Neue Studie

14. März 2018 05:47; Akt: 14.03.2018 05:47 Print

Schadet zu viel Make-up der Karriere?

Wenn eine Frau viel Make-up trage, verfüge sie über weniger Führungsqualitäten. Das will eine schottische Studie herausgefunden haben.

Make-up ja oder nein? 20 Minuten hat in Zürich nachgefragt. (Quelle: Sandro Büchler / Silvana Schreier)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Wer als Frau Führungsstärke und Durchsetzungsvermögen ausstrahlen möchte, sollte nicht zu viel Schminke auftragen. Eine neue Studie der Abertay-Universität im schottischen Dundee besagt, dass Frauen mit viel Make-up im Gesicht weniger Führungsqualitäten zugesprochen werden.

Die Wissenschaftler legten Probanden 16 unterschiedliche Bildpaare vor, die zuvor computerbasiert erstellt worden waren. Ein Bild zeigte eine stark geschminkte Frau, das andere Bild das gleiche, jedoch ungeschminkte, Gesicht. Die Teilnehmer – Männer und Frauen – mussten die Führungsqualität der geschminkten und ungeschminkten Person beurteilen. Beide Geschlechter attestierten der stark geschminkten Frau weniger Führungsvermögen.

«Make-up ist eine Art Maske»

Physiognomik- und Facereading-Expertin Tatjana Strobel hat dafür eine Erklärung: «Das Auftragen von Make-up verleiht dem Gesicht eine Art Maske. Hinter der Maske verbirgt sich meist ein niedriges Selbstwertgefühl. Man versucht die eigene Unperfektheit zu glätten.»

Wenn die innere Haltung stimme, so Tatjana Strobel, «wirke eine Person auch nach aussen authentisch – ganz ohne Make-up.» Ähnlich sieht das Mimik-Experte Pietro Sassi: «Die typischen Merkmale einer Führungsperson, also ob jemand selbstbewusst, einfühlsam, belastbar und entscheidungsfreudig ist, lassen sich an den Gesichtszügen ablesen. Diese widerspiegeln Fähigkeiten und Stärken einer Person.» Unsere Mimik und Körpersprache sei so natürlich wie individuell. Mit zu viel Make-up verschwindet die Mimik. «Wir wirken daher weniger authentisch.»

HR-Experte Jörg Buckmann überrascht das Resultat der schottischen Studie nicht: «Gutes Aussehen stösst immer wieder auf Neid und das Vorurteil, diese Person habe es nur damit so weit geschafft.» Es gebe ja auch etliche Studien, die zeigten, dass es Gutaussehende einfacher haben im Leben. «Betont eine Frau ihr Äusseres durch viel Make-up, wird angenommen, sie übermale damit buchstäblich ihre Leistungen und Fähigkeiten.» Buckmann sagt, er verstehe zwar diese Schlussfolgerung, würde sich aber mehr Toleranz wünschen: «Es ist schliesslich 2018. Und ein bisschen Farbe würde der Berufswelt nicht schaden.» Als Personalberater habe er nie erlebt, dass eine Frau negativ durch ihr Make-up aufgefallen sei.

Selbstsicher mit Make-up

Die schottische Studie ist allerdings nicht unumstritten. Sie widerspricht früheren Ergebnissen der Universität Harvard. Diese hat 2016 herausgefunden, dass Frauen mit Make-up im Job erfolgreicher wahrgenommen und bessere Karrierechancen eingeräumt werden.

Tony Weingrill, Forscher am Anthropologischen Institut und Museum der Universität Zürich, will das Resultat der schottischen Studie denn auch nicht überbewerten. Schminke verstärke die Merkmale einer Frau: «Dies finden Männer attraktiv. Gerötete Wangen und Lippen sind beispielsweise Zeichen für eine gute Durchblutung, die gute Gesundheit und Fruchtbarkeit signalisieren.» Frauen, die sich schminken, hätten dadurch eine jugendlichere Ausstrahlung, die mit einer selbstsicheren Ausstrahlung einhergehen könne.

(bus)