Eishockey

30. Oktober 2017 16:46; Akt: 30.10.2017 20:10 Print

«Wir ziehen den Hut» – Mark Streit tritt zurück

Der 39-jährige Berner beendet seine eindrückliche Karriere abrupt. Streit wird sich einer Schulteroperation unterziehen und danach nicht mehr aufs Eis zurückkehren.

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Kehrt nicht mehr als Profispieler aufs Eis zurück: Mark Streit Mitte September 2017 im Trainingscamp der Montreal Canadiens. Die Anfänge einer bemerkenswerten Karriere: Als 18-Jähriger debütiert Mark Streit bei Fribourg-Gottéron, nur einen Winter später vollzieht er einen ersten grossen Karriereschritt und unterschreibt beim HC Davos. Drei Jahre bleibt er im Bündnerland. Die Heim-WM in der Schweiz im Frühling 1998 ist Streits erstes grosses Turnier mit der Nationalmannschaft. Die Schweiz stösst in den Halbfinal vor, scheitert dort aber am späteren Weltmeister Schweden. 1999 zieht es Streit nach Nordamerika, er versucht sein Glück bei Teams in den Minor Leagues. 2000 kehrt er zurück in die Schweiz und unterschreibt bei den ZSC Lions – Matthias Seger (links) wird sein Teamkollege. Und im Frühling 2001 ist er dabei, wie die Zürcher zum zweiten Mal in Folge Meister werden. Zum Abschluss seiner Zürcher Zeit wird Streit 2005 als bester Verteidiger der Saison ausgezeichnet. Fünf Jahre bleibt der Berner den ZSC Lions erhalten, ehe endgültig die grosse Welt des Eishockeys ruft. Im NHL-Draft 2004 hat ihn der Traditionsclub Montreal Canadiens in der neunten Runde gezogen, auf die Saison 2005/06 folgte der Übertritt nach Übersee. In der hockeyverrückten Stadt in Kanada avanciert Streit zur Teamstütze, gleich in seiner ersten Saison erreicht er mit den Canadiens das NHL-Playoff. Im dritten Jahr stiess Montreal gar in den Conference-Halbfinal vor. Im Juli 2008 erfolgt der Wechsel mit einem Fünfjahresvertrag zu den New York Islanders. Beim viermaligen Stanley-Cup-Sieger erhält der Verteidiger die Rückennummer 2 und soll das angegraute Team zurück zum Glanz von einst führen. Schon nach kurzer Zeit ist Streit der statistisch beste Verteidiger der Islanders. Vor der Saison 2011/12 wird er zum Captain des Teams ernannt. Streit nutzte seiner Freizeit während der fünf Jahre in New York, um auch die Stadt besser kennen zu lernen. Beispielsweise den Times Square. Ein Highlight seiner Karriere ist das All-Star Game im Jahr 2009 – an alter Wirkungsstätte in Montreal. Er ist bis dahin der erste Schweizer Spieler im All-Star Game der NHL. Erst während der Lockout-Saison 2012/13 spielt Streit erstmals überhaupt als Profi für seinen Juniorenclub. Er schliesst sich temporär dem SC Bern an, absolviert 32 Spiele und erzielt 7 Tore sowie 19 Assists. Im Juni 2013 transferieren die Islanders Streit zu den Philadelphia Flyers. Er unterschreibt einen Vierjahresvertrag. In den folgenden vier Jahren steht Streit 274-Mal für die Flyers auf dem Eis. Er erzielt insgesamt 30 Tore und kommt auf 110 Assists. Zeit für Sightseeing auch in seiner neuen Umgebung: Mark Streit auf den Spuren von Rocky Balboa in Philadelphia. Zum vierten Mal nimmt Streit an Olympischen Spielen teil, 2014 in Sotschi führt er das Nationalteam als Captain aufs Eis. Noch vor dem Viertelfinal scheitert die Schweiz an Lettland. Am 1. März 2017 landet Mark Streit in einem spektakulären Transfer über Tampa Bay in Pittsburgh bei dem amtierenden Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh. Ausgerechnet gegen Tampa debütiert er – und schiesst sogleich das entscheidende Tor.

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Mark Streit beendet seine Karriere. Der 39-Jährige erklärt den Rücktritt. Geplant war zuletzt alles anders gewesen. Im Sommer unterschrieb Mark Streit nach dem Stanley-Cup-Sieg mit den Pittsburgh Penguins noch einmal einen NHL-Vertrag. Er kehrte nach Montreal zurück, wo 2005 seine Laufbahn in der besten Liga der Welt begonnen hatte.

Nach zwei Spielen einigten sich der Klub und der Spieler auf eine Vertragsauflösung. Eine andere NHL-Organisation hätte sich die Dienste von Streit sichern können, was aber nicht geschah.

Schweizer NHL-«Eisbrecher» tritt ab

Mit Streit tritt der NHL-«Eisbrecher» des Schweizer Eishockeys zurück. Noch vor dem aktuellen NHL-Superstar Roman Josi (Nashville Predators) war der Berner als erster Schweizer Captain eines Schweizer NHL-Teams (2011 bei den New York Islanders). Mit Pittsburgh holte er 2017 als dritter Schweizer den Stanley Cup, als erster Feldspieler nach den Goalies David Aebischer (2001 mit Colorado) und Martin Gerber (2006 mit Carolina).

Die ZSC Lions, bei denen Streit fünf Jahre lang gespielt hatte, reagierten auf die Rücktrittsmeldung viaTwitter.

Streit ging Ende der Neunzigerjahre trotz klar besseren Verdienstmöglichkeiten in der Schweiz als ungedrafteter Spieler nach Nordamerika, um sich für die NHL aufzudrängen. Der Meister mit den ZSC Lions (2001) und einstige Captain des Nationalteams spielte 1999/2000 seinerzeit für drei verschiedene Minor-League-Teams, die Utah Grizzlies (IHL), die Tallahassee Tiger Sharks (ECHL) sowie die Springfield Falcons (AHL).

Unnachgiebiger Biss

Streit biss sich durch und kehrte erst Ende Saison in die Schweiz zurück. 2004 wurde er dann von den Montreal Canadiens in der 9. und letzten Runde als Overall-Nummer 262 im NHL-Draft gezogen. Schritt für Schritt erkämpfte sich Streit ab 2005 mit einer Unnachgiebigkeit sondergleichen und auch als Allrounder (teilweise spielte er Stürmer) ins NHL-Team der Canadiens.

Streit wusste immer: Verdienste aus Europa zählen drüben nichts. Man muss sich jede Minute Eiszeit erkämpfen. Der Berner konnte mit seinem Willen als erster Akteur aus der Schweiz beweisen, dass die hiesigen Spieler nicht zu weich für die härteste und beste Liga der Welt sind.

Schon als Junior war Streit einst beim SC Bern als zu wenig gut für eine Profikarriere befunden worden. Auch da machte er einen Umweg. Er ging zu Fribourg-Gottéron und debütierte dort in der Saison 1995/1996 in der NLA. Später entwickelte er sich in drei Saisons beim HC Davos zu einem Schweizer Topverteidiger und startete seine Nationalteam-Karriere (ab 1996/1997).

Auch der Nationalverband meldete sich auf dem Kurznachrichtendienst zu Wort:

Streit, der seine Profi-Karriere 1995 als 17-Jähriger beim HC Fribourg-Gottéron begonnen hatte, blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück: Insgesamt bestritt er 820 NHL-Spiele und erzielte dabei 100 Tore. 2011/2012 wurde er als erster Schweizer zum Captain eines NHL-Teams ernannt. 499 Mal spielte Streit in der NLA (80 Tore/197 Assists) und absolvierte 200 Partien im Dress der Schweizer Nationalmannschaft – seine erste am 6. Februar 1997 gegen die Slowakei.

Einer von vielen: Dieser Eishockey-Fan bedauert den sofortigen Rücktritt Streits.

(nag/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • André am 30.10.2017 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Karriere

    Alles gute Mark. War tolle Karriere von dir.

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  • Wise Guy am 30.10.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    End of a great story

    Ein grosser des schweizer Eishockeys beendet die Overtime. Ich wünsche dem grossartigen Mark Streit alles Gute.

  • m.h. am 30.10.2017 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    naja er kann auf ne super karriere zurück sehen, immerhin muss jeder mal aufhören

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 01.11.2017 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Don't look back, just remember!!

    Don't look, just remember!! Wunderbare Karriere Mark Streit!! Und merci für die tollen Jahre beim Z!

  • ralph am 31.10.2017 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Grosser Mark

    Grosser Mark Streit! Niemand hat auf Ihn gesetzt und er hat sich durchgebissen. Einer der uns allen zeigt was mit Fleiss und Wille alles möglich ist. Er ist der einzige 9 Runden Draft der jemals so weit gekommen ist, wenn man bedenkt, dass er erst mitte 20 überhaupt die Chance bekam! Auch sein Karriere Ende war sehr gut durchdacht. In der Schweiz spielen? Das birgt ein sehr grosses Risiko. Er wäre in der NHL schon nur durchschnitt auf dem kleinen Eisfeld, wie wäre das in der NLA? Das wäre sehr schwer geworden, aber beim SCB mit dieser Mannschaft und der Taktischen ausrichtung hätte es geklappt

  • Roberto Sibonetti am 31.10.2017 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Erbärmliches Verhalten

    Die Habs waren für mich immer eine Herzensangelegenheit. Die wiederholte Verpflichtung von Streit liess mich verwundert meine Augenbrauen hochziehen. Dennoch freute ich mich sehr über die Rückkehr. Nun aber, nach diesem inakzeptablen Akt der Respektlosigkeit muss ich mich abwenden. Nein, das war nicht Business as usual, sondern ein unsägliches und erbärmliches Verhalten dieser Organisation und ich hoffe sehr, dass sie eines Tages den Anstand haben, sich bei ihm offiziell zu entschuldigen. Alles Gute und vielen Dank für tolle Abende!

    • Luke am 01.11.2017 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      Business As Usual

      Ich denke schon, dass das Business as usual war. Ich habe den Eindruck, dass die NHL knallhart ist und dass dir niemand dankt fuer das, was du bereits geleistet hast. Richtig ist aber auch, dass Streit ja eigentlich gar keine richtige Chance erhalten hat in MTL (gerade mal zwei Spiele, dann schon wieder weg...). Streit kann m.E. sogar froh sein, dass er diese Saison nicht fuer MTL spielen muss. MTL wird nicht einmal die PO schaffen...die Organisation hat ausser Price in dieser Saison nicht viel zu bieten (Defensive und Offensive...).

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  • Schumacher R. / Walterswil BE am 31.10.2017 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Mark als traumhafter Botschafter ! Danke

    Wir ehemaligen H-Spieler, wenn auch auf dem Eis - "Gegner" bedanken uns bei dir für die enorme "Führungsarbeit" die du in der Schweiz wie aber auch in der NHL geleistet hast. Du hast in sympatischer Art und Weise unser Land bekannt und die Sportart "Eishockey" bei uns kräftig geprägt. Es zeigt doch schon deinen enormen Stellenwert auf, wenn ich beobachte, wie viele junge Talente an den freiwilligen Hockey-Camps (Zuchwil im Monat Juli, usw.) teilnehmen. Solche Einstellungen bei jungen Spielern bringen uns im Sport aber auch im Privatleben weiter. Dafür bedanke ich bezw. wir dir ganz herzlich.

  • od72 am 31.10.2017 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso

    sollte man mit dem eishockey aufhören wenns nicht mehr so läuft? wieso sollte ich meinen beruf beenden wenn ich jede menge kohle damit verdiene? aaah damit ein paar unbedeutende leute zufrieden sind und sich nicht in meine angelegenheiten einmischen...

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