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12. August 2017 17:45; Akt: 12.08.2017 17:45 Print

SBB buhlt mit Deal um ihre Paradestrecken

Die SBB will Nebenstrecken an die BLS abtreten – wenn diese auf Konzessionen für den Fernverkehr auf den Hauptlinien verzichtet.

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Im Streit um mehrere Linien des Fernverkehrs hat die SBB der BLS ein Angebot vorgelegt. Laut einem Brief der SBB-Verwaltungsratsspitze an die BLS ist die SBB bereit, Fernverkehrsverbindungen von Bern nach Olten, Biel und La Chaux-de-Fonds NE der BLS abzugeben. Die SBB möchte allerdings, dass die Züge, wenn es zur Kooperation kommt, mit beiden Logos unterwegs wären. Die SBB würde die BLS für den Betrieb entschädigen.

Im Regionalverkehr abtreten würde die SBB der BLS die Linien von Biel nach La Chaux-de-Fonds, Moutier und Solothurn und von Neuenburg nach La Chaux-de-Fonds. Ausserdem ist sie bereit, im Raum Bern in einer Werkstatt Züge gemeinsam mit der BLS zu warten.

Im Gegenzug soll die BLS aber auf Konzessionen im Fernverkehr verzichten.

BLS verweist auf Stillschweigen

SBB-Mediensprecherin Rahel Meile bestätigte am Samstag auf Anfrage, dass ein solches Angebot der SBB an die BLS vorliege. «Der Bund» und «Tages-Anzeiger» schrieben am Samstag, sie hätten Kenntnis vom Inhalt des Briefs an die BLS.

Bestandteil des im Brief formulierten Angebots ist laut den Zeitungen die Bedingung, dass der Kanton Bern bei einem allfälligen Aktienverkauf der SBB ein Vorkaufsrecht für seine BLS-Aktien gewährt. Dem Kanton Bern gehören 55,75 Prozent des BLS-Aktienkapitals.

BLS-Sprecher Stefan Dauner sagte am Samstag auf Anfrage, die Verhandlungen zwischen SBB und BLS über Fernverkehrslinien dauerten an. In diesen Verhandlungen sei Stillschweigen vereinbart worden. Die BLS halte sich daran.

Die Linie von Bern nach La Chaux-de-Fonds betreibt die BLS heute schon. Sie gilt derzeit noch als Regionalverkehrslinie, künftig als Fernverkehr.

Fernverkehrskonzessionen laufen aus

Die SBB hält derzeit das Monopol auf den Fernverkehrslinien in der Schweiz. Ein Grossteil der Fernverkehrskonzessionen läuft aber Ende 2017 ab. Das Bundesamt für Verkehr hat sie neu ausgeschrieben. Bis Anfang September müssen Konzessionsgesuche eingereicht werden.

Im April hatte die BLS bekanntgegeben, sie interessiere sich für eine Linie von Brig über Bern, Aarau, Zürich und Zürich-Flughafen nach Romanshorn SG. Eine weitere würde Interlaken mit Bern, Aarau, Zürich, Zürich-Flughafen und St. Gallen verbinden. Zudem wolle sie die bestehende Linie von Interlaken via Bern und Olten nach Basel übernehmen.

Auch die Südostbahn (SOB) interessierte sich noch im Frühling für eine Fernverkehrskonzession. Sie hat sich inzwischen mit der SBB darauf geeinigt, dass sie in deren Auftrag und unter dem Dach der SBB-Konzession zwei Linien betreibt, darunter die Gotthard-Bergstrecke. Dies mit gemeinsamem Logo, wie das nun die SBB der BLS vorschlägt.

Auftrieb für Chliforst-Gegner?

Dass die SBB der BLS auch anbietet, im Raum Bern gemeinsam Züge zu warten, dürfte vor allem den Gegnern des BLS-Werkstätten-Neubauprojekts Chliforst bei Bern Auftrieb geben. Die BLS will dort - teilweise auf gerodetem Gebiet - eine neue Werkstätte auf der Fläche von 21 Fussballfeldern bauen.

Anwohner fordern schon lange eine Kooperation von BLS und SBB bei der Wartung von Zügen. Sie erhoffen sich, dass diese Kooperation den Bau der neuen Werkstatt überflüssig machen würde. 2015 forderte auch die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz eine Zusammenarbeit der beiden Bahnunternehmen.

(zum/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Observer am 12.08.2017 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gugguseli

    Gugguseli, zwei Betriebe, welche in öffentlichem Besitz sind, bekämpfen sich. Hört doch auf mit dem Scheinwettbewerb! Am Schluss zahlen wir alle.

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  • Ok am 12.08.2017 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Einige verstehen wohl immer noch nicht, das die SBB die Preise nicht selbst bestimmt...

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  • Martin Müller am 12.08.2017 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Fauler Kompromiss?

    Die SBB scheint sehr nervös und will anscheinend jeden Wettbewerb verhindern. Und bricht Versprechen. Wie bitteschön will sie die vielen BLS-Züge warten? Baut die SBB eine neue Werkstatt? Wo? Da lese ich leider nichts im Artikel. Dann wird alles noch teurer mit den enormen SBB-Verwaltungskosten. Solche Kuhändel machen mich grundsätzlich misstrauisch. Ich hoffe, die BLS bringt eine durchdachte Lösung - mit Halt in Aarau!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nina M.S am 14.08.2017 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre gut, wirklich

    Kleines Bespiel, der Bahnhof der BLS in Kandersteg, fahrt hin und urteilt selber.

  • FcSion am 14.08.2017 01:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein danke

    Mit der BLS von Brig nach Zürich? Nein aber sicher nicht. Wie es ganz oben schon heisst "Regionalbahnen", dabei sollten die auch bleiben. Habe keine Lust, in veralteten Material ins Wallis und zurück zu fahren, wenn die Möglichkeit da ist, in gutklimatisierten IC2000 Zügen inkl. Steckdose das selbe zu machen. BLS & SOB nein danke.

    • Mario Saurer am 14.08.2017 09:32 Report Diesen Beitrag melden

      SBB keine Steckdosen mehr

      In vielen neueren SBB-Fernverkehrszügen gibt es leider keine Steckdosen mehr, zum Beispiel Zürich-Chur, Bern-Biel, Bern-Olten-Aarau-Zürich, Zürich-Konstanz und viele mehr. Bei den BLS sind sie wenigstens im "Lötschberger" vorhanden.

    • FcSion am 14.08.2017 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mario Saurer

      In den IR / IC / ICN / EC sowie auch IC2000 hat es Steckdosen... Nur in den alten IR Wagen nicht.

    • Mario Saurer am 15.08.2017 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      @FcSion

      Leider nein, im IR Bern-Burgdorf-Olten-Zürich HB hat es keine Steckdosen. Und es ist ein neuer Doppelstockzug. Im alten Doppelstockzug (identisch mit dem IC) hat es Steckdosen, im neuen nicht. Zumindest nicht in der 2. Klasse. Zudem hat es viel weniger WCs. Nur noch zwei pro Zug, falls sie denn funktionieren. Schade.

    • FcSion am 15.08.2017 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mario Saurer

      Aha, ja gut, diesen Doppelstockzug kenne ich bei uns nur als RegioExpress. Fahre so zu sagen jedes WE von ZH via BE nach Brig und da hatte ich noch nie einen Zug ohne, daher die obenstehende Aussage. Und ja, ich bin auch schon mit dem IR von BE nach ZH gefahren aber lediglich mit dem einstöckigen IR.

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  • Roger S. am 13.08.2017 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preisabsprachen

    Hoffe das die WEKO aktiv wird und das BAV diese Absprache verhindern. Jeder Private Betrieb würde gebüsst werden.

  • Schlusslicht am 13.08.2017 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Geld ohne Geist

    Merke, die Linien die an die BLS abgegeben werden, da sind die Ortschaften selber schuld, schlechter wird es für diese sicher....!! Wer ist die BLS, ein "Kantonsbähnli" mehr nicht...!! Hängt am Trupf vom BAV und der Kantonsregierung....!! Hier muss ein Gemeindepräsi, mehr können als nur der SVP angehöhren.......

  • NieWieder am 13.08.2017 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte liebe BLS

    übernimm auch die Strecke Chur - Zürich! Vielleicht gibt es dann weiniger überfüllte Züge mit nicht funktionierender Lüftung und reservierte Wagons für Militärpersonen! Die SBB ist dazu offensichtlich nicht fähig..

    • HD Läppli junior am 13.08.2017 12:02 Report Diesen Beitrag melden

      Warte...

      Hallo Niewieder. Im Jahr 1964 im Militär versprach unser Major dass eine Besserung gebe für Militärtransporte im Zug. Ich warte noch immer...

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