Krankenkasse

16. Mai 2017 05:46; Akt: 16.05.2017 08:02 Print

Dicker Bauch gibt weniger Rabatt als dickes Füdli

von D. Pomper - Die Krankenkasse Swica fragt ihre Zusatzversicherten, ob sich ihr Fett eher am Bauch oder am Gesäss ansammle. Das gehe zu weit, findet der Patientenschutz.

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Wie gross und schwer sind Sie? Rauchen und trinken Sie? Machen Sie Yoga? Wie ist Ihr Taille-Hüft-Verhältnis? Versicherte, die am Rabattprogramm der Swica-Zusatzversicherung teilnehmen wollen, müssen 20 Fragen beantworten. Den Rabatt beeinflusst auch, wie viele der täglichen Mahlzeiten frische oder nicht industriell verarbeitete Lebensmittel enthalten. Abgefragt werden zudem familiäre Vorbelastungen. Gut beurteilt wird, wenn Versicherte die letzten fünf Jahre mit ihrem Arzt über die allgemeine körperliche und psychische Gesundheit sowie über Stress- und Risikofaktoren im Berufs- und Privatleben gesprochen haben. Dagegen gibt es eine negative Bewertung, falls Versicherte angeben, dass sie sich die letzten vier Wochen manchmal oder gar oft zu müde gefühlt haben, um ihre «gewohnte Leistung» zu erbringen.

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Würden Sie Fragen zu Ihrer Gesundheit preisgeben, damit Sie in von Versicherungsrabatten profitieren können?
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Insgesamt 1927 Teilnehmer

In Info-Boxen gibt die Swica Verbesserungstipps. Beim Taille-Hüft-Verhältnis etwa können sich Versicherte beraten lassen, wie sie vom Apfeltyp (Fett sammelt sich an der Bauchhaut, am Rücken und Seiten und den inneren Organen an) zum Birnentyp (Fett sammelt sich an Hüften, Gesäss und Oberschenkel an) werden können. Denn: Menschen mit einer Apfelfigur leiden im Vergleich zu Menschen mit einer Birnenfigur an einem erhöhten Herzinfarktrisiko und Diabetes sowie einem höheren Bluthochdruck, an mehr Stoffwechselerkrankungen und an höheren Cholesterinwerten.

Inzwischen nehmen 40'000 Versicherte am Bonusprogramm Benevita der Swica teil. Maximal beträgt der Rabatt 5 Prozent auf der ambulanten Zusatzversicherung und maximal 15 Prozent auf der Spitalversicherung.

«Solche persönliche Fragen gehen eindeutig zu weit»

«Viele Kunden sind sich nicht bewusst, was es bedeutet, solche Rabatte mit seinen Daten zu bezahlen», sagt Barbara Züst, Geschäftsführerin des Schweizerischen Stiftung Patientenschutz. Sie warnt: «Stimmen die Informationen im Versicherungsantrag für die Zusatzversicherung unbeabsichtigt nicht mit dem ausgefüllten Fragebogen überein, zahlen die Leute im dümmsten Fall Geld ein, erhalten aber im Schadensfall nichts».

Ausserdem gingen solche persönliche Fragen eindeutig zu weit, sagt Züst. Ob jemand eher eine Birnen- oder eine Apfelfigur habe, sei oft genetisch bedingt und nur bedingt steuerbar. «Deshalb macht es keinen Sinn, dafür Punkte zu verteilen.»

«Auch ein Apfeltyp kann Bauchfett verlieren»

Swica-Sprecherin Silvia Schnidrig entgegnet, dass zwar eine genetische Veranlagung bestehe, aber sowohl ein Birnentyp viel Bauchfett zulegen könne als auch ein Apfeltyp Bauchfett verlieren könne. «Eine Verringerung des Bauchumfangs leistet einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen», rechtfertigt Schnidrig die Frage nach dem Taille-Hüft-Verhältnis, das immer häufiger parallel zum BMI-Wert angewendet werde.

Schnidrig betont, dass die Swica nicht wisse, wie sich die erreichte Punktezahl ihrer Zusatzversicherten zusammensetze: «Es kann sein, dass ein Raucher gut abschneidet, weil er viel Sport treibt und sich gesund ernährt.» Die Swica habe keinen Einblick in die Deklarationsfragebogen, führe aber bei Verdacht Stichproben durch. Etwa wenn ein Versicherter alle Punkte erreicht, ein Jahr später aber eine Magenband-Operation beantragt. Verweigert sich der Versicherte der Stichprobe, entfällt der Rabatt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Spock am 16.05.2017 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    macht nur so weiter liebe K-Kassen

    und die nächste Abstimmung über eine Einheitskasse wird anderst ausfallen als die letzte

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  • Typhoeus am 16.05.2017 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reduktion zu klein,

    Aufwand zu gross

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  • Riffler am 16.05.2017 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo endet dies?.

    Dies ist der Anfang einer unguten Entwicklung, Diese Fragen gehen mir viel zu weit ins Privatleben, das darf nicht sein. Wie sicher sind dann diese Daten?. In der Heutigen Zeit der Hacker?. Besorgniserregend diese Entwicklung!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nik Meier am 16.05.2017 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ist es also soweit.

    Die Kk sagen uns wie wir leben sollen? Schöne, freie Schweiz.

  • V Thomas am 16.05.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absolut daneben - Zweiklassenmedizin 

    Mit "falscher" Körperform geboren und nun auch noch finanziell bestraft. Dies sogar bei gesündestem Lebenswandel. Solche Schnüffeleien und die folgende Selektion ist unethisch!

  • Stimpy am 16.05.2017 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absoluter Schwachsinn

    Ich bin nicht schlank gehe aber nie zum Arzt (die letzten 25 Jahre 3 mal) und jetzt soll ich mehr bezahlen als einer der Fitness betreibt und wegen jedem Grippchen zum Arzt rennt. Wenn die Krankenkassen geschäftsorientiert denken wollen, dann aber bitte richtig. Die Prämien sind einfach nicht mehr verhältnismässig und eine sehr grosse Belastung für Familien.

  • Tom am 16.05.2017 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quizfrage!

    Sind 10'000 Schritte im Abendverkehr in Zürich genau gleich gesund wie 10'000 Schritte im Wald? Aha, soso! Laut dieser Krankenkasse schon!

  • erwin am 16.05.2017 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bin ich heute wieder ein schelm

    musste laut lachen, als ich diesen satz las «Es kann sein, dass ein Raucher gut abschneidet, weil er viel Sport treibt und sich gesund ernährt.» meine frage, kann ein raucher der sport treibt keine raucherbeine, herzprobleme, empolie gefärdet oder lungenkrebs bekommen?? als meiner meinung nach lebt ein nichtrauchender nichtsportler gesünder.