Heimat-Debatte

10. Juli 2018 10:24; Akt: 10.07.2018 10:58 Print

SP greift mit «linkem Patriotismus» die SVP an

von P. Michel - Die SVP prägt den Diskurs darüber, was die Schweiz ausmacht. Jetzt will auch die Linke einen Heimatbegriff definieren – und streitet sich bereits.

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Der SP-Nationalrat Beat Jans will den Rechten den Heimatbegriff streitig machen. Dazu veröffentlicht er 2019 das Buch «Heimat für Linke». Er selbst sei stolz auf die Schweiz und «irgendwie Patriot», sagt Jans. Als Gegenpol zur «Rütli-Schweiz» stellt er folgende Schweizer Werte. («eine gewaltige Errungenschaft»)... ... die («macht unser Land aus»)... ... den Service public («die SBB gehört uns allen»)... und der Genossenschafts-Gedanke («Gewinne gehen nicht einfach an Private»). Die praktisch gleichen Werte schlug auch schon SP-Ständerätin Anita Fetz für einen linken Patriotismus vor, statt «an der Schweiz zu leiden». Es müsse möglich sein, sich als Linke mit Schweizer-Kreuz-T-Shirt als Patriotin zu outen. «Es war ein kapitaler Fehler vor lauter ‹politischer Korrektheit› nicht mehr vom Volk, unserer Heimat und den schweizerischen Werten zu reden.» Auch SP-Nationalrat Fabian Molina sagt: «Unsere Wähler erwarten von links auch konkrete Vorstellungen davon, wie das Zusammenleben in der Schweiz funktionieren soll – und dazu gehören auch Antworten darauf, was für uns die Schweiz ausmacht.» Doch bereits bei der Frage, ob es überhaupt einen linken Patriotismus brauche, ist die Partei gespalten: Kritik kommt etwa von der Jungpartei Juso. «Ein linker Patriotismus ist nicht zielführend», sagt Juso-Vize-Präsident Lewin Lempert zu 20 Minuten. Da dieser seinerseits «urschweizerische Dinge» propagiere, die es gar nicht gebe, nehme er Ausgrenzungen vor. «Statt selbst in nationalistische Kategorien zu verfallen, sollten wir mit Gemeinsamkeiten wie Arbeiter gegen Konzerne, Normal- und Geringverdienerinnen gegen Superreiche mobilisieren.»

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Schüler lernen den Schweizerpsalm, das Schweizerwappen trägt ein christliches Kreuz, die Volkskultur ist der «elitären Subventionskultur» überlegen: In ihrem neuen Parteiprogramm 2019–2023, das einen Fokus auf die «Heimat» legt, umschreibt die die SVP klar, was für sie die Schweiz ausmacht. Im Entwurf, der 20 Minuten vorliegt, heisst es: «Patriotismus ist ein positives Gefühl. Wir dürfen stolz und dankbar sein, in der Schweiz leben zu dürfen.» Auch die Ursprungsmythen der Schweiz werden bemüht: «Wilhelm Tell steht für das Recht auf Widerstand, Arnold von Winkelried für das eidgenössische Prinzip ‹Einer für alle, alle für einen›.»

Der Deutungshoheit bei der Definition, was die Schweiz ausmacht, will SP-Nationalrat Beat Jans nun einen linken Patriotismus gegenüberstellen, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Dazu lanciert er das Buch «Heimat für Linke», das im Wahljahr 2019 erscheinen soll. Er selbst sei stolz auf die Schweiz und sei «irgendwie Patriot», sagt Jans.

Auch Linke sollen sich als Patrioten bekennen

Die «Rütli-Schweiz» der SVP greift Jans mit folgenden Punkten an: direkte Demokratie («eine gewaltige Errungenschaft»), die humanitäre Tradition («macht unser Land aus»), Service public («die SBB gehört uns allen») und der Genossenschafts-Gedanke («Gewinne gehen nicht einfach an Private»). Die praktisch gleichen Werte schlug auch schon SP-Ständerätin Anita Fetz für einen linken Patriotismus vor, statt «an der Schweiz zu leiden». Es müsse möglich sein, sich als Linke mit Schweizer-Kreuz-T-Shirt als Patriotin zu outen. «Es war ein kapitaler Fehler vor lauter ‹politischer Korrektheit› nicht mehr vom Volk, unserer Heimat und den schweizerischen Werten zu reden. Herzen und Meinungen von Menschen kann man nicht mit politisch korrekten, intellektuellen Analysen erreichen.»

Parteikollege Fabian Molina findet es wichtig, den Heimatbegriff nicht den Rechten zu überlassen. «Unsere Wähler erwarten von links auch konkrete Vorstellungen davon, wie das Zusammenleben in der Schweiz funktionieren soll – und dazu gehören auch Antworten darauf, was für uns die Schweiz ausmacht.» Hier könne die SP sicher noch besser klarmachen, welche Werte die Schweiz aus linker Sicht definierten.

Juso übt Kritik an Patriotismus-Konzept

Doch bereits bei der Frage, ob es überhaupt einen linken Patriotismus braucht, ist die Partei gespalten: Kritik kommt etwa von der Jungpartei Juso. «Ein linker Patriotismus ist nicht zielführend», sagt Juso-Vizepräsident Lewin Lempert zu 20 Minuten. Er verstehe zwar, dass man auch aus linker Sicht auf Errungenschaften wie die direkte Demokratie verweisen und deren Bedeutung für die Schweiz hervorheben könne. «Aber gerade das Beispiel direkte Demokratie zeigt: Das war unter anderem ein Import aus der Zeit Napoleons und keine reine Schweizer Erfindung.»

Ein linker Patriotismus, der seinerseits sogenannte urschweizerische Dinge propagiere, die es gar nicht gebe, nehme wieder Ausgrenzungen vor. Deshalb glaube er nicht, dass damit die Menschen für linke Ideen mobilisiert werden könnten. Um dem Rechtspopulismus beizukommen, schlägt Lempert vor: «Statt selbst in nationalistische Kategorien zu verfallen, sollten wir mit Gemeinsamkeiten entlang der gesellschaftlichen Bruchlinien mobilisieren: Arbeiter gegen Konzerne, Normal- und Geringverdienerinnen gegen Superreiche.»

«Linke hat gestörtes Verhältnis zur Heimat»

Peter Keller, SVP-Nationalrat und Autor des neuen Parteiprogramms, freut sich, dass sich die SP des Themas Heimat annimmt. «Nachdem die Linke lange alles Schweizerische verteufelt hat, scheint auch sie zu merken, dass im Patriotismus auch Positives steckt.» Keller betont, die SVP habe den Heimatbegriff nicht besetzt, sondern sich lediglich ständig dazu bekannt, während die SP ein gestörtes Verhältnis zur Heimat pflege. «Oft schaute man von links verächtlich auf Traditionen, die Volkskultur oder die Schweizer Geschichte herab», sagt Keller.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Züri Peter am 10.07.2018 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Getue

    Wer seine Heimat, die Schweiz liebt, übervölkert das Land nicht mit der Politik der offenen Grenzen.

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  • Alejander am 10.07.2018 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe zum eigenen Land.

    Ich wundere mich immer wieder ob der linken Ablehnung zur Liebe zum eigenen Land. Diese schliesst eine aufgeschlossene Politik ja nicht aus. Aber wenn man sein Land nicht liebt, macht es für mich nicht gross Sinn, dafür Politik zu betreiben, geht sowas doch gegen das Volk.

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  • Chupachup am 10.07.2018 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So so

    Egal welche Politik, ob links, rechts, oben oder unten.Wir werden irgendwann in den Sozialausgaben ersaufen und mit Vollgas an die Wand gefahren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Komiker 2018 am 10.07.2018 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sozialismus....

    Die Linken meinen wohl Sozialismus....

  • Mosima am 10.07.2018 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Selbsterkenntnis

    "Es war ein kapitaler Fehler vor lauter politischer Korrektheit" Es gibt noch ein paar andere kapitale Fehler dieser Partei, aus demselben Grund...

  • Rembär am 10.07.2018 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Märchen von heute

    Linke Patrioten sind wie Vegane Schweinesteaks Unmöglich

  • Flor am 10.07.2018 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ideen mehr?

    Swissness der Speck... und wir die Mäuse.... alter Wein in neuen Schläuchen...

  • Feline X am 10.07.2018 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Man kann ja ein Linker sein und gleichzeitig seine Heimat lieben. Die SP setzt sich ja in vielen Bereichen für die Schweiz ein. Ich behaupte ja auch nicht, dass all die SVP-Eidgenossen keine Patrioten sind nur weil diese eine andere Meinung haben und sich Eidgenossen nennen.