Arbon TG

11. Juni 2018 18:21; Akt: 11.06.2018 18:21 Print

Prozess um Missbrauch von Mädchen gestoppt

Die Verhandlung gegen einen Mann, der ein Mädchen jahrelang sexuell missbraucht haben soll, wurde gestern unterbrochen. Es wird ein Glaubwürdigkeitsgutachten zum Opfer erstellt.

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Das Bezirksgericht Arbon hat den Prozess gegen einen mutmasslichen Kindesvergewaltiger unterbrochen. (Bild: bezirksgericht.tg.ch)

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Der 39-jährige Portugiese soll die Tochter seiner ehemaligen Partnerin über rund zwei Jahre missbraucht haben. Er soll sich mehrmals pro Woche nachts in das Schlafzimmer des zu Beginn der Übergriffe erst 9-jährigen Mädchens geschlichen und es sexuell missbraucht haben.

Der Mann habe das Mädchen zu den sexuellen Handlungen gezwungen, heisst es in der Anklageschrift. Er habe ihr gedroht, ihre Mutter zu schlagen und ihr das Taschengeld wegzunehmen, wenn sie jemandem etwas erzähle. Auf der Matratze des Opfers waren Spermaspuren des Beschuldigten gefunden worden. Das Bezirksgericht Arbon hat den Prozess nun unterbrochen.

Zweifel an Aussagen des Opfers

Am Montagmorgen konnten nach Eröffnung der Hauptverhandlung von den Parteien Vorfragen betreffend Prozessvoraussetzungen und Verfahrenshindernissen aufgeworfen werden. Der Verteidiger meldete Zweifel an den Aussagen des Mädchens an. Die medizinischen Befunde stimmten nicht mit den Schilderungen des mutmasslichen Opfers überein.

Niemand habe Anzeichen des Missbrauchs wahrgenommen. «Das Mädchen hat die Vorwürfe auf die falsche Person projiziert», sagte der Anwalt. Seit 2012 stünden auch Verdächtigungen gegen den leiblichen Vater im Raum.

Kein Gutachten zum Beschuldigten

Das Gericht hiess den Antrag der Verteidigung gut, ein Gutachten über die Glaubwürdigkeit des Opfers zu erstellen. Es gebe Anhaltspunkte, wonach es seine Aussagen unter Einfluss von Dritten gemacht habe, sagte die vorsitzende Richterin. In ihrer ersten Einvernahme habe die damals 11-Jährige in Erwachsenensprache geantwortet. Es seien zudem Suggestivfragen gestellt worden.

Mutter und Grossmutter hätten dem Mädchen gesagt, dass die Fragen an sie wiederholt und umformuliert würden, so die Richterin. Es brauche eine fachliche Begutachtung, da es sich um massiven Vorwürfe handle. Abgelehnt hat das Gericht eine erneute Begutachtung sowie eine Konfrontationseinvernahme des Opfers sowie ein Obergutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten. Bis die Verhandlung fortgesetzt wird, könne es einige Zeit dauern, sagte die Richterin.

(SDA)