Zürcher Obergericht

17. Oktober 2017 11:12; Akt: 17.10.2017 11:12 Print

Mercedes-Fahrer wegen «Kamikazefahrt» verurteilt

Ein Aussendienstler musste sich am Montag wegen eines gefährlichen Überholmanövers vor Gericht verantworten. Dieses verurteilte ihn zu 18 Monaten.

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In seiner langjährigen Berufserfahrung als Richter habe er so ein Überholmanöver noch nie erlebt. Es habe sich um ein eigentliches «Kamikaze-Unternehmen» gehandelt, sagte der Gerichtsvorsitzende am Dienstag.

Gemeint ist der Vorfall vom Sonntag, 15 Mai 2016: Ein heute 57-jähriger Schweizer Aussendienstler fuhr mit seinem Mercedes auf der Autobahn A4 mit Tempo 147 km/h in Richtung Zürich. Laut Anklageschrift fuhr er Höhe Obfelden auf der Überholspur auf einen Porsche zu, der gerade einen Reisebus überholt hatte. Dann drängte sich der Mercedes-Fahrer plötzlich zwischen den Porsche und die Mittelleitplanke – nur wenige Zentimeter fehlten für eine Berührung.

Sein Pech: Das Überholmanöver wurde von einem zivilen Polizeiauto gefilmt. Das Bezirksgericht Affoltern verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Der inzwischen arbeitslose Aussendienstler legte danach Berufung beim Obergericht ein.

Ein noch gefährlicheres Überholmanöver sei kaum vorstellbar

«Ich habe falsch reagiert, statt zu bremsen, habe ich Gas gegeben», sagte der Mercedes-Fahrer am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht. Er fahre seit 37 Jahren und habe schon über eine Million Kilometer zurückgelegt. Noch nie sei er wegen Tempoüberschreitungen verwarnt worden. Die Frage, ob das Überholmanöver äusserst gefährlich gewesen sei, verneinte der Beschuldigte, berichtet der «Tages-Anzeiger».

Das Obergericht verurteilte den Beschuldigten wie die Vorinstanz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Ein noch gefährlicheres Überholmanöver sei kaum vorstellbar, sagte der Vorsitzende. Der Referent fragte sich, ob so ein Fahrer überhaupt noch etwas auf der Strasse zu suchen habe.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten.

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