Tom Lüthi

20. Oktober 2017 17:58; Akt: 20.10.2017 17:58 Print

Kampf um den Titel – und gegen den Aberglauben

von A. Stäuble - Tom Lüthi ist Realist: Der Moto2-Fahrer spricht nicht von Träumen und wehrt sich gegen Rituale und Aberglaube, so gut es geht.

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Reicht es für den WM-Titel? Drei Rennen vor Schluss weist der Berner einen Rückstand von 19 Punkten auf Franco Morbidelli auf. Lüthi beeindruckt über die ganze Saison gesehen mit konstanten Leistungen, die ihm bereits diverse Podestplätze und einen Sieg (in Brünn) eingebracht haben. Das zahlt sich aus. Am 23. August wird bekannt, dass der 30-Jährige ab der kommenden Saison in der MotoGP-Klasse an den Start geht. Speziell: Sein Teamkollege wird Franco Morbidelli sein. Der Italiener stand Lüthi 2017 bislang vor der Sonne. Er hat die besten Karten, um sich den Titel in der Moto2 zu krallen. Lüthi überzeugt mit konstanten Leistungen und belohnt sich mit vier Saisonsiegen: Katar, Grossbritannien, Japan und Australien. In der Endabrechnung muss er sich nur von Johan Zarco (M.) geschlagen geben. Der Franzose wechselt danach in die MotoGP. Ende 2016 wird bekannt, dass Dominique Aegerter (r.) das Schweizer Team Derendinger Racing Interwetten verlässt. Geballte Schweizer Moto2-Power. Tom Lüthi (M.) bildet neu ein Team mit Dominique Aegerter (l.) und Robin Mulhauser. Der 125er-Weltmeister von 2005 setzt sich im teaminternen Duell klar durch. Dennoch verläuft die erste Saison nach dem Wechsel durchzogen. Lüthi beendet sie im 5. Rang. Lüthi dreht im Herbst auf und gewinnt die Rennen in Japan (Bild) und Valencia. Im WM-Klassement belegt er am Ende Rang 4. Saison 2013: </B> Seit Mai bestreitet Tom Lüthi nach seinem Sturz bei den Tests wieder Rennen. 2013 endet ohne einen GP-Sieg und mit Rang 6 in der WM. Nach dem Unfall bei den Tests will Tom Lüthi die Rückkehr in den GP-Zirkus beim zweiten Rennen in Texas (21.4.) erzwingen. Er muss die Übung aber nach dem ersten Training abbrechen. Die Schmerzen sind zu gross. Jetzt versucht er das Comeback in Jerez am 5. Mai. Die Saison 2013 startet sehr unglücklich. Lüthi wird bei den Testfahrten in Jerez von Ratthapark Wilairot «abgeschossen» und zieht sich eine Schulter- und Armverletzung zu. Er muss operiert werden und verpasst den Saisonstart. Tom Lüthi testete zuvor während drei Tagen seine neue Moto2-Maschine in Valencia. Nach dem Sturz beim zweitletzten GP der Saison in Australien holt Marc Marquez den Titel. Lüthi erreichte in der WM-Wertung 2012 Rang 4. Im ersten Rennen nach der Sommerpause in Brünn fährt Tom Lüthi zum sechsten Mal in dieser Saison auf Podest. Er wird hinter Marc Marquez Zweiter. Tom Lüthi fährt beim GP von Italien zum fünften Mal in der Saison 2012 aufs Podest. In Silverstone läuft es Tom Lüthi nicht nach Wunsch. Nach einem Trainingssturz und Rang 8 im Rennen verliert der Emmentaler am 17. Juni die WM-Führung. Am 3. Juni 2012 übernimmt Tom Lüthi erstmals seit dem WM-Titel 2005 wieder die WM-Führung. Ein zweiter Rang in Barcelona in der Moto2-Klasse reicht dem Emmentaler dazu. Nach einem fünften Rang zum Auftakt und zwei dritten Plätzen gewinnt Tom Lüthi in Le Mans sein erstes Rennen der Saison 2012 und rückt WM-Leader Marc Marquez bis auf zwei Punkte auf die Pelle. Es ist Lüthis siebter Karrieren-Sieg. Die ersten Tests im März 2012 verlaufen für Tom Lüthi verheissungsvoll. Ausserdem sichert ihm Bike-Bauer Eskil Suter in diesem Jahr eine intensivere Betreuung zu. Perfekte Voraussetzungen für den Angriff auf den Moto2-WM-Titel? Ein erfolgreiches Duo spannt noch enger zusammen: Auf die Saison 2012 hin übernimmt Lüthis Freundin Fabienne Kropf die Medienarbeit für den Töff-Star und bringt sich in dessen Vermarktung mit ein. Ihr erster Schachzug: Lüthi fährt nicht mehr Subaru, sondern BMW. Schliesslich beendet Lüthi die Moto2-Saison 2011 als WM-Fünfter. Und er kann es doch noch: Drei Wochen später gewinnt Lüthi gar den GP von Sepang. Es ist der erste Sieg des Emmentalers seit über fünf Jahren! Ende Saison geht es mit Tom Lüthi wieder bergauf: Am 2. Oktober fährt er beim GP von Japan als Dritter zum ersten Mal seit Anfang April wieder in einem Rennen in die Top 3. Mitte September platzt für Tom Lüthi ein Traum: Er wird nächste Saison nicht in der MotoGP fahren. Sein Manager konnte nicht die nötigen finanziellen Mittel organisieren. Es kommt auch Polemik auf: Lüthi werde vom Schweizer Fahrwerkhersteller Eskil Suter zu wenig umsorgt. Allerdings hat dieser dem Emmentaler vertraglich nie eine Sonderbehandlung zugesichert. Doch die Saison geht nicht so verheissungsvoll weiter, wie sie begonnen hatte: Es folgen für Lüthi Stürze und Platzierungen ausserhalb der Top-Ränge. Ein Rückschlag. Beim zweiten Saisonrennen in Jerez muss sich der Emmentaler nur von Stefan Bradl schlagen lassen und fährt auf Rang 2. Zum Auftakt in Katar erreicht Lüthi den dritten Rang und startet somit so gut wie schon lange nicht mehr. Noch vor Saisonstart 2011 wird bekannt, dass Lüthis Manager Daniel Epp fürs kommende Jahr ganz grosse Pläne hegt: Der Emmentaler soll in die «Königsklasse», die MotoGP, aufsteigen. Für die Saison 2011 wechselt Lüthi auf die Maschine des Schweizer Herstellers Suter. In einer Klasse, in der alle die gleichen Motoren besitzen, will er wieder um den Titel mitreden. Lüthi gehört auf der Moriwaki mit fünf Podestplätzen zu den Spitzenfahrern. Er verpasst aber den angestrebten WM-Titel und wird im Klassement mit 156 Punkten Vierter. : Sportlich wird aus der Viertelliterklasse 2010 die neugeschaffene Moto2. Ein Jahr nach der Trennung von Fabienne finden die beiden Ende 2009 wieder zusammen. Lüthi wird Siebter der 250er-Klasse mit 120 Zählern - aber ohne Podestplatz. 2009 gehts wieder etwas aufwärts - zumindest im WM-Klassement. Er holt immerhin 2 Podestränge, aber nur noch 108 Punkte, was in der WM Platz 11 bedeutet. Auch in diesem Jahr kann Lüthi nicht um den Titel mitfahren. Die erste Saison auf der Aprilia läuft nicht optimal: Kein Podestplatz, WM-Rang 8 mit 133 Punkten. In der Saison 2007 wechselt Lüthi in die 250er-Klasse und lernt italienisch, um seine Mechaniker besser zu verstehen. 2007 verliebt sich Lüthi in Fabienne Kropf, Miss Bern 2005. Nach einem Jahr trennt sich das Paar wieder. Er gewinnt ein Rennen und holt 113 Punkte. Das bedeutet WM-Rang 8. Lüthi kann den Titel in der Achtelliterklasse nicht bestätigen. Lüthi bei seiner Teilnahme am Super10Kampf der Sporthilfe. Der Emmentaler erhält die Auszeichnung zum Schweizer Sportler des Jahres 2005. Mit 242 Punkten wird er mit 19 Jahren der sechstjüngste Weltmeister der Geschichte. Er holt fünf Poles, vier Siege und insgesamt acht Podestplätze. 2005 startet Lüthi total durch. Lüthi fährt nie aufs Podest und sammelt nur 14 WM-Punkte. Am Ende bedeutet dies Gesamtrang 25. In diesem Jahr fährt der Schweizer auch einmal aufs Podest. Am Ende ists WM-Rang 15 für ihn. In der Saison 2003 absolviert Lüthi seine erste vollständige Saison. Er holt dabei 68 Punkte. Lüthi, der am 6. September 1986 geboren wurde, absolvierte als 15-Jähriger seine erste Saison in der 125er-Klasse. In sieben Rennen holt er sieben Punkte und WM-Rang 27. Damals ahnte noch niemand, dass hier der nächste Weltmeister sitzt. Als Neunjähriger startete er seine Karriere auf dem Pocket-Bike. Aus Linden im Emmental eroberte Tom Lüthi die Töff-Welt.

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Erst neulich sah sich Tom Lüthi wieder mit dem Aberglauben konfrontiert. «Ich habe einen Fahrer entdeckt, der immer dieselbe Unterwäsche trägt. Etwas anderes kommt für ihn nicht infrage. Daraufhin habe ich realisiert, dass ich selbst schon viel zu lange die gleiche anhabe – und damit sogar ein Rennen gewonnen habe!»

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Holt sich Tom Lüthi den WM-Titel?

Die Sachen wurden umgehend gewechselt. Lüthi versichert, dass alles gut ausging und er später mit seinen Leuten darüber gelacht hat. Der Berner bestreitet schon seine 16. Rennsaison. Die Abläufe, die meisten Destinationen und Strecken, viele Gesichter: Die Dinge wiederholen sich. Entsprechend gross ist die Verlockung, dem Aberglauben zu verfallen.

Er steht mit beiden Beinen auf dem Boden

Lüthi setzt sich dagegen bewusst und erfolgreich zur Wehr, räumt aber ein: «Es ist nicht einfach, nicht abergläubisch zu sein.» Die Konkurrenz sei teils extrem, was das Thema betreffe. Bei den Südländern seien es ohnehin andere Verhältnisse, und bei den Japanern «ist es noch viel extremer».

Der Berner gibt sich keinen Illusionen hin und bezeichnet sich selbst als Realisten. Er kann sich an keinen Moment erinnern, in dem er Gefahr lief, den Bodenkontakt zu verlieren. «Das gab es noch nie.»

Bezeichnend war die Situation 2005, als sich der damals 20-Jährige mit dem Gewinn des WM-Titels einen Bubentraum erfüllte und der Rummel um ihn auf einen Schlag riesig war. «Ich wurde von alldem erschlagen. Ich konnte nicht damit umgehen, ich war schlicht zu jung.» Lüthi zog sich in seine reale Welt zu seiner Familie und zu seinen Freunden zurück.

Träume? Für Lüthi sind es Ziele

Inzwischen ist Lüthi 31, und er träumt noch immer – allerdings nur, wenn er schläft. Alles, was ihm im Wachzustand vorschwebt, nennt er Lebensträume. Wenn es um seine Karriere geht, ist er bemüht, von Zielen zu sprechen. Rituale hat er, aber er bezeichnet sie bewusst als Abläufe, die ihm dabei helfen, sich minutiös vorzubereiten. Der Rhythmus ist immer gleich, egal ob es eine erste Trainingsfahrt oder der finale WM-Lauf ist.

Ein immer gleicher und immer wiederkehrender Traum begleitet Lüthi schon lange: Er fährt auf eine Kurve zu und das Vorderrad rutscht weg. Schlimm sei der Sturz nicht, «aber der Moment, wenn du realisierst, dass du die Situation nicht mehr retten kannst, ist scheisse». Dabei bleibt es. «Vor dem Aufprall ist alles vorbei und du erschrickst und erwachst.»

Es passt zum eifrigen Emmentaler, der fast nichts dem Zufall überlässt, dass er herausfinden wollte, was dahintersteckt, und ob es anderen ähnlich ergeht. Im Gespräch mit ehemaligen und aktuellen Rennfahrern wie Jesko Raffin stellte sich heraus, dass dieser Traum quasi zum Berufsbild gehört. «Es ist bei allen haargenau gleich», sagt Lühti.

Lüthi will Boden gutmachen

Zurück in die Realität, wo dem WM-Zweiten drei Rennen vor Schluss 19 Punkte auf den italienischen Leader Franco Morbidelli fehlen. Der Schweizer hätte kaum etwas zu beanstanden, wenn der folgende Satz auch nach dem GP von Australien am Sonntag (5.20 Uhr, SRF 2) noch Verwendung findet: Lüthi träumt weiterhin vom Titel.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Felix am 20.10.2017 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles

    alles gute Tom für die bevorstehenden 3 Rennen wichtig ist einfach gesund bleiben denn das ist der grösste Sieg

  • Jonei am 20.10.2017 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach super

    Tom ist der beste Schweizer Strassenmotorrad-Rennfahrer aller Zeiten. In diesem Jahr ist er zusammen mit Morbidelli miz Abstand am nächsten zum WM-Titel als der ganze Rest. Ich freue mich auf nächstes Jahr im Moto GP.

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  • René B. am 20.10.2017 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Tom

    Drücken wir die Daumen dass es dann in Valencia mehr sein wird als ein Traum.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sulejka am 21.10.2017 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tom Lüthi viel Erfolg

    Tom Lüthi viel Erfolg und Glück..alles Gute, glaube nur an Dich dann kannst Du siegen..lass den Aberglauben hinterm Auspuff brennen ;-)

  • Sugi GSX-R.1000 am 21.10.2017 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweifler

    Liebe Tom Nörgeler. er wirds schaffen, denn es war wie beim letzten WM- Titel ich glaubte dran. Ich persönlich war in Linden im Festzelt wo die Musik spielte. Es war schier unmöglich aber es hat mit unserem starken Willen geklappt. So wird es auch diesmal sein auf den letzten Metern. Hopp Tom Du schaffst es.

  • Kleine am 21.10.2017 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich heisse nicht Fr. Neid.

    Ich wünsche dir von Herzen viel Glück.

  • Renzo am 21.10.2017 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    @Jonei

    Der wohl beste Schweizer Strassenmotorrad-Weltmeister aller Zeiten dürfe mit Sicherheit LUGI TAVERI sein. Luigi hat in den Jahren 1962/64 und 66 den Weltmeistertitel in der 125ccm-Klasse gewonnen (immer auf Honda). Der am 19.09.1929 geborene Luigi Taveri lebt heute noch in Horgen am Zürichsee.

  • Black Jack am 21.10.2017 01:12 Report Diesen Beitrag melden

    Träumen

    Lieber Tom träume weiter. Ich wünsche Dir nur Keinen Sturz, ansonsten .....

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