Einzelkritik der Nati-Spieler

19. Mai 2017 09:28; Akt: 19.05.2017 09:38 Print

Praplan, Genazzi, Loeffel und Schäppi überragend

von Marcel Allemann - Die Eishockey-WM ist für die Schweiz vorbei, doch die Nati-Spieler haben uns begeistert. Das sind die Noten für die 25 Akteure.

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Torhüter: Leonardo Genoni, 6 Spiele, 93,33 % gehaltene Schüsse, Note: 5 1/2 Der statistisch beste Torhüter des Turniers in der Vorrunde. Ein grosses Turnier eines grossen Goalies, der nun endlich auch an einer WM ganz grosse Fussabdrücke hinterlassen hat. Einziger kleiner Klacks im Reinheft ist der nicht ganz einwandfreie Viertelfinal. Der grosse Pechvogel im Team. Von seinen sechs erhaltenen Gegentoren kann man ihm genau eines gegen Slowenien wirklich vorwerfen. Zuerst ein Opfer von Genonis Weltklasse, dann der Umstände und schliesslich seiner Verletzung. Der dritte Goalie hat für gewöhnlich die Funktion eines Touristen und Gutelaune-Bärs. Nicht so Schlegel. Weil Hiller verletzt war und Genoni geschont werden sollte, kam er zu seiner WM-Feuertaufe und hexte die Nati zum Sieg gegen Tschechien. Stark! Verteidiger: Raphael Diaz, 8 Spiele, 0 Tore, 1 Assist, 6 Strafminuten, 0-Bilanz, Note: 4 Ein schwieriges Turnier für unseren neuen Captain. Zwar bemüht und willig wie immer, hat aber während dem Playoff-Final irgendwo seine einzigartige Souveränität verloren. Ungewohnt fahrig, aber immerhin gegen Ende des Turniers eine Spur besser. Wie gut war das denn! Da ist er zuerst sechs Spiele lang überzählig, kommt dann gegen die Tschechen rein, macht ein Riesenspiel und knüpft daran auch gegen Schweden an. Er kann das internationale Spiel mitspielen, da er eine hohe Spielintelligenz und eine tiefe Fehlerquote hat. Dean Kukan, 8 Spiele, 0 Tore, 1 Assist, 2 Strafminuten, +1-Bilanz, Note: 5 Der Unscheinbare wird immer scheinbarer. Gutes Turnier, enorm agil, brillanter Läufer, Passeur und Dribbler. Daher ein Mini-Josi. Er muss noch das richtige Mass zwischen Zurückhaltung und mutigem Nach-vorne-Preschen finden, dann ist er top. Christian Marti, 8 Spiele, 0 Tore, 1 Assist, 2 Strafminuten, +1-Bilanz, Note: 4 Ein Sinnbild für die Leistungssteigerung des Teams. Zu Beginn mit Problemen, sich diesem hohen Level anzunehmen. Danach immer besser und solider, bis auf den verhängnisvollen Fehler gegen Schweden. Wegen seiner Physis das unangenehmste Element in der Schweizer Verteidigung. Philippe Furrer, 7 Spiele, 0 Tore, 0 Assists, 4 Strafminuten, +1-Bilanz, Note: 4 1/2 Kein Spektakel, aber ehrliche, harte Arbeit. Er erfüllte die Erwartungen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Er litt womöglich ein wenig unter den Schwankungen von Partner Diaz, um noch stärker auftrumpfen zu können. Romain Loeffel, 8 Spiele, 1 Tor, 4 Assists, 8 Strafminuten, +6-Bilanz, Note: 5 1/2 Welch ein Turnier des kleinen Neuenburgers! Defensiv viel verlässlicher als im Club, offensiv eine Offenbarung. Ständig in Bewegung, einer der grossen Aktivposten im Team. Die Maximalnote gibts nur nicht wegen einigen dummen Strafen und zwei unglücklichen Eigentoren. Ramon Untersander, 6 Spiele, 0 Tore, 5 Assists, 0 Strafminuten, +2-Bilanz, Note: 5 Begann miserabel, war gegen Slowenien unser schwächster Mann auf dem Eis. Danach bis zu seinem verletzungsbedingten Ausfall mit einem grossartigen Steigerungslauf, zeigte eindrücklich, weshalb er diese Saison der beste NLA-Verteidiger war. In der Nati ist er nun so richtig angekommen. Joël Genazzi, 8 Spiele, 1 Tor, 2 Assists, 2 Strafminuten, +7-Bilanz, Note: 5 1/2 Vor fünf Jahren noch 13. Stürmer bei den SCL Tigers, nun ein gross aufspielender WM-Verteidiger mit defensiver Disziplin und gutem Auge, dazu absolut stressfrei. Eine riesige Entdeckung, die beste Plus-Minus-Bilanz im Team. Das hat ihm so kaum jemand zugetraut. Stürmer: Vincent Praplan, 8 Spiele, 4 Tore, 3 Assists, 2 Strafminuten, +6-Bilanz, Note: 5 1/2 Eroberte die WM im Sturm. Als Neuling unser bester Torschütze, sorgte permanent für Gefahr, erst die Schweden fanden ein Mittel gegen ihn. Was am meisten beeindruckte, war seine Konstanz. Kloten wird ihn in einem Jahr verlieren - an einen Spitzenclub oder in Richtung Nordamerika. Thomas Rüfenacht, 8 Spiele, 0 Tore, 1 Assist, 2 Strafminuten, -2-Bilanz, Note: 4 1/2 Dieselbe Rolle wie beim SCB konnte er auf diesem Parkett zwar nicht spielen und er stand auch etwas im Schatten anderer. Aber sein Wert sollte auf keinen Fall unterschätzt werden, als Vorzeigekämpfer und Kommunikator im Team und Nervensäge für den Gegner. Andres Ambühl, 8 Spiele, 3 Tore, 2 Assists, 14 Strafminuten, +4-Bilanz, Note: 5 Kaum ist er die Captain-Bürde los, trifft er wieder. Um Klassen besser als vor einem Jahr, weil er wieder Tore und Assists produzierte. Dass er immer 120 Prozent gibt und ein nimmermüdes Duracell-Häschen ist, braucht bei ihm eigentlich nicht mehr erwähnt zu werden. Reto Schäppi, 8 Spiele, 2 Tore, 1 Assist, 8 Strafminuten, 0-Bilanz, Note: 5 1/2 Seine vierte WM war mit Abstand seine beste. Er setzt seine Grösse ein, geht dorthin, wo es weh tut und schiesst auch noch wichtige Tore. Eine enorm positive Erscheinung. Hat bei der Nati viel mehr Gewicht als im Club. Das muss den ZSC Lions zu denken geben. Simon Bodenmann, 8 Spiele, 1 Tor, 0 Assists, 2 Strafminuten, +2-Bilanz, Note: 4 1/2 Schnörkelloser Auftritt. Kein Spektakel, aber solides Handwerk. Er hat das internationale Spiel einfach drauf, ihn kann man in jeder Situation bedenkenlos aufs Eis schicken. Ein Gewinn fürs Team, dass er wieder dabei war. Reto Suri, 4 Spiele, 1 Tor, 0 Assists, 0 Strafminuten, +2-Bilanz, Note: 4 Nach einer für ihn persönlich unbefriedigenden Saison ein überraschendes WM-Aufgebot. Zunächst nur 14. Stürmer, doch als es ihn brauchte, war er da. Er ist intelligent und weiss genau, was es an einer WM braucht. Doch noch ein halbwegs befriedigender Saisonabschluss. Pius Suter, 8 Spiele, 1 Tor, 2 Assists, 4 Strafminuten, +1-Bilanz, Note: 4 1/2 Einer der wenigen Schweizer Stürmer, die fast nicht auszurechnen und für besondere Überraschungsmomente gut sind. In der ersten Turnierhälfte einer der Besten, konnte das hoch angeschlagene Tempo jedoch nicht durchziehen. Fabrice Herzog, 8 Spiele, 3 Tore, 0 Assists, 0 Strafminuten, -1-Bilanz, Note: 4 1/2 Wie ein Blitz aus heiterem Himmel stieg er empor. Zunächst nur Ergänzungsspieler, dann mit einem Doppelpack Matchwinner gegen Kanada und Torschütze gegen Finnland. Konnte diese Kadenz allerdings nicht halten und brach danach ein. Aber er ist ja auch erst 22 Jahre alt. Denis Malgin, 7 Spiele, 0 Tore, 0 Assists, 0 Strafminuten, -1-Bilanz, Note: 3 1/2 Konnte seine enormen Fähigkeiten nie ausspielen, blieb bei seinen Aktionen zu oft hängen und als es bei ihm nicht anhängte, fehlte ihm dann auch noch das Selbstvertrauen. Kann dieses Turnier als Lehrstück und wichtige Erfahrung für seinen weiteren Weg mitnehmen. Denis Hollenstein, 7 Spiele, 0 Tore, 5 Assists, 2 Strafminuten, +4-Bilanz, Note: 5 1/2 Geht keinem Zweikampf aus dem Weg, gibt immer alles und schafft es regelmässig, auch etwas mit Hand und Fuss zu kreieren. Aus der Nati nicht wegzudenken. Zur Maximalnote fehlten ihm nur ein bis zwei Tore, die Kaltblütigkeit von anfangs Saison eben. Tanner Richard, 7 Spiele, 0 Tore, 4 Assists, 8 Strafminuten, +1-Bilanz, Note: 5 Kein Techniker vor dem Herrn wie sein Vater, aber ein enorm wertvoller Teamspieler. Gewinnt fast jedes Bully, fährt den Gegenspielern mit seinem Körperspiel unter die Haut und ist ein enorm erfrischender Typ. Schön, haben wir ihn endlich richtig kennengelernt. Cody Almond, 7 Spiele, 2 Tore, 2 Assists, 2 Strafminuten, 0-Bilanz, Note: 4 1/2 Seine Nomination fürs WM-Team wurde nicht unbedingt erwartet, machte sich aber bezahlt. Am besten war er in der ersten Turnierhälfte, als die Schweiz unbedingt Punkte brauchte, danach baute er allerdings kontinuierlich ab. Gaëtan Haas, 8 Spiele, 2 Tore, 1 Assist, 0 Strafminuten, +5-Bilanz, Note: 5 Zum Start einer der Besten, baute danach ein wenig ab und setzte im Viertelfinal gegen Schweden nochmals einen drauf. Aber ein grosser Gewinn für das Team. Die Nati braucht einen solchen variantenreichen, einsatzfreudigen Center wie ihn. Damien Brunner, 7 Spiele, 2 Tore, 1 Assist, 4 Strafminuten, +1-Bilanz, Note: 4 Nach einer verkorksten Saison auch an der WM mit Problemen und mit seiner Spielweise halt eben auch immer ein gewisser Risikofaktor. Hat deshalb in der Nati an Bedeutung verloren. Doch Hut ab, wie professionell er seine Zurückstufung in der Hierarchie schluckte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Coach am 19.05.2017 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Malgin

    Die Bewertung von Malgin finde ich total falsch. Hat sicher eine 4.5 verdient. Er hat die Scheibe oft im alleingang und ohne Probleme in die Offensive Zone gebracht. Auch hat mir das Powerplay besser gefallen, wenn Malgin die geschicke gelenkt hat. Das Malgin punkte produzieren sollte ist klar. Jedoch ist er eher ein Passeur und kein Shooter. Wartet nur bis er einen Niederreiter oder so zur Seite hat.

  • Patrick L. am 19.05.2017 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Malgin/Brunner 

    Ganz erlich, malgin war sack stark! Wenn sie auch nur etwas von Eishockey verstehen... Malgin war immer 1-2 schritte schneller als seine Mitspieler, er konnte durch die Box pässe spielen wie kein anderer. Skorerpunkte sind nicht alles, aber die werden in zukunft noch kommen! Und brunner hat noch eine viel schlechtere bewertung verdient '2'! Der hat keinen zweikampf gewonnen, ist bei jedem check ausgewichen oder hat zu keinem angesetzt. Schlimmer waren nur noch seine fehlpässe oder puck verluste, wie die 98% schüsse die nicht mal den weg aufs tor gefunden haben.

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  • Jamaika Jamal am 19.05.2017 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Eisgenossen

    Trotz Niederlage gegen Schweden, bin ich sehr stolz auf unsere Nationalmannschaft. Weiter so!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno am 20.05.2017 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bruno

    Hört doch bitte einmal auf zu Nörgeln !!!! Die Schweiz hat eine Starke WM gespielt , und als Mannschaft eine gute Figur gemacht ... Auch der Trainer hat nicht alles falsch gemacht ... Weiter so !!!!!

  • Fraz am 20.05.2017 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfreulich!

    Wie schön! Eine Schweizer Nati bei der die Namen der Spieler auch von uns Schweizern noch ausgesprochen werden können. Sehr sympathisch, gefällt mir.

  • Crack am 20.05.2017 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top Malgin!!

    Lob und Kritik stehen im Ermessen des Betrachters. Vieles, des hier geschrieben trifft zu. Wer aber Denis Malgin eine solch schlechte Bilanz abgibt hat von Eishockey wenig Ahnung. Kein anderer Spieler hat der Scheibe solch Sorgfalt gegeben wie er .Dieser 20 jährige Top Spieler hat sich absolut in den Dienst der Mannschaft Gestellt und war auch ohne Torerfolg für mich jeweils einer der besten Spieler auf dem Eis. Ich bin mir sicher, dass wir von Denis Malgin noch vieles "positives hören werden....

    • Walter Steiner am 20.05.2017 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Crack

      Ich hoffe auch, dass Malgin noch besser wird in der Nati. Er ist ja noch jung und hat ja sein Potential in der NHL bereits bewiesen. Aber objektiv betrachtet war er an dieser WM mit Abstand der schlechteste der Schweizer Equipe.

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  • gugus am 20.05.2017 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    Für einmal

    sind die Romand überragend. Ist doch schön!

  • Tom Stone am 19.05.2017 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    überragend=6

    Wenn wir von grossartig reden, dann darf es auch Note 6 sein. Finde die meisten Kritiken sehr treffend, aber die Noten sind zu streng! Und das sage ich als Lehrer...