Fleischfressende Bakterien

17. Oktober 2017 15:26; Akt: 17.10.2017 15:26 Print

Frau bekommt Kind – und verliert Arme und Beine

Freud und Leid liegen oft ganz nah beieinander: Bei der Geburt ihres Sohnes erkrankte Lindsey Hubley an nekrotisierender Fasziitis.

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Am 2. März 2017 war die Welt für Lindsey Hubley und Mike Sampson noch in Ordnung: Ihr Sohn Myles Owen hatte gerade das Licht der Welt erblickt und war kerngesund. Auch Mutter Lindsey schien die Geburt gut überstanden zu haben. Doch der Schein trügt: Der Moment der Geburt, dem Lindsey und Mike so entgegengefiebert hatten, sollte ihr Leben anders auf den Kopf stellen, als sie es sich ausgemalt hatten. Denn die junge Frau hatte sich während der Geburt über eine Wunde an der Vagina mit fleischfressenden Bakterien infiziert, die in ihren Körper eindrangen und zu einer schlimmen Blutvergiftung führten. Weil die Ärzte dies nicht rechtzeitig erkannten, mussten Lindsey schliesslich beide Unterarme und -schenkel amputiert werden. Nur so konnte ihr Leben gerettet werden. Während Lindsey Hubley seither auf den Rollstuhl angewiesen ist, hat sich Model Stacy Paris nach der Amputation ihrer Unterschenkel mit Prothesen arrangiert. Mehr noch: Sie machte sie zu ihrem Ähnlich erging es auch der 24-jährigen Aimee Copeland. Die Studentin aus den USA hatte sich im Jahr 2012 bei einem Badeunfall mit dem Bakterium Aeromonas hydrophila infiziert, das den Körper des Opfers von innen verfaulen lässt. Konkret hatte das Bakterium bei Aimee Copeland eine nekrotisierende Fasziitis ausgelöst. Mitte Mai 2012 musste deshalb Copelands linkes Bein amputiert werden. Anfang Juni wurden ihr zudem der rechte Fuss und beide Hände amputiert. Richard Empson infizierte sich im Juni 2016 dagegen beim Angeln im seichten Wasser des Golf von Mexiko mit fleischfressenden Bakterien der Art Vibrio vulnificus. Nur rund 24 Stunden nach dem ersten Unwohlsein wurde Empson Im Oktober des gleichen Jahres fing sich auch Michael Funk vor der Küste vor Ocean City (US-Bundesstaat Maryland) das Bakterium Vibrio vulnificus ein. Obwohl die Ärzte noch versuchten, sein Leben mit einer Amputation des betroffenen Beins zu retten, Der Golf von Mexiko wurde im Juni 2017 auch einem 31-Jährigen zum Verhängnis. Der Mann starb kurz nachdem er im Meer geschwommen war. Der Grund: Beim Bad im Meer waren – wie auch schon im Fall von Richard Empson – Bakterien der Art Vibrio vulnificus in seinen Körper gelangt. (Im Bild: Das Bakterium unter dem Rasterelektronenmikroskop.) Obwohl der Mann sofort das Spital aufsuchte und die Ärzte abgestorbenes Gewebe entfernten, kam jede Hilfe zu spät. Der Gesundheitszustand des Patienten verbesserte sich vorübergehend, doch dann erlitt er einen septischen Schock. Priscilla Dray war bereits Mutter von drei Kindern, als sie sich im Juli 2011 zu einem Schwangerschaftsabbruch entschied. Dieser Tag sollte ihr Leben komplett verändern, denn kurz darauf mussten ihr beide Unterbeine, der linke Unterarm und Teile der rechten Hand amputiert werden

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Lindsey Hubley und Mike Sampson aus dem kanadischen Halifax können ihr Glück kaum fassen, als im März 2016 ihr Söhnchen Myles Owen zur Welt kommt: Mutter und Kind sind wohlauf, Komplikationen hat es während der Geburt keine gegeben. Es scheint alles genau so zu sein, wie es sich werdende Eltern erhoffen.

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Doch drei Tage später klagt Lindsey plötzlich über starke Unterleibsschmerzen, die die Ärzte auf Verstopfungen zurückführen. Sie schicken die 33-Jährige wieder nach Hause – ein schlimmer Fehler, wie sich kurz darauf zeigt.

Fehldiagnose mit Folgen

Denn was zu diesem Zeitpunkt noch niemand weiss: Die junge Frau hat sich während der Geburt über eine Wunde an der Vagina fleischfressende Bakterien eingefangen, die zu einer Blutvergiftung führten.

Als das bei einer späteren Untersuchung festgestellt wird, ist es für eine klassische Behandlung zu spät. Nur die Amputation beider Unterarme und -schenkel kann die Ausbreitung der gefrässigen Bakterien noch stoppen. Seither sitzt Lindsey im Rollstuhl.

Doch das ist noch nicht alles, wie ihre Schwägerin Susan auf der Crowdfunding-Plattform Gofundme.com schreibt: Demnächst steht auch noch eine Nierentransplantation an. Für diese und weitere Eingriffe sammelt Susan dort Spenden.

Spital verklagt

Trotz dieser Schicksalsschläge hat Lindsey ihren Lebensmut nicht verloren, erzählt ihr Verlobter Mike CTV News Atlantic: «Sie ist unglaublich positiv eingestellt. Sie wusste, sie würde Arme und Beine verlieren, aber das hat ihr nicht ihre Fröhlichkeit genommen.»

Dennoch hat die junge Familie nun Klage erhoben. Denn hätten die Spitalärzte gleich die richtige Diagnose gestellt, hätte die Infektion nicht so weitreichende Folgen gehabt.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • W. Willi am 17.10.2017 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das in der Luft?

    Woher kommt so eine Infektion?

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  • Blerim am 17.10.2017 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir kommen die tränen

    Sehr schlimm, hoffe das die Mutter trotz diesen schicksals ein glückliches Leben haben kann.

  • kati am 17.10.2017 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fleiscfressende Bakterien

    Respekt für diese Frau...und alles erdenklich Gute für die Zukunft!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tina am 18.10.2017 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück überlebt

    Mein Bruder hatte diese Krankheit auch und hatte viel Glück, er lebt! Wo er sich die Bakterien aufgelesen hat wissen wir nicht, jedenfalls nicht im Spital.Nur dank der Ärzte die schnell reagiert haben ist er noch bei uns.

  • Girly60 am 18.10.2017 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbares Leid !

    Ich bin unfassbar Traurig was dieser jungen Mutter wiederfahren ist ! Ich hoffe dass sie ihren Lebensmut nicht verliert und trotz diesem Schicksalsschlag ein einigermassen normales Leben führen kann , und ihre Familie geniessen kann ! Viel Glück !

  • Bea am 18.10.2017 01:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterschrift??

    Bakterien sind ganz sicher durch Unsauberkeit im Spital zu der Frau gelangt. FRAGE AN ALLE: jeder Patient muss ja ein Formular unterschreiben - bin nicht mehr sicher wie dieses heißt, also, kann sich das Spital aus jeder Verantwortung rausreden?

    • Ghino di Punta am 18.10.2017 04:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bea

      Sieht so aus. Ja. Das gleiche gilt fuer Impfungen.

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  • Angst am 18.10.2017 01:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwangere

    Ohje da ich selber im 3 Monat fast schwanger bin macht mir das richtig Angst, in letzter Zeit liesst man echt keine schöne Sachen für Schwangere

    • Maddie am 18.10.2017 01:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Angst

      Ja... aber nimms realistisch... wieviele Schwangere bekommen das Kind ohne Komplikationen... von denen spricht man nicht.... nur von den ganz schweren Komplikationen.... mach dich nicht verrückt! Geniess Deine Schwangerschaft und freu dich auf das Kind! Denkst Du auch immer daran, dass Leute überfahren werden, wenn Du selber die Strasse überquerst??? Lass dich nich verrückt machen...

    • kati am 18.10.2017 05:07 Report Diesen Beitrag melden

      Hab Zuversicht in deinen Körper

      @Angst Das sind Ausnahmefälle von denen berichtet wird. Es werden tagtäglich so viele Kinder geboren und in der Regel läuft alles gut, richte den Fokus auf die positiven Berichte.

    • Coolman am 18.10.2017 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Angst

      Im 3. Monat ist man bereits schwanger. Es gibt auch nicht nur ein bisschen schwanger oder so. Einfach cool bleiben. Alles klar?

    • Adriana am 18.10.2017 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Angst

      Ich bin im 9. Monat und hätte lieber auch nichts davon erfahren. Aber Hand aufs Herz, wie sollen wir da Einfluss nehmen? Das Baby muss ja irgendwie raus. :-) Also ruhig Blut, kommt alles gut.

    • JJOEL am 18.10.2017 08:58 Report Diesen Beitrag melden

      Faustregel

      Ich glaube eine Faustregel besagt das alle 2 sek ein Kind geboren wird. Von Komplikationen hört man selten evt nur jede Woche etwas, also sehs nicht so eng das wird gut gehen:)

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  • zoggy am 17.10.2017 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    horrorgeschichte

    da stehen mir die nackenhaare zu berge