Neues Modell

11. Juli 2018 07:12; Akt: 11.07.2018 16:20 Print

KV-Lehrlinge sollen im ersten Jahr nur zur Schule

Das erste Lehrjahr nur Schule, das zweite und dritte vorwiegend im Betrieb: Bei der KV-Lehre soll so der Übergang ins Berufsleben sanfter werden.

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Zwei Tage Berufsschule, die restlichen Tage im Betrieb: So sieht drei Jahre lang der Alltag bei den meisten KV-Lehrlingen aus, die gleichzeitig die Berufsmatura absolvieren. Zum Start des Schuljahres 2019/20 will die KV Zürich Business School mit den Grossbanken Credit Suisse und UBS ein neues Modell testen.

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Das erste Lehrjahr werden die Lernenden voll und ganz an der Berufsschule verbringen, das zweite und dritte überwiegend im Betrieb. Laut der Mitteilung wird dieses Modell für die KV-Lehre mit Berufsmaturität in der Schweiz erstmals erprobt.

Erste Lehrabschluss-Prüfungen nach einem Jahr

Die Lernenden können damit bereits nach einem Jahr die ersten Lehrabschlussprüfungen ablegen, unter anderem im Fach «Informatik, Kommunikation, Administration» sowie in den Fremdsprachen. Im zweiten und dritten Lehrjahr reduziert sich der Unterricht an der Berufsfachschule auf einen Tag pro Woche. An den weiteren Tagen stehe dann die betriebliche Ausbildung im Zentrum.

Entspannter Einstieg ins Berufsleben

«Mit dem neuen Modell wollen wir die KV-Lehre mit Berufsmatura attraktiver machen und den Jugendlichen einen enspannteren Einstieg ins Berufsleben ermöglichen», sagt Christian Wölfle, künftiger Rektor der KV Zürich Business School, auf Anfrage. So hätten die Lernenden weniger Schullektionen pro Tag. «Momentan sind es acht bis zehn Schulstunden – damit ist der Tag sehr vollgepackt.»

Mit dem neuen Modell hätten die Lernenden während der drei Jahre gleich viele Lektionen und die gleichen betrieblichen Ziele wie bisher – auch wenn sie insgesamt ein bisschen Zeit weniger im Betrieb verbringen. Doch in vielen Unternehmen fehlen laut Wölfle wegen der Automatisierung sowieso passende Aufgaben für Lehrlinge im ersten Lehrjahr: «Durch das erste Schuljahr wird das abgefangen.»

Sprachaufenthalte statt Ferien

Wie auch beim bisherigen Modell erhalten die Lehrlinge während drei Jahren einen Lohn. Sie haben aber drei Wochen mehr Ferien als reguläre KV-Lernende. In der restlichen unterrichtsfreien Zeit müssen sie spezielle Aufgaben lösen, wie Wölfle sagt. Zudem seien ein Sportcamp und Sprachaufenthalte geplant.

Vorerst ist eine Klasse mit Lernenden der Credit Suisse und der UBS vorgesehen – das Pilotprojekt wird auch vom Zürcher Bankenverband finanziell unterstützt. «Wir sind daran, die Banklehre noch attraktiver zu machen», sagt Credit-Suisse-Sprecher Andreas Kern.

Das Angebot ermögliche, dass sich die Lernenden ab dem zweiten Lehrjahr voll auf die Praxisausbildung in der Bank fokussieren könnten. «Das ist sowohl für die Lernenden als auch das Team ein grosser Vorteil.» Bei der UBS heisst es, man wolle einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Berufsmaturität im KV-Bereich leisten.

«Grundsätzlich ein falscher Weg»

Von einer Steigerung der Attraktivität spricht man beim Verband Berufsbildung Schweiz nicht. «Ich bin mit diesem Modell noch nicht so vertraut, aber ich halte es grundsätzlich für einen falschen Weg», sagt Präsident Christoph Thomann. Jugendliche wählten eine Lehre, weil sie praktisch etwas tun und nicht nochmals nur in die Schule gehen wollen.

Wer lieber in die Schule gehen will, wähle direkt das Gymnasium. «Die Stärke der Berufsbildung liegt in der praktischen Tätigkeit und das Bedürfnis, mehr zu wissen kommt dann bei vielen in den höheren Lehrjahren», so Thomann. Darum sollte die Berufsmaturität eher später angesiedelt werden, wie etwa beim flexibleren Modell, das derzeit getestet wird.

(som/tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steff am 11.07.2018 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schulmotivation

    Viele Jugendliche haben nach der Regelschule den Schulkoller und sind unglaublich froh arbeiten zu gehen. Sie haben oft durch die Verbindung zum praktischen mehr Motivation für die Schule.

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  • C199 am 11.07.2018 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht

    Ich fand es nach der obligatorischen Schule gut, nicht mehr nur in die Schule zu müssen, sondern Abwechslung zu haben. Und was ist, wenn der Lernende nach einem Jahr hinschmeisst? Lohn bezahlt und noch keine einzige Arbeitsstunde geleistet...

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  • edith am 11.07.2018 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer bezahlt das?

    Im Betrieb wird ein Jahr lang ein Lernender bezahlt, ohne dass er mitgeholfen hat??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank am 11.07.2018 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Erste Jahr Schule?

    Dann werden wir wohl nur noch Lehrlinge ab dem 2. Lehrjahr einstellen.

  • 19 Jährige am 11.07.2018 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Ach, die armen KV Lehrlinge. Mein Gott, wegen 2 Tage Schule, 3 Tage arbeit sterben diese Jugendlichen nicht. Habe 2017 Bäcker-Konditor abgeschlossen. Bei unserem Beruf würde ich diesen Vorstoss noch verstehen. Um 17:30 Schule zu Ende, bist mal um 19:00 zu Hause und musst am nächsten Tag um 3:00 im Geschäft stehen - heisst etwa um 2:00 aufstehen. Das ist mühsam, weil der Schultag komplett gegen den Rythmus ist, den man hat. Aber bei den KVlehrlinge? Die immer etwa um 8:00 anfangen? Ist es da Nötig? Man ist ja nie aus dem Rythmus und hat so eine Abwechslung. Hausaufgaben kann man nach dem Arbeiten machen. Muss jeder Lehrling. Nur die KVler bringen es nicht zu Stande, oder sind überfordert? Auch Sport war eine Abwechslung - ich war immer einer der schlechtesten der Klasse, aber dennoch eine Abwechslung, vorallem bei Berufen, in denen man sich nicht viel bewegt, ist es durchaus Sinnvoll. Und nein, Sport zählt nicht, in keinem EFZ steht Sport drin, auch in meinem nicht.

  • Marcel am 11.07.2018 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz sicher nicht

    Es ist schon genug Luxus, dass den Lehrlingen die Ausbildung bezahlt wird, da braucht es nicht noch extra Lohn dafür. Lohn erhält man für das zur Verfügenstellen von Arbeitskraft und nicht fürs Lernen. Ich würde sagen, die Firmen sollten besser selektieren und nur die besten Schüler an eine KV-Lehre zulassen, dann würde auch das Niveau steigen.

  • Daisydream am 11.07.2018 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer macht mit

    So versetzt man der KV-Lehre den Todesstoss. Wer soll denn im ersten Lehrjahr den Lehrlingslohn bezahlen? Der Betrieb, in dem der Lehrling die beiden nächsten Jahre lernt? Ohne irgend eine Gegenleistung in Form von Arbeit? Viel Glück bei der Lehrstellensuche. Und wenn man in späteren Jahren zuwenig KV-Personal hat, rekrutiert man einfach ausländische Fachkräfte.

  • Berufsbildung CH am 11.07.2018 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basiskurs - neu aufgegleist

    Einige Jahre zurück... Dazumal hiess es Basiskurs und bedeutete: in den ersten 6 Wochen ein Schultag mehr. Wurde abgeschafft...