • Ex Pfleger am 14.05.2018 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsorgliches Denken

    Sollten sich gerade junge Frauen merken, die in Schul/Arbeits Pausen auf kaltem Boden und Mauern sitzen. Wer einmal eine richtige Blasenentzündung hatte, ist sehr anfällig auf weitere.

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  • Prof.dr.med M. Håsselbørg am 14.05.2018 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trinken Trinken

    Wichtig ist einfach immer VIEL TRINKEN und Tee ist auch gut für die Blase.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Drizzt am 15.05.2018 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Persönlichen Erfahrungen/Geschichten

    Eine Bekannte von mir war als Teenager oft mit Freunden in Bulgarien draussen wo Sie sich auch alle jeweils länger aufhielten. Sie war Hübsch und hatte eine gute Figur was Sie auch gerne zeigte da Sie in diesem alter natürlich auch entdeckte wie einfach Männer auf diese Reize reagieren und so zum Spielball werden.Die Warnungen ihrer Mutter sich besser warm anzuziehen und nicht Bauch/Nieren frei rumzulaufen oder sitzen bei Jedem Wetter tat Sie immer als Nonsense ab. Mit 17 musste Sie not-operieren und kann seit da keine Kinder mehr bekommen. Es hat Sie zerstört und zu Prosti/Drogen gebracht.

  • Bibiana am 15.05.2018 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie wieder

    Mir wurde im letzten Jahr mehrmals Cipro wegen einer harmloser Blasenentzündung verschrieben. Im TV habe ich dann gesehen, dass das Medikament schwerwiegende Folgen haben kann und mein Vertrauen in den Arzt ist weg! Von nun an hinterfrage ich alles !

  • Sabrina am 15.05.2018 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kombination aus diesen natürlichen Mitteln

    Ich leide seit wiederkehrenden Blasenentzündungen seit ich 16 bin (heute 34) und bin inzwischen gegen fast alle Antibiotika resistent. Ich war viele Jahre beschwerdefrei mit der Hilfe von D-Mannose. Tip Online im Ausland kaufen. Vor 2 Jahren ging es wieder los mit den Entzündungen. Das letzte Antibiotikum, dass mir vor einem Jahr noch geholfen hat war Nitrofurantoin. Ich bin wieder seit einem Jahr beschwerdefrei und zwar mit folgenden Mitteln: D-Mannose, 2x am Tag 3 Knoblauchzehen (hacken und z Bsp mit Ketchup oder Mayo mischen) Alternativ Knoblauch Extract, Oregano Öl und Koloidales Silber

    • Paul am 16.05.2018 04:54 Report Diesen Beitrag melden

      Verbreiteter Irrtum

      Liebe Sabrina, es sind nicht die Patientinnen, die Resistenzen gegen ein Antibiotikum entwickeln, sondern die Bakterien. Bei Bakterien tritt manchmal eine Mutation ein, die es möglich macht, das Antibiotikum abzubauen, bevor es dem Bakterium schadet. Dann bleiben nur dessen Nachkommen übrig. Dazu sagt man, das Bakterium ist resistent geworden. Merke: Antibiotika sollen in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen, nicht in den der Patienten!

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  • Reini am 15.05.2018 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ideen Sammlung

    An Alle Vielen Dank für die Vorschläge, habe Einiges notiert und wieder Ideen und Lösungsansätze! Wie gesagt; ausprobieren und die Hoffnung nicht verliefen! Vielen Dank !

    • Philipp am 15.05.2018 17:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Reini

      Behandeln ok, aber gleichzeitig an den Ursachen arbeiten. Und wichtig - Zwei Dinge stehen unweigerlich fest: Zum Einen besteht ein Interessenskonflikt zwischen Patient und Arzt, denn gesunde Menschen bedeuten wenig Umsatz für die Zukunft. Zudem werden Ärzte zu Behandlern und nicht zu Gesundheitserhaltern ausgebildet. 'Was bringt den Doktor um sein Brot? a) die Gesundheit, b) der Tod. Drum hält der Arzt, auf dass er lebe, uns zwischen beiden in der Schwebe.' - Eugen Roth

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  • Nadine am 15.05.2018 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Resistenter Keim

    Ich hatte eine Blasenentzündung durch einen resistenten Keim. Es hat 3 Jahre gedauert, bis ich die Entzündung los war. Meine Blase ist dauerhaft geschädigt.