Fall Kümmertshausen

12. März 2018 11:00; Akt: 12.03.2018 11:00 Print

Rentner getötet – Drahtzieher nicht verwahrt

Im Fall Kümmertshausen hat das Bezirksgericht Kreuzlingen am Montag die Endurteile gefällt: Der Bandenboss wird zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt.

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Das Bezirksgericht Kreuzlingen machte den «Kronzeugen» für den Tod des Rentners mitverantwortlich und verurteilte ihn wegen eventualvorsätzlicher Tötung durch Unterlassung. Am Montag wurde das Strafmass bekannt: Das Gericht verurteilte den 39-jährigen Türken zu einer Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren. Die Anklage hatte 9 Jahre und 4 Monate gefordert.

Die Anklage hatte ins Feld geführt, der Bandenboss und zwei weitere Türken hätten den IV-Rentner beseitigen lassen. Die drei Mitangeklagten waren im Januar in einem Teilurteil zu den Straftatbeständen jedoch vom Gericht vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung freigesprochen worden. Schuldsprüche gab es wegen Anstiftung und Gehilfenschaft zu Raub, qualifizierten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, qualifizierten Erpressungen sowie Widerhandlungen gegen das Waffengesetz.

Der Bandenboss, ein 48-jähriger Iraker, wurde zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. Das Gericht blieb damit deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 19 Jahre und eine Geldstrafe gefordert hatte. Der Mann wird nicht verwahrt. Gegen die beiden Türken (54 und 47), welche ebenfalls mit dem Tötungsdelikt in Verbindung gebracht wurden, sprach das Gericht Freiheitsstrafen von 30 Monaten (20 davon bedingt bei einer Probezeit von 2 Jahren) beziehungsweise 8,5 Jahren aus.

Berufung ans Obergericht

Das Tötungsdelikt geschah vor mehr als sieben Jahren. Ein 53-jähriger IV-Rentner war tot in seinem Einfamilienhaus in einem abgelegenen Weiler in Kümmertshausen TG gefunden worden. Er war durch eine brutale Knebelung gestorben. Die Tat gab vorerst Rätsel auf.

Während der Strafuntersuchung stiess die Polizei auf eine kriminelle Organisation aus türkisch-kurdischen Kreisen. Laut Anklageschrift lebten deren Mitglieder vom Drogenhandel, von Erpressungen und Menschenschmuggel.

Im «Fall Kümmertshausen» war 14 Mitgliedern der kriminellen Band seit über einem Jahr der Prozess gemacht worden. Am Montag eröffnete das Bezirksgericht Kreuzlingen die Endurteile. Der Fall wird die Thurgauer Justiz noch weiter beschäftigen: bereits vor Ende der Verhandlungen hatte der Verteidiger des «Kronzeugen» angekündigt, in Berufung zu gehen.

(sda)