Klinik in St. Gallen

07. November 2017 11:22; Akt: 07.11.2017 13:32 Print

Frau verliert Lehrstelle, weil sie nicht geimpft ist

Eine junge Frau, die eine Lehre im Spital begonnen hatte, war noch nie geimpft worden. Eine Nachimpfung innert acht Monaten lehnte sie ab. Darum verlor sie ihre Stelle.

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Nur zwei Monate war eine junge Ostschweizerin in einer Privatklinik in St. Gallen als Fachangestellte Gesundheit (FaGe) angestellt. Dann wurde ihr Lehrvertrag wieder aufgelöst, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet. Auslöser war ein Besuch beim Vertrauensarzt der Klinik zu Beginn der Lehre. Dieser wollte den Impfausweis der jungen Frau sehen. Doch sie besass gar keinen. Ihre Eltern und die junge Frau sind Impfgegner, und sie hatte sich bis zu jenem Zeitpunkt noch nie impfen lassen.

Doch laut Reglement des Spitals sind gewisse Impfungen Pflicht. Darum bot der Arbeitgeber der Lernenden an, die vorgesehenen 32 Dosen innert acht Monaten nachzuholen. Das stiess bei der Mutter und der jungen Frau auf Widerstand, weil Impfgegner glauben, dass mehrere Impfungen gleichzeitig das Immunsystem überfordern. Ausserdem kritisieren Impfgegner den Aluminiumbestandteil in den Dosen.

Kein Impfzwang, aber Risiko, Stelle zu verlieren

Mutter und Tochter boten derweil an, die Impfungen über einen längeren Zeitraum als die acht Monate nachzuholen. Dies wiederum lehnte die Klinik ab. Der FaGe-Lehrvertrag wurde darauf vom Privatspital innert der Probezeit aufgelöst. «Den Schutz von Patienten und Pflegenden gewichten wir höher als das individuelle Verhalten und die Ansichten jedes Mitarbeitenden», schreibt das Spital in einer schriftlichen Stellungnahme an die «Ostschweiz am Sonntag».

Gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» sagt die Klinik, niemand werde zu einer Impfung gezwungen. Der Impfstatus aller Angestellten werde aber bei der Eintrittsuntersuchung vom Personalarzt überprüft. Wo nötig werde der Impfschutz auf Kosten der Klinik und mit dem Einverständnis der Angestellten erneuert. Wer damit nicht einverstanden ist, riskiert offenbar seine Anstellung.

BAG rät zur Freistellung

Damit ist der Verband der Pflegefachpersonen nicht einverstanden. Wie dieser in einer Stellungnahme ans «St. Galler Tagblatt» schreibt, gewichtet er die persönliche Entscheidungsfreiheit eines Mitarbeitenden hoch: «Pflegende, die sich impfen lassen oder von einer Impfung absehen, nehmen mit diesem Entscheid ihr Recht auf Selbstbestimmung wahr.»

Dennoch schreibt auch der Verband, dass bei einer geimpften Person das Risiko geringer sei, andere anzustecken. Zum vorliegenden Fall will sich der Verband nicht äussern. Inoffiziell kann man aber erfahren, dass die Klinik damit das Arbeitsrecht wohl nicht verletzt hat. Denn das BAG rät bei Pflegenden, die sich nicht impfen lassen, zu einem Wechsel der Arbeitsstelle oder zu einer Freistellung.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • steve am 07.11.2017 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich

    Kann ich abdolut nachvollziehen. Dies sollte aber im Normalfall schon vor Antritt der Ausbildung klar sein. Genau so müsste auch klar sein, dass wenn ich diesen Beruf ausüben möchte ich geimpft sein muss... Anstelle Kündigung wäre ein Aufschub der Ausbildung oder ein Freistellen eventuell massvoller gewesen.

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  • Krebspatientin am 07.11.2017 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Der Patient hat definitiv Vorrang

    Richtige Entscheidung! Ich als Krebspatientin muss mich vor jedem kleinsten Risiko schützen können und es wäre ja grad noch schöner, wenn mich am Ende eine Klinikangestellte mir etwas ansteckt, wovon ich sterben kann, wegen des schlechten Immunsystems. Geimpft bin ich selber komplett, aber wegen der Chemo ist dieser Schutz so gut wie nicht mehr vorhanden zur Zeit. Verantwortungslose Impfgegner dürften zu solchen Berufen gar nicht erst zugelassen werden. Punkt!

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  • Daniel G am 07.11.2017 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut

    Sollte überall so sein, z.B. auch in Kitas

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nick am 07.11.2017 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Jahre wieder

    Fakt ist: JEDER von uns ist Virenträger! JEDER kann demnach Andere anstecken; egal ob eine Grippe akut ist oder nicht. Denn Tröpfchenübertragung ist EINE Version, aber nicht die Einzige. Wir von der Pflege haben berufsbedingt so schon sehr strenge Hygienevorschriften. Aber wie verhält es sich mit den Besuchern; speziell mit denjenigen die es mit der Hygiene nicht so genau nehmen?! Oder mit den Mitpatienten; speziell mit denjenigen die mit dem Infusionsständer rauchend vor dem Spitaleingang stehen darunter auch Krebspatienten?! Impfen ist EIN Grippenschutz, aber nicht der Einzige!

  • Peter Meier am 07.11.2017 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klinik hat richtig gehandelt

    Ist absolut nachvollziehbar und korrekt von der Klinik. In 3. Welt Ländern wäre man um jede einzelne Impfdosierung froh und hier in der Schweiz wehrt man sich dagegen. Der letzte Poliofall in der Schweiz ist erst seit 1989 her. Der Mensch lernt erst wenn man selber oder aus dem Bekanntenkreis so etwas erlebt. Oder gewisse Menschen sind schlichtweg uneinsichtig und beschränkt selbst gebildete Menschen.

  • Angela am 07.11.2017 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gehe jetzt dann in ein buddistisches Kloster, mir

    Was zettelt ihr da alles an? Nach Impfzwang schreit ihr und nach der obligatorischen Ausschlachtung der Organe nach dem Tod. Alles in der illusiorischen Hoffnung, dass der Tod dann nur noch ein Märchen ist. Nur wer das Leben nicht mehr kennt, versucht den Tod zu leugnen. Wird das Leben schöner, wenn man nur noch nach Zwang schreit? Ihr richtet ja die Waffen gegen euch selber und merkt es nicht einmal. Ich mache mir ernsthafte Sorgen um die westliche Gesellschaft, die in der Sinnlosigkeit den Sinn sucht.

  • abc am 07.11.2017 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaft vs Glauben

    Merke dir: wenn sogar B-Waffen-Hersteller von der Wissenschaft überzeugt sind, dann verabschiede dich von einem Irrglauben! Eine böse Theorie sagt, die Sowjets hätte den Pockenimpfstoff nur deswegen entwickelt, damit niemand mehr später einen hat, wenn die Pocken ausradiert sind, und so ihre B-Waffen einsetzen zu können!

  • elle aus bern am 07.11.2017 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    völlig richtig

    das ist völlig richtig! wer in einem gesundheitsberuf arbeitet muss mindestens die basisimpfungen haben, sonst sind wirklich ernsthafte probleme zu befürchten. das recht auf impfungen zu verzichten, erfordert dann halt auch verzicht bei det berufswahl