Gerardo Seoane

04. Juni 2018 15:48; Akt: 04.06.2018 16:25 Print

«Ich habe Verständnis für die Reaktionen»

von E. Tedesco, Bern - Die Entscheidung zeugt von grossem Mut und viel Vertrauen in den neuen Trainer. Am Montag stellt YB Gerardo Seoane als neuen Trainer des Schweizer Meisters vor.

Gerardo Seoane wurde am Montag, 4. Juni, offiziell als neuer YB-Trainer vorgestellt. (Video: 20 Minuten)
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Der Abgang von Meistertrainer Adi Hütter zwang YB dazu, einen neuen Trainer zu suchen. Und die Berner überraschten, denn es wurde keiner der von den Medien gehandelten Namen wie Pierluigi Tami, Fabio Celestini oder René Weiler. YB zauberte Gerardo Seoane aus dem Hut.

Vor 38 Tagen, als YB dank einem Last-Minute-Tor nach 32 Jahren gegen den FCL, mit Seoane auf der Trainerbank der Zentralschweizer, Meister wurde, interessierte sich im gelb-schwarzen Freudentaumel keiner für die Worte Seoanes. Am Montag hingen ihm rund 25 Medienschaffende an den Lippen, als er die erste Medienkonferenz als YB-Trainer hielt.

Seoane bedankte sich zuerst für sieben «wundervolle Jahre» in Luzern. Zur überraschenden Anfrage der Berner sagt er: «Zuerst war ich sehr erfreut, denn ich sehe das als Zeichen, dass meine Arbeit geschätzt wird. Wichtig war mir die Frage, welche Ideen die sportliche Leitung hat und ob diese zu meinen passen. Danach habe ich die ersten Gespräche abgewartet.»

Die absolute Wunschlösung

«Er ist eine absolute Wunschlösung und wir sind froh, dass er heute da sitzt», sagt YB-Sportchef Christoph Spycher, räumte aber ein, dass Seoane nicht von Anfang an Favorit auf den Posten war. «Die Überzeugung, den richtigen Trainer zu haben, der zu YB passt, ist erst in den Gesprächen gewachsen.» Es sei der Sportkommission in Bern klar gewesen, dass man sich mit Seoane befassen müsse, weil er schon im Nachwuchs und im letzten halben Jahr mit dem FCL auch auf Profiebene einen guten Job gemacht habe.

Spycher: «Er passt aufgrund seiner Persönlichkeit sehr gut zu uns, strahlt natürliche Autorität aus, er sagt seine Meinung, aber arbeitet auch im Team gut und er hat einen unglaublichen Ehrgeiz und Ambitionen und will vorwärtskommen.» All diese Dinge hätten für Seoane gesprochen. Trotz allen Attributen, die Fussstapfen, die Adi Hütter nicht zuletzt mit dem Meistertitel hinterlassen hat, sind gross, die Erwartungshaltung in der Hauptstadt noch grösser. Passt der auf nationaler und internationaler Ebene weitgehend unerfahrene Trainer in diese Fussstapfen?

Der Trainer für die Zukunft

«Die Fussstapfen wären für jeden Trainer gross gewesen – egal wer gekommen wäre», so Spycher. «Entscheidend ist, wie wir denken und wie wir als Verein mit dem Trainer zusammenarbeiten. Wir sind überzeugt, dass Gerardo Seoane zu uns passt.» Für Zielgaben sei es noch zu früh, aber an der Überzeugung würde auch nichts ändern, wenn der neue Trainer den Einzug in die Champions League verpasst. «Wir haben einen Trainer für die Zukunft geholt», so der YB-Sportchef, «und nicht für zwei Spiele.»
Das sagt YB-Sportchef Christoph Spycher zu den Gründen, die für Seoane sprachen. (Video: 20 Minuten)

Der Wechsel nach nur einer Rückrunde als Cheftrainer beim FCL hat viel Unmut geschürt. In Luzern musste sich Seoane am Wochenende viele Anfeindungen gefallen lassen. Der Gipfel des schlechten Geschmacks: Ein Hass-Plakat vor dem Wohnhaus des neuen YB-Trainers.

Dazu sagt Seoane: «Emotionen gehören zum Fussball. Ich habe absolutes Verständnis für positive und negative Reaktionen. Selbstverständlich gibt es eine Grenze und ich glaube, in die Privatsphäre der Leute sollte man nicht eingreifen. Aber mehr Kommentare will ich nicht dazu abgeben. Ich schaue nach vorn und freue mich auf meine neue Aufgabe.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 04.06.2018 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Welcher Arbeitnehmer lehnt ein besser dotiertes und erfolgsversprechenderes Jobangebot ab? Und der Präsi soll nicht so tun, bei Misserfolg fliegt der Trainer auch ohne Gnade!

  • Matthias am 04.06.2018 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungeduld

    Ich verstehe Seoane für seinen Entscheid für einen Wechsel zu YB. Jedoch wurde von einigen Trainern in der Vergangenheit die Ungeduld von den Clubs kritisiert, nun hat einer von Ihnen bewiesen, dass sie eben auch so handeln. Es geht also immer um Erfolg, Macht, Geld und Perspektive. Eigentlich nichts als menschlich...

  • Sämi Trachsel am 04.06.2018 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schweigen ist Gold...

    Herr Seoane sollte lieber nichts mehr sagen als nun versuchen sich herauszureden. Es wird einfach nie gut ankommen beim Fussvolk!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roli Diglas am 05.06.2018 02:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Angebot

    So sind wir doch ehrlich! Ein Angebot fuer 1.8 Mio in drei Jahren, bessere Perspektiven als beim FCL, mit Remo Meyer ein Nobdy als Sportchef (bei YB mit Spycher, Chappuisat, und und) und keine Altherren- Riege (Alpsteg und Co) als Führung. Dieses Angebot musste Seoane annehmen!!

  • Matthias am 04.06.2018 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungeduld

    Ich verstehe Seoane für seinen Entscheid für einen Wechsel zu YB. Jedoch wurde von einigen Trainern in der Vergangenheit die Ungeduld von den Clubs kritisiert, nun hat einer von Ihnen bewiesen, dass sie eben auch so handeln. Es geht also immer um Erfolg, Macht, Geld und Perspektive. Eigentlich nichts als menschlich...

  • Bergkamp am 04.06.2018 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon eine Leistung

    Na, ich lass mich mal überraschen, was der Seoane da so hinkriegt, wird nicht einfach, aber man muss ihm lassen, dass er den FCL phänomenal hingekriegt hat. Es ist immerhin der StierliFCL und das ist stark. Wer schreibt, weil die Anderen schwächelten .. muss aber auch wissen.., dann musst du da sein ! .,, schau mr

  • Fritschi.V. am 04.06.2018 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ciao Pilatus

    Seoane ist dem FCL Tümpel entkommen.Was für ein Glücksfall für ihn - in Luzern hätten sie ihn nach der ersten Niederlage in die Wüste geschickt.

  • Chupachup am 04.06.2018 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So sieht es aus

    Auch hier.Alle sagen sie verstehen die Reaktion der Fans.Wir sind so ein Volk von kuschern.Die die Plakate aufgehängt haben sind vermutlich loser höchsten Grades und würden sicherlich nie eine bessere Bezahlung annehmen oder eine sportlich bessere Perspektive entgehen lassen.