Sargans SG

10. November 2017 13:54; Akt: 10.11.2017 13:54 Print

Schreiner legte sieben Mal Feuer

Ein deutscher Schreiner hat in Sargans SG mehrere Brände gelegt. Die Staatsanwaltschaft fordert eine zehnjährige Freiheitsstrafe und einen Landesverweis.

Der Besitzer der abgebrannten Scheune ist wütend und Anwohner sind verängstigt. (luh)
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Anwohner in Sargans hatten vor rund einem Jahr schlaflose Nächte. Der Grund: Es gab mehrere Brände in derselben Strasse. Sogar dieselbe Scheune brannte zweimal. «Ich habe selber eine Scheune in der Umgebung», erzählte damals Guido Stucky (52) aus Sargans. «Da fragt man sich: Ist meine Scheune die nächste?»

Bettina Ristori, die gleich neben einem der abgebrannten Schuppen wohnt, konnte kurz nach den Bränden kaum mehr schlafen: «Man schaut aus dem Fenster und hat Angst.» Sie befürchtete, dass nach den Scheunen auch Wohnhäuser angezündet werden. «Ich wohne in einem Holzhaus», gab Ristori zu bedenken.

Landesverweis gefordert

Jetzt ist klar: Der Brandstifter war ein selbstständiger Schreiner, der seine Werkstatt auf dem Gelände hat, auf dem es fünfmal brannte. Am kommenden Donnerstag muss sich der 35-Jährige vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verantworten.

Wie der Staatsanwalt in der Anklageschrift festhält, fordert er eine zehnjährige Freiheitsstrafe. Anschliessend soll der Deutsche die Schweiz verlassen und sie während zehn Jahren nicht mehr betreten dürfen.

Sieben Brände

Der selbstständige Schreiner hatte seine Werkstatt in einem ehemaligen Fabrikareal in Sargans. Die Räumlichkeiten mietete er von der Firma, der das Grundstück gehörte. Auch ein anderes kleines Unternehmen war auf dem Gelände eingemietet. Im Februar 2016 schloss der Schreiner eine Feuerversicherung ab.

Wenige Monate später begann eine Serie von sieben Bränden, welche die lokale Bevölkerung stark verunsicherte. Fünfmal brannte es auf dem Fabrikareal, wo die Werkstatt des Beschuldigten lag. Zwei weitere Feuer wurden in einem Unterstand beziehungsweise in einer Scheune gelegt. Personen wurden nie verletzt, die Schäden summierten sich aber auf gegen eine halbe Million Franken.

Schadensmeldung an Versicherung

Das erste Feuer loderte Mitte Juli 2016 auf dem Gelände mit der Werkstatt des Beschuldigten. Der Brand konnte aber rasch gelöscht werden. Laut Anklageschrift unternahm der Beschuldigte schon am frühen Morgen des nächsten Tages an der gleichen Adresse einen zweiten Versuch. Diesmal entstand ein Sachschaden von gut 280'000 Franken.

Schreinerei brennt doppelt

Kurze Zeit später präsentierte der Beschuldigte seiner Versicherung eine Schadensanzeige samt Schadensliste im Wert von rund 167'000 Franken. Wie der Staatsanwalt in der Anklageschrift festhält, hat die Versicherung noch nicht bezahlt. Sie wolle den Ausgang des Strafverfahrens abwarten.

Ende August brannte es wieder am gleichen Ort. Ein Grossaufgebot von Feuerwehrleuten löschte, bevor der Schaden zu gross wurde. Anschliessend blieb es ruhig bis in den Herbst hinein. Dann aber ging es Schlag auf Schlag.

Mehrere Feuer in wenigen Tagen

Anfang November ging ein Unterstand hinter einem Pub in Flammen auf. Der Sachschaden betrug rund 140'000 Franken. Einige Tage später brannte eine Scheune. Der Brand wurde frühzeitig von einem Anwohner entdeckt, der Schaden blieb gering.

Zwei Tage später ging erneut ein Feueralarm los. Ein Schuppen in der Nähe der Werkstatt des Beschuldigten brannte. Auch diesmal wurde die Feuerwehr frühzeitig alarmiert, der Schaden belief sich auf rund 25'000 Franken. Am frühen Morgen des 26. November verursachte ein Feuer auf dem gleichen Fabrikareal Schäden in der Höhe von gut 30'000 Franken.

Überwacht und festgenommen

Nur Minuten nach Ausbruch dieses Brandes wurde der Schreiner festgenommen. Seither sitzt er in Haft. Schon früher hatten die Ermittler ihn im Visier. Unter anderem wurde er mehrere Wochen lang überwacht und seine Wohnung durchsucht. Als er Anfang November ein erstes Mal festgenommen wurde, reichten aber die Haftgründe nicht aus, er musste auf freien Fuss gesetzt werden.

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(jeb/sda)