XXL-Wassertiere und SUPs

12. Juni 2018 21:09; Akt: 12.06.2018 23:02 Print

«Mit den Badetieren kann man andere erdrücken»

von B. Zanni - Riesige Badehilfen und aufblasbare Stand Up Paddles sorgen in Badis für brenzlige Situationen. Eine Bademeisterin schlägt Alarm.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das überdimensionale Wasserspielzeug hat die Badis erobert. Die Hersteller haben ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt: Von Flamingos, Einhörnern über Donuts und Riesenmelonenscheiben bis zu Pommes-frites-Tüten bevölkert der aufblasbare Wasserspass im XXL-Format zurzeit die Schweizer Seen. Dazu kommt ein weiterer grosser Hype: die aufblasbaren Stand Up Paddles (SUPs), mit denen viele Badegäste über das Wasser gleiten.

Umfrage
Haben Sie eine XXL-Badehilfe?

Monika Bilek, Bademeisterin im Strandbad Winkel in Erlenbach ZH, hatte in den letzten heissen Tagen keine ruhige Minute. «Die riesigen Wassertiere und Stand Up Paddles sind eine grosse Herausforderung geworden», so Bilek. Immer wieder müsse sie Gäste zurechtweisen, die mit Wassertieren und Stand Up Paddles in der Badezone unterwegs seien. Neuerdings kämen Paddel auch bei den Wassertieren zum Einsatz. «Das ist gefährlich. Wenn es dumm läuft, kann man damit andere Badende verletzen», warnt Bilek. Diese Gefahr sei vielen Badenden nicht bewusst.

Badetiere würden verharmlost

Ein weiteres Problem ist laut der Bademeisterin, dass Leute vermehrt in Badezonen mit den überdimensionalen Badetieren plantschten. Die Tiere würden wegen ihres herzigen Aussehens verharmlost. «Im Prinzip sind es Ruderboote. Dass man damit jemanden erdrücken kann, vergessen viele Leute.» Um andere Gäste nicht zu gefährden, bleibe ihr nur noch übrig, diese Gäste aus der Badezone zu weisen. «Damit die Leute dort sicher sind, müssten sie auf den grossen Tieren Schwimmwesten tragen.»

Auch im Berner Marzilibad sind die XXL-Tiere aufgetaucht. «Hin und wieder wollten Gäste mit grossen Flamingos ins Schwimmerbecken steigen», sagt Anlagechef Beat Wüthrich. Dort seien aber jegliche Schwimmhilfen verboten. «Unsere Gäste schätzen es, dass das Freibad zum Schwimmen da ist und nicht zum Plantschen.» Herrsche nicht viel Betrieb, seien die Schwimmhilfen im Nichtschwimmerbecken gestattet.

«Verbote in Badezonen sind möglich»

Philipp Binaghi, Leiter Kommunikation der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG), macht auf die Baderegeln aufmerksam. «Luftmatratzen und Schwimmhilfen, dazu kann man auch aufblasbare Einhörner zählen, gehören nicht ins tiefe Wasser – sie bieten keine Sicherheit», sagt er. Brenne die Sonne stark, könne der Gummi spröde werden, sodass die Schwimmhilfe Luft verliere und man untergehen könnte. «Jede Badeanstalt muss entsprechend der eigenen Risikoanalyse Regeln aufstellen.» Würden aufblasbare Tiere im XXL-Format als Gefahr wahrgenommen, könnten diese in Badezonen auch verboten werden. So verhalte es sich auch mit Schlauchbooten.

Die grossen Schwimmtiere verlocken laut Binaghi aber auch zum Trinkplausch auf dem See. «Beispielsweise gibt es diese schwimmenden Inseln. Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich Leute darauf mit der Bierdose in der Hand im See plantschen sehe.» Gross sei die Gefahr, angetrunken ins Wasser zu fallen und dabei zu ertrinken.

Auch Stand Up Paddler sollten keine Risiken eingehen. Die SLRG empfiehlt, Stand Up Paddles in dafür vorgesehenen Zonen zu benutzen. «Wichtig ist auch, dass man eine Schwimmweste und eventuell auch noch einen Helm trägt.» Bisher sind Binaghi drei tödliche Unfälle mit Stand Up Paddles bekannt. «Die Personen fielen ins Wasser und tauchten nicht mehr auf.» Beim Paddeln bestehe die Gefahr, dass man überhitzt ins Wasser falle und dabei einen Schock erleide. Auch Unfälle habe es schon gegeben. «Dabei gab es auch Fälle, in denen sich die Paddler den Kopf oder das Knie an einem Stein stiessen.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dominic Scheurer am 12.06.2018 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Böse Freizeit gute Arbeit

    Man liest immer nur was in der Freizeit gefährlich und ungesund ist, aber von der Arbeit nix.

    einklappen einklappen
  • Aus Wanderer am 12.06.2018 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spassbremsen

    Meine Nerven, liebe Eidgenossinnen und Eidgenossen, das sind wahrlich echte Probleme. Geniesst das kurze Leben und lasst euch nicht ständig von allen und jenen belehren und in die vermeintlich "korrekte" Richtung der Lebensführung stupsen.

    einklappen einklappen
  • Otto Normalo am 12.06.2018 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umwelt

    ..der Plastik bleibt dann im Gewässer & die Tiere danken.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Meghan am 13.06.2018 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SUVA Deluxe!

    Im See dann aber auch keine Kajaks, Kanus, Boote, Schiffe usw. :)

  • Silvan am 13.06.2018 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    typisch

    ist ja wohl wieder ein neuer rücksichtsloser Ego-Trip von Einzelnen: selber möglichst viel Raum einnehmen, die anderen können sich drumrum arrangieren

  • Schelmi Schelmensdorfer am 13.06.2018 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Bei falscher Anwendung

    ist es übrigens auch möglich, an einer Rolle Toilettenpapier zu ersticken, ev. hilft ja auch hier eine Helmpflicht

  • Heinerli am 13.06.2018 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    No Problem

    Deshalb nehme ich beim Baden im See immer Grosis Nadelkissen mit.

    • Sammy am 13.06.2018 23:49 Report Diesen Beitrag melden

      Achtung jetzt

      Ja dann kommen Sie aber vielleicht einmal nicht ans Ufer zurueck und Grosis Nadelkissen boppelt alleine im See weiter !

    einklappen einklappen
  • Ralone am 13.06.2018 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Käse

    Wer schwimmen kann ersäuft sicher nicht wegen einer übergrossen Gummiente, und wer nicht schwimmen kann der planscht gefälligst am Ufer.