Markus Seiler

08. November 2017 12:43; Akt: 08.11.2017 14:16 Print

NDB-Chef tritt ab und wird Cassis' Generalsekretär

Der Schweizer Geheimdienstchef Markus Seiler tritt ab und übernimmt einen Spitzenposten beim neuen Bundesrat.

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Der Geheimdienstchef geht: Markus Seiler wird Generalsekretär von Ignazio Cassis. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

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Eine Woche nach seinem Amtsantritt hat Aussenminister Ignazio Cassis eine prominente Person in seine engste Entourage geholt. Markus Seiler, der heutige Chef des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB), wird Generalsekretär im Aussendepartement (EDA).

Seiler tritt die Nachfolge von Benno Bättig an, wie der Bundesrat am Mittwoch mitteilte. Seiler wird sein Amt am 1. Dezember 2017 antreten. Bättig wird laut der Mitteilung andere Funktionen im EDA übernehmen.

Erfahrung als Generalsekretär

Der Personalentscheid ist keine Überraschung. Seilers Name kursierte in den vergangenen Tagen in verschiedenen Medien in Zusammenhang mit dem EDA-Generalsekretariat. FDP-Mitglied Seiler war bereits bis 2009 Generalsekretär im Verteidigungsdepartement (VBS) unter Samuel Schmid und Ueli Maurer.

Maurer war es, der Seiler in den damals neu geschaffenen NDB (dem Fusionsprodukt aus Inland- und Auslandgeheimdienst) wegbeförderte. Seiler vollzog die Zusammenführung der Dienste. Seit acht Jahren amtet er als NDB-Chef.

Hochs und Tiefs

Mit dem Schritt lässt Seiler die Affäre um die Spionage des schweizerischen Agenten in Deutschland hinter sich. Am (morgigen) Donnerstag fällt das Oberlandesgericht Frankfurt am Main ein erstes Urteil in diesem Fall.

Es ist aber gut möglich, dass der Fall noch einige Zeit nachwirken könnte. Ähnlich wie 2012, als ein NDB-Mitarbeiter aufflog, der heimlich die am besten gehüteten Geheimnisse des Dienstes auf Datenträger kopiert und zum Verkauf angeboten hatte.

Guter Draht zur FDP-Spitze

Seiler ist in Bundesbern vernetzt wie kaum ein anderer. Er gilt als durchsetzungsfähig und loyal. Ein wichtiges Projekt, das neue Nachrichtendienstgesetz, hat er gerade abgeschlossen. Es trat vor wenigen Wochen in Kraft.

Als ehemaliger Mitarbeiter in der FDP-Zentrale besitzt Seiler einen guten Draht in die Partei. Das ist gerade für die FDP ein wichtiger Faktor, weil sie ihren neuen Bundesrat enger an sich binden will.

1997 wechselte Seiler als Referent in den Stab des damaligen Finanzministers Kaspar Villiger. Von 1999 bis 2001 war er dessen persönlicher Mitarbeiter. Mit seiner Ehefrau, einer Ärztin, und den vier Kindern lebt Seiler in Spiez BE.

Neu-altes Kabinett

Bereits vergangene Woche hatte Cassis erste Personalentscheide gefällt. Der Aussenminister setzt bis auf weiteres auf den Kommunikationschef seines Vorgängers Didier Burkhalter, den erfahrenen Jean-Marc Crevoisier. Crevoisier hatte diese Funktion bereits unter Burkhalters Vorgänger Pascal Couchepin im Innendepartement inne.

Auch Jon Fanzun behält seine Funktion als Kabinettschef und persönlicher Mitarbeiter. Neu im Team ist als zweiter persönlicher Mitarbeiter der bisherige FDP-Fraktionssekretär Charles Jean-Richard, er ersetzt Damien Cottier. Chefin des Vorzimmers wird die Tessinerin Elena Wildi-Ballabio; sie ist auch Cassis' Verbindungsperson für internationale Delegationen und für die italienische Schweiz. Bisher war sie bei den Parlamentsdiensten unter anderem für das italienischsprachige Sekretariat zuständig.

Seiler-Nachfolge offen

Wer das Amt von Seiler als NDB-Chef übernimmt, ist noch offen. Infrage kommt etwa der heutige Vize Paul Zinniker. Er ist allerdings seit der Spionageaffäre zwischen Schweiz und Deutschland umstritten. Zinniker, der die Sache als Leiter Beschaffung mit zu verantworten hat und den Schweizer Spion sogar persönlich traf, dürfte sich in den kommenden Wochen noch einige Fragen anhören müssen.

Weitere Kandidaten für die Seiler-Nachfolge sind die jüngeren NDB-Vizedirektoren Jürg Bühler und Thomas Schöttli. Auch eine externe Besetzung ist durchaus möglich. Entscheiden wird der Bundesrat. SVP-Verteidigungsminister Guy Parmelin bietet sich die Chance, nach dem Armeechef eine zweite Schlüsselposition mit einem Mann oder einer Frau seiner Wahl zu besetzen.

(oli/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pieter Munz am 08.11.2017 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Pieter Munz

    Ist das nicht derjenige welcher wegen der sogenannten "Spionageaffäre" unter Druck geraten ist? Wie offensichtlich ist dass denn.....

  • Hs am 08.11.2017 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten..

    Hoffentlich funktioniert er dort besser als im NDB. Es ist schon interessant was gewisse Leute für Böcke schiessen können, trotzdem wartet schon der nächste lukrative Job.

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  • Beobschter am 08.11.2017 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uns wird erzählt

    - und nur das- das wir hören sollen. Ich vermute dass die Plüschetage der Bundesverwaltung nur durch 'netzwerken' besetzt werden. Und von wegen Verantwortung übernehmen - das muss in dem Verein nie irgendjemand. Wie sagte Steinbrück: Oagadugu

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hunne aus dem Appenzell am 11.11.2017 00:36 Report Diesen Beitrag melden

    erste Geige im Kritikverein

    Was da alles so verzapft wird. Das passt alles wieder wunderbar, dann dazu noch Steinbrück und Ouagadougou! Wenigstens richtig schreiben Herr Beobachter, das wäre das Mindeste. In welchem Verein Sie die erste Geige spielen ist hier klar: Katzenmusik im Kritikverein/Plüschetage.

  • DerMeier am 08.11.2017 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    Für Freunde nur das Beste

    Wurde diese Stelle ausgeschrieben oder war es mal wieder typische bundesbernische Vetternwirtschaft? So musste der Herr wenigstens nicht offiziell für sein Versagen bei der "Spionageaffäre" in die Wüste geschickt werden. Das wäre heikel gewesen, da er in seiner bisherigen Funktion vermutlich auch genügend interessante Informationen über unsere sieben Bundeszwerge besitzt.

  • PascalK2015 am 08.11.2017 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So so

    Vom einen guten bezahlten Job zum nächsten. Ironie off. Ob er geeignet ist, eher weniger, aber man schaut zu seinesgleichen.

    • Felix Bleibtreu am 14.11.2017 05:34 Report Diesen Beitrag melden

      Neid ist der Anfang allen Übels

      Das ist wohl nicht nur in der Politik so. Aber wieso hat es jemand so weit nach oben geschafft? Es sind doch meist die Tüchtigkeit und Intelligenz, dass es möglich ist, einen Posten dieser Art zu bekommen. Der Neid ist wohl sehr gross unter den CH Bürgern. Fiele dieser weg, hätten wir andere Verhältnisse. Wohl auch ein zufriedeneres Volk und Grund stolz zu sein in dieser schönen Schweiz in Wohlstand und Frieden leben zu dürfen.

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  • Maler50 am 08.11.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu bemängeln...

    Am ganzen Ämterverteilen ist zu bemängeln dass nicht Fachwissen gefragt ist sondern das richtige Parteibüchlein!! Mehr gibt's dazu nicht zu sagen!!!

  • Sunrise am 08.11.2017 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Da kommt mir in den Sinn:

    Söihäfeli - Söidecheli - judihui...

    • Blutwurst am 09.11.2017 22:23 Report Diesen Beitrag melden

      Schlachttag:Heut Metzgete"zumwildenMann"

      Aber ja doch, das kommt alles gleich nach dem "Sonnenaufgang". Es wir immer so früh "gmetzget".

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