Fahrzeugprüfung

12. März 2018 13:24; Akt: 12.03.2018 15:44 Print

Garagen übernehmen fürs Strassenverkehrsamt

Der Zürcher Kantonsrat will den Auto-Check auslagern und an Private vergeben. Autobesitzer müssten so ihr Fahrzeug nicht mehr beim Strassenverkehrsamt vorführen.

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Wenn der Garagist mit der Wartung auch gleich die Fahrzeugprüfung durchführe, könne sich der Autofahrer die Fahrt zum Strassenverkehrsamt und einen halben Tag Aufwand sparen, begründete GLP-Kantonsrätin Barbara Schaffner (Otelfingen) den Vorstoss.

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Sie betonte, dass sie keinerlei Verbindungen zu Garagisten habe. Es gehe ihr vielmehr darum, das Autogewerbe beim Umweltschutz vermehrt einzubeziehen und die Selbstkontrolle der Branche zu fördern.

Bei Mitunterzeichner Christian Müller (FDP, Steinmaur) ist die Motivation hingegen klar erkennbar. Er ist Inhaber von mehreren Garagen und Präsident des AGVS, des Auto Gewerbe Verbandes Schweiz. Dieses Thema habe er schon längere Zeit auf dem Radar. «Beinahe ganz Europa hat die Kontrollen bereits an Private delegiert.» Auch der TÜV in Deutschland sei ein privater Verein.

«Selbstkontrolle der Branche»

Für die linke Ratsseite war die beabsichtigte «Selbstkontrolle der Branche» eine Lachnummer. Die Autobranche habe in der Vergangenheit genügend gezeigt, dass sie nicht vertrauenswürdig sei, sagte AL-Kantonsrätin Judith Stofer (Zürich). «Wir vertrauen den Strassenverkehrsämtern mehr als den Garagisten.»

Auch die Grünen äusserten Bedenken. Angesichts des Dieselskandals sei klar, dass die Autobranche das Vertrauen verspielt habe, sagte Thomas Forrer (Erlenbach). Die Fahrzeugprüfung müsse von einer unabhängigen Stelle ohne finanzielle Interessen vorgenommen werden.

Für die SP ist der Auto-Check ebenfalls «klar eine Staatsaufgabe», der nicht in private Hände gehört. Der Staat solle nicht nur die Prüfer beaufsichtigen, sagte Felix Hösch (Zürich).

Garagisten sollen Reparaturen bestätigen

Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) bedankte sich für das grosse Vertrauen in die Strassenverkehrsämter - und gab gleichzeitig zu bedenken, dass die rechtlichen Voraussetzungen für eine Auslagerung an Private eigentlich jetzt schon vorhanden seien.

Gemäss Bundesrecht können die Auto-Checks an «ausgewiesene Experten» delegiert werden. Im Kanton Zürich wird dies mit Fachleuten des TCS bereits so gehandhabt. Sie führen Fahrzeugprüfungen durch und werden dabei vom Strassenverkehrsamt kontrolliert. Das funktioniere gut.

Fehr will aber dennoch ein Stück weit auf den Vorstoss eingehen und kündigte eine andere Massnahme an, welche Garagisten vermehrt einbeziehen soll. Er will ein Reparaturbestätigungs-Konzept prüfen, wie es bereits im Kanton St.Gallen in Kraft ist.

Strassenverkehrsämter bleiben

Dabei haben Garagisten die Berechtigung, jene Reparaturen, die vom Strassenverkehrsamt angeordnet wurden, zu bestätigen. Das Amt erfährt also von der Garage, ob die Mängel behoben sind. Die Autofahrer können sich die Fahrt zur Nachkontrolle somit sparen.

Die sechs Strassenverkehrsämter werde es auch in Zukunft geben, betonte Fehr. Diese würden nicht abgeschafft.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grosspapi am 12.03.2018 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

    Es ist unklug, verschiedene Interessen zu vermischen. Die Interessen der Garagisten sind nicht identisch mit denjenigen der MFK. Ein System wie in St.Gallen, wo zertifizierte Garagen die Nachbesserung vornehmen und bestätigen können, womit die Nachkontrolle entfällt, wäre jedoch zu begrüssen.

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  • O. Egger am 12.03.2018 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Persönlich finde ich

    Theorien ok, einfach im Modell. Jedoch sind staatliche Angestellte unabhängig(er). Sie beziehen einen Lohn, müssen nicht irgendwelche Umsatzziele und Gewinnvorgaben realisieren. Dass ein MFK-Experte nicht zwei Stunden pro Auto aufbringt, ist ja klar. Und darum geht es nicht. Für Garagen eröffnet sich ein neuer Leistungszweig und die Erfahrung zeigt, leider, dass Garagen ziemlich unbeschränkt irgendwelche Defekte/Teileaustausch selber regeln kann (in einem schlechten Wortsinn von Selbstregulierung). Nein, dereinst gab es Gründe, solche Kontrollen dem Staat zu übertragen.

  • Kain Spam am 12.03.2018 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird sich schnell herumsprechen

    Es wird sich schnell herumsprechen welche Garage jede Klapperkiste abnimmt. Wer streng nach den Regeln prüft verliert seine Kundschaft.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schumi am 14.03.2018 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    MFK ganz abschaffen

    Besser den Autobesitzer miteinbeziehen. Der kann selber prüfen, ob das Auto in Ordnung ist. Wer selber nichts versteht, kann bei der Garage nachfragen.

  • Österreicher am 14.03.2018 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Alle

    Finde ich super. Ist in Österreich auch so.

  • Tino am 14.03.2018 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tino

    gewissen Straßenverkehrsämter würde es gut tun zu lernen was Service bedeutet

  • Moto Rrad am 13.03.2018 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem ?

    Mein Motorrad habe ich in Schaffhausen auch von einem Garagisten gekauft der Fahrzeugprüfungen machen darf (Selbstabnahme). Das Strassenverkehrsamt in Zürich war weder beunruhigt beim einlösen noch sonst was. Alle Unterlagen vorhanden, verantwortung liegt beim Garagisten. Der wird sich davor hüten ein nicht korrektes Fahrzeug abzustempeln. Der Regress der Versicherung würde jedes Geschäft in den Ruin treiben. Aber eben lieber ein paar Staatsangestellte weiter in der geschützten Werkstatt wursteln lassen...

    • Villa am 13.03.2018 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Moto Rrad

      Übrigens Selbstabnahmen von Neufahrzeugen gibt es seit längerem auch im Kanton Zürich.

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  • Papierlischweizer am 13.03.2018 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Aber sicher

    Das ist in etwa dasselbe wie wenn der Wirt die Hygienekontrolle seiner Küche selbst vornehmen würde.

    • Mike. am 14.03.2018 17:37 Report Diesen Beitrag melden

      ist es nicht

      Seit bald 30 Jahren haben Autos Diagnosesysteme an Bord. Eigentlich kann heute fast nichts mehr schiefgehen, bei Abgaswerten oder Beleuchtung eh nicht, da sofort vom System erkannt; ausser strukturelle Probleme an der Karosserie. Und die bemängelt auch ein Garagist, schon aus eigenem Haftungsinteresse. Aus demselben Grund haben Garagisten immer weniger Arbeit. Ihnen nun ein Zubrot zu geben, ist nicht falsch. Ansonsten kostet ihr nächster Pneuwechsel einfach bald 50 Stutz mehr.

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