Uni Zürich

14. Juni 2018 14:53; Akt: 14.06.2018 17:05 Print

Geleakte BWL-Prüfung wird nicht wiederholt

Studenten fühlten sich unfair behandelt, weil Teile einer BWL-Prüfung im Internet kursierten. Die Uni Zürich will die Prüfung nicht wiederholen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die BWL-2-Prüfung an der Uni Zürich sorgte vergangene Woche für rote Köpfe bei den Studenten, weil Teile der Prüfung bereits im Voraus online zur Verfügung standen. Die Uni Zürich versuchte zu beschwichtigen: Es handle sich nicht um deckungsgleiche Prüfungen. Die Hälfte der Fragen sei im Vergleich zum Vorjahr neu oder angepasst worden.

In einem Mail an die Studenten schrieb die Studienleitung am Donnerstag, dass die Prüfung nicht wiederholt werde. Statistische Auswertungen hätten gezeigt, dass es bei der Leistung keine Unterschiede zur Prüfung im Vorjahr gebe. «Der Notenschnitt ist mit 4,37 (2017: 4,38) praktisch identisch. Die Durchfallquote liegt mit 24,9 Prozent (2017: 28,1 Prozent) leicht niedriger», sagt Uni-Sprecher Beat Müller. Auch beim Vergleich von einzelnen Fragen habe man keine Auffälligkeiten beobachtet.

«Prüfung soll weiterhin Basiswissen testen»

«Die Studenten, die die vorjährige Prüfung kannten, konnten also nicht gross davon profitieren», bilanziert Müller. Wie der Prüfungsbogen ins Internet gelangte, sei noch nicht geklärt. Man prüfe, wie man weiter vorgehen und ob man rechtliche Schritte einleiten wolle. Vergangene Woche verurteilte man die Veröffentlichung als klaren Regelverstoss.

Wie die BWL-Prüfung im kommenden Jahr aussehen wird, ist noch offen: «Das müssen wir noch klären. Ziel muss jedoch bleiben, dass die Prüfung Basiswissen testet und mit den Vorjahren vergleichbar bleibt.»

«Entscheid ist fragwürdig»

Dass die Prüfung nicht wiederholt wird, ist eine gute Nachricht für die Studenten, die nicht nochmals antreten müssen. Der Fachverein Oekonomie ist mit dem Vorgehen ebenfalls einverstanden. Studenten hätten wohl wegen fehlender Musterlösungen nicht gross profitieren können.

Camille Lothe, Präsidentin der Jungen SVP des Kantons Zürich, hat die Prüfung ebenfalls absolviert und forderte eine Wiederholung, als der Leak bekannt wurde. «Ich bin erstaunt und finde den Entscheid der Uni sehr fragwürdig», sagt sie. Man berufe sich auf Statistiken und wisse gar nicht, wie viele Personen von diesem Leak profitiert hätten.

Uni soll Prüfungen veröffentlichen

Offensichtlich habe der Leak sowie die Entwendung der Prüfung nun auch keine Konsequenzen. «Mit diesem Präzedenzfall gibt man grünes Licht, dass man auch künftig ohne Bedenken Prüfungen entwenden und mit anderen Studenten teilen kann», so Lothe. Aus ihrer Sicht wäre es das Beste, wenn die Uni von sich aus alte Prüfungen veröffentlichen würde. «So können sich alle vorbereiten und davon profitieren.»

(tam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabio am 14.06.2018 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Logisch nicht. Es sind immer alte Prüfungen unterwegs und oft werden ähnliche Fragen übernommen. Der einzige Unterschied zum letzten Jahr, es wurde publik.

  • Pimi am 14.06.2018 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar

    was eigentlich nur bestätigt was alle längst vermuteten: Es wurde schon immer geleakt! Da macht natürlich eine Wiederholung keinen Sinn, schon klar.

  • Pw am 14.06.2018 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Sonst müssen die Dozenten ja noch zusätzlich Arbeiten... Schade, der Ruf wird nicht gerade viel besser so!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Serina am 14.06.2018 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach du meine Güte

    Der UZH sind die Durchfallquoten wichtiger als dass man kompetente und hochqualifizierte Fachkräfte ausbildet. Klar die Prüfungen sollen nicht zu einfach sein, aber zu sagen "ja die Durchfallquote war sehr ähnlich" und damit ist alles gegessen finde ich mehr als fragwürdig.

  • Bürger am 14.06.2018 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ich finds daneben

    Ja nur wenn ich weis wer wie die prüfung gemacht hat und ich weis dass er dass nicht durch können und wissen schafte, wird er keine kunden in seinem geschäfft bekommen. Wer will schon zu einem artzt etc wenn er durch nicht wissen und nicht können die prüfung bestanden hat, egal welche prüfung. Ich würde mich schümen so zu bestehen und glrichzeitig in frage stellen ein solch grosses risiko einzugehen für die zukunft!

  • Studi am 14.06.2018 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UZH

    Das Problem der UZH ist, dass die Uni zuviel Wert auf quantitative Element legt. Es wird zuviel in zu kurzer Zeit vermittelt, wobei aber die qualitative Vermittlung auf der Strecke bleibt. Damit steigt die Tendenz zum Prüfungsfetischismus, reine Punktesammlerei und Bullimielernen, anstatt dass das kritische und selbstständige Denken gefördert wird. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Stoff ist oft nicht möglich. Der Schwierigkeitsgrad wird dadurch übrigens nicht erhöht. Dann versagt die UZH teilweise auf organisatorischer Ebene. Immerhin gibt es wenigstens freiwillig Verbände, die Anlässe organisieren, um die Netzwerbildungen unter den Studenten zu vereinfachen (in der Schweiz teilweise sehr schwierig).

    • Alex am 14.06.2018 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Studi

      Schön gesagt aber ich bezweifle, ob die Studenten sich wirklich vertieft mit der Materie befassen wollen. Am Ende will man einfach nur gute Noten, einen Abschluss und eine gute Position auf dem Arbeitsmarkt.

    • Edelweiss am 14.06.2018 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Studi

      Genau so ist es. Die BWL 2 Prüfung habe ich vor Jahren absolviert, nun bin ich am Master und es geht nur um Punkte. Ich persönlich will auch etwas dabei lernen, aber den meisten geht es um die ECTS. Es ist ein Fehler im System und nicht nur an der UZH.

    einklappen einklappen
  • Realo am 14.06.2018 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Alternativvorschlag

    Betriebswirtschafter gibt es beinahe wie Sand am Meer. Idealerweise werden in diesem Fach einige Jahre gar keine Prüfungen abgehalten und zwar in ganz Europa.

  • Lucy-Sky am 14.06.2018 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganze UZH in einen Topf?

    Bitte nicht wegen ein paar BWLlern die ganze UZH schlechtreden. Die UZH leistet viel in der Forschung von der die Allgemeinheit profitiert.

    • Edelweiss am 14.06.2018 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lucy-Sky

      Nun, die BWLer sind ziemlich die einzigen die dem Staat nicht kosten sondern auh etwas leisten.

    einklappen einklappen