Naphthalin

06. Juli 2018 09:58; Akt: 06.07.2018 18:58 Print

Ebiker Gemeinderat holt zur Gegenwehr aus

Schüler im Schulhaus Höfli haben ein Problem mit dem Gift Naphthalin. Der Gemeinderat kontert Vorwürfe und legt auf den Tisch, was er dagegen tut.

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Im Schulhaus Höfli in Ebikon sind Schulzimmer durch das Gift Naphthalin verseucht. (Bild: Gemeinde Ebikon)

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In den 60er- und 70er-Jahren war Naphthalin ein Baustoff, der für Böden verwendet wurde. Heute gilt der Stoff als giftig. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss ab einem Naphthalin-Wert von über zehn Mikrogramm pro Kubikmeter eingegriffen werden. Ab 30 Mikrogramm pro Kubikmeter wird es gefährlich. Die Menge des Giftes, die im Schulhaus Höfli in Ebikon gemessen wurde, liegt um das 21-Fache über dem zugelassenen Grenzwert der WHO, wie der «Blick» berichtete.

Trotzdem werden die Kinder noch bis im Herbst in den verseuchten Schulzimmern unterrichtet, wie 20 Minuten im Juni berichtete. Keine Freude an der Situation haben beunruhigte Eltern: «Mein Kind hat wegen des Gifts täglich Kopfschmerzen und entzündete Augen. Und das soll noch bis Herbst so weitergehen? Das kann doch nicht sein!», sagt etwa eine Mutter gegenüber dem «Blick».

Sorgen der Eltern werden nicht ernst genommen

Sie und andere Eltern wollen darum ihre Kinder nicht mehr in diese Schule schicken. Zu denken gibt den Eltern auch, dass in Ebikon ein Geheimnis um den Gift-Bericht gemacht werde. Wollen Eltern diesen einsehen, müssten sie einen Antrag stellen und sich zum Schweigen verpflichten. Der Gemeinderat spiele die Situation wörtlich hinunter: Der Giftwert liege weit unter dem Arbeitsplatz-Grenzwert in der Schweiz. Allerdings gelte dieser Wert nicht für Kinder.

In der Zwischenzeit seien Lüftungsanlagen installiert worden. Auch die Sorgen der Eltern werden nicht ernst genommen. «Es sind immer dieselben ein, zwei Eltern, die Ärger wegen nichts machen, halt typische Helikopter-Eltern», sagte ein Sprecher gegenüber dem «Blick».

Gemeinderat widerspricht den Schilderungen

Im Anschluss an die Veröffentlichung kritisierte Daniel Gasser, Gemeindepräsident von Ebikon den Artikel scharf: «Die Story wurde konstruiert und wir behalten uns rechtliche Schritte vor.» Der Artikel habe betroffen gemacht, weil dem Gemeinderat die Gesundheit und die Sicherheit der Kinder und Lehrer an erster Stelle stehen würden. Auch habe man sich nicht lustig gemacht über die Eltern und der Begriff «Helikopter-Eltern» sei nie gefallen. Geschäftsführer Alex Mathis wies Vorwürfe von sich, dass nicht gut kommuniziert worden sei: «Wir haben transparent und offen kommuniziert.» Nach Gesprächen mit den Lehrern seien die Eltern schriftlich informiert und zu einem Infoabend eingeladen worden. Wie weiter ausgeführt wurde, wurden in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien zwei Kinder mittels Arztzeugnissen vom Unterricht suspendiert. Die Gründe die dazu geführt hätten, seien nicht ersichtlich. Deren Eltern hätten dies aber auf die Situation im Schulhaus zurückgeführt.

Der Gemeinderat verwies weiter auf die bereits getroffenen Massnahmen, die in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit und dem Kanton Luzern ergriffen wurden. Weil sich die Situation trotzdem nicht verbessert hat, wurden Anfang 2018 weitere Massnahmen durchgeführt. Die Ergebnisse aus diesen Messungen sind nun die Grundlage für weitere Verbesserungen mit mechanischen Lüftungsanlagen bis spätestens nach den Sommerferien und dem temporären Schulraum auf dem Areal. Ein Augenschein vor Ort bestätigte die Notwendigkeit der Verbesserungen: In einem betroffenen Schulzimmer roch es streng nach Mottenkugeln aus dem vergangenen Jahrhundert. Weil auch sonst hohe Investitionen beim in die Jahre gekommenen Schulhaus anstehen würden, hat der Gemeinderat einen Neubau beschlossen. Bis Mitte 2020 soll dort ein Holzsystembau entstehen.

(dag)