Cervelat-Talk

11. Juli 2018 19:16; Akt: 11.07.2018 20:42 Print

Wermuth nennt Glarner «radikalen Nationalisten»

SVP-Nationalrat Andreas Glarner sorgte mit seinem Post über das angebliche Cervelat-Verbot einer Jugendorganisation für Furore. Er sei ein «Extremist», sagt Cédric Wermuth.

Glarner und Wermuth lieferten sich auf Tele M1 einen heftigen Schlagabtausch.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner brachte sich letzte Woche mit einem Facebook-Post in die Schlagzeilen: Eine enttäuschte Mutter habe ihn angerufen und erklärt, dass ihre Kinder ans Abschlussfest der Mädchenriege keine Cervelats mitbringen dürften. Dies, weil die Würste wegen des Schweinefleisches auf dem Grill nicht neben den Grilladen der muslimischen Kinder liegen dürften.

Fast gleichzeitig wurde der Fall der Schule Strengelbach bekannt. Dort empfahl die Schulleitung in einem Schreiben ebenfalls, kein Schweinefleisch zum Abschlusszmittag mitzunehmen. Angeblich gab es noch weitere Fälle, wie aus einem weiteren Post von Glarner hervorging: «Es erreichen mich im Viertelstundentakt Meldungen von weiteren Gemeinden, bei denen die Eltern ebenfalls aufgefordert wurden, den Kindern keine Cervelats oder Schweinefleisch mitzugeben.»

Wermuth nennt Glarner «radikalen Nationalisten»

Ein Sturm im Wasserglas?

Glarners Posts brachten eine Flut von Kommentaren mit sich. Während sich die einen darüber empörten, dass sich Schweizer Kinder den muslimischen anpassen müssten, warfen andere Glarner politische Hetze vor.

Zu Letzteren gehört auch SP-Nationalrat Cédric Wermuth. In der Sendung «Talk Täglich» auf Tele M1 debattierte er am Dienstag mit Glarner um die Wurst. Der Linkspolitiker räumte zwar ein, dass der Brief der Strengelbacher Schule unglücklich formuliert gewesen sei. Glarner jedoch mache aus der Meldung ein «Drama», um daraus politischen Profit zu ziehen. «Solche Angelegenheiten werden immer dann zum Problem, wenn die Extremisten eingreifen – radikale Islamisten auf der einen Seite, radikale Nationalisten wie Andi Glarner auf der anderen», so Wermuth.

«Es geht nicht um die Wurst»

Liege ein Schreiben wie jenes der Schule vor, so gehe es darum, dass Eltern und Lehrer pragmatisch darüber diskutierten, sagt Wermuth. In der Praxis sei dies auch gang und gäbe. Auch seinem politischen Kontrahenten empfiehlt er diesen Weg: «Es liegt in der Verantwortung eines Nationalrats, nicht zuerst ein Traritrara auf Facebook zu machen, sondern die Schule anzurufen und nachzufragen.» Das Cervelat-Verbot, warf Wermuth seinem Nationalratskollegen vor, «wurde erst ein Problem, als du eins daraus gemacht hast».

Glarner wurde indes nicht müde zu betonen, dass es ihm nicht bloss um die Wurst gehe, sondern um «die Grundsatzfrage, ob wir uns den Einwanderern anpassen müssen, vor allem den Muslimen, oder ob sie sich uns anzupassen haben». Es gehe nicht an, dass «Dutzende, wenn nicht sogar Hunderte von Gemeinden» kuschen und den Schweizer Eltern aus falsch verstandener Rücksichtnahme vorschreiben würden, was sie auf den Grill zu legen hätten.

Trotz heftigem Schlagabtausch: Nach dem Gespräch reichten sich Glarner und Wermuth sportlich die Hand.

(sul)