Leichenfund bei Zezikon TG

16. April 2018 08:06; Akt: 16.04.2018 17:16 Print

«Man hat meine Tochter sterben lassen»

Im Fall Isabella T.* liegt das Gutachten der Rechtsmedizin vor. Drei Männer wurden aus der Untersuchungshaft entlassen. Mutter Violeta T. ist wütend.

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Noch ist immer unklar, woran Isabella T. gestorben ist. «Es wurden keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung oder eine krankhafte Organveränderung festgestellt», heisst es in einer Medienmitteilung der Kantonspolizei Thurgau.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Isabella T. am 3. November 2017 in Thundorf TG – in der Wohnung eines Beschuldigten – gestorben ist. «Aus rechtsmedizinischer Sicht ist in erster Linie eine substanzbedingte Todesursache durch vorgängige Einnahme von Drogen möglich.»

Verdacht nicht erhärtet

Die Polizei hat gegen drei Männer wegen Verdachts auf vorsätzliche Tötung ein Strafverfahren eröffnet. Weil sich der Verdacht jedoch nicht erhärtet hat, wurden sie aus der Untersuchungshaft entlassen.

Gemäss Stefan Haffter, Sprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau, dauert die Strafuntersuchung nach wie vor an. Im Fokus der Strafverfolgungsbehörden stehen weiterhin die Tatbestände der Unterlassung der Nothilfe, der Störung des Totenfriedens und der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Haffter: «Ob alle drei Tatbestände bei allen drei Beschuldigten zum Tragen kommen, ist nach wie vor Gegenstand der Ermittlungen.»

«Man hätte den Notfall alarmieren sollen»

Isabellas Mutter, Violeta T.* hat den Autopsie-Bericht am Samstag erhalten. «Darin steht, dass bei meiner Tochter Kokain, Marihuana, irgendwelche Pillen und ein Alkohol-Wert von 0,55 Promille festgestellt werden konnten.» Sie frage sich aber, woher ihre Tochter das Zeug habe: «Isabella hatte kein Geld. Irgendjemand muss es ihr gegeben haben.»

Violeta T. ist wütend: «Man hat meine Tochter sterben lassen. Als man merkte, dass es ihr schlecht geht, hätte man den Notfall alarmieren sollen. Stattdessen brachte man sie eingewickelt in einen Teppich in einen Wald. Wie herzlos kann man sein?» Auch von der Staatsanwaltschaft ist sie enttäuscht: «Wie kann man so jemanden freilassen? Ich werde alles in Bewegung setzen, damit wir zu unserem Recht kommen.»

Isabella T. wurde am 12. November als vermisst gemeldet. Ende Januar ist ihr toter Körper in einem Teppich eingewickelt in einem Waldstück von Zezikon TG gefunden worden. Anfang März wurde Isabella T. auf dem Friedhof in Turgi AG beerdigt. Mutter Violeta T. geht gemäss eigener Aussage jeden Tag an das Grab.

*Name der Redaktion bekannt

(qll/woz)