Kampf um Personal

01. Juli 2017 12:54; Akt: 01.07.2017 12:54 Print

Armee hat mehr Soldaten als sie zugibt

Wegen des «Booms des Zivildienstes» befürchtet die Schweizer Armee einen Personalmangel. Doch rund 15'000 Soldaten werden bei der Berechnung des Bestandes gar nicht gezählt.

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Die Armee rechnet sich klein: Infanterierekruten in Colombier NE (Bild: Keystone/Christian Beutler/Archivbild)

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Es ist ein Kampf um jeden einzelnen Mann. Seit Jahren drängen bürgerliche Sicherheitspolitiker darauf, den Zivildienst unattraktiver zu machen, damit wieder mehr Junge ihren Dienst an der Waffe tun. Ihr wichtigstes Argument: Wenn weiterhin so viele Stellungspflichtige und ausgebildete Soldaten dem ­Militär den Rücken kehren, dann könne die Armee die Sicherheit des Landes nicht mehr garantieren. So dünn sei die Personaldecke bereits.

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Auch der neue Armeechef Philippe Rebord hat diese Darstellung verschiedentlich bestätigt. Die grösste Herausforderung für die Armee sei der Nachwuchs, erklärte er schon bei seinem ­ersten öffentlichen Auftritt. Wegen des «Booms des Zivildienstes» sei fraglich, ob die Armee ihre Sollbestände lang­fristig sichern könne.

Politik gegen Zivis

Der steigende politische Druck auf den Zivildienst hat Folgen. Vor zwei Wochen beschloss der Nationalrat zwei Verschärfungen, die darauf abzielen, Soldaten von einem frühzeitigen Austritt aus der Armee abzuhalten und die Attraktivität des Zivildienstes generell zu reduzieren.

Wie berechtigt der politische Kampf gegen den Zivildienst ist, ist allerdings fragwürdig. Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigen, dass die Personalsituation der Armee keineswegs so dramatisch ist, wie in Armeekreisen behauptet wird. Der Grund: Die Armee berücksichtigt verschiedene Gruppen von Armeeangehörigen, etwa Durchdiener oder Soldaten, die sich im Jahr ihrer Entlassung befinden, in ihren Bestandeszahlen nicht, obwohl diese voll ausgerüstet und dienstpflichtig sind und im Ernstfall auch eingesetzt werden könnten. Der ­Effektivbestand wird um schätzungsweise 15'000 Soldaten zu tief ausge­wiesen. Mit anderen Worten: Die Armee rechnet sich klein.


Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten.

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • noedmitmir am 01.07.2017 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Ich war ein Jahr Durchdiener. Es war eine reine Verschwendung. Nicht's getan, nur gesoffen.

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  • Daniel am 01.07.2017 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen ins Militär

    Schlicht und einfach aus Gerechtigkeit Gründen. Gleiche Rechte : gleiche Pflichten.

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  • San Sdt am 01.07.2017 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Personalmangel?

    Personalmangel kann die Armee nicht haben, ansonsten könnte sie es sich nicht leisten Personen in Funktionen einzuteilen, wo diese nicht einmal die Mindestanforderungen erfüllten. Mich hat man bisher nur 2 mal versucht für UT zu erklären, also hat die Armee genügend Leute. Selbst für die Informatik, wurde als IT-Fachmann als San Sdt eingeteilt. Entweder lügt die Armee oder die haben keine Ahnung von Personaleinteilung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dario. am 02.07.2017 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Orientierungstag

    Ich musste kürzlich an den Orientierungstag der Schweizer Armee, dort wird einem den Zivildienst als 2 Option ohne große Nachteile vorgestellt, weshalb macht die Politik nun so ein Drama?

  • Hubert Michel am 02.07.2017 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Armee als Arbeitgeber

    An alle Nörgler: Habt Ihr überhaupt schon mal nachgedacht, wie viele Leute direkt oder indirekt für die Armee arbeiten? Die Schweizerarmee ist der grösste Arbeitgeber des Landes und muss unbedingt erhalten bleiben.

  • Demo Krat am 02.07.2017 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denken dann handeln

    Unsere Armee hat seit Jahren kein Konzept. 1. Frage: was für Aufgaben stehen an. 2. Frage: wer könnte die Aufgaben besser und mit weniger Aufwand erfüllen (Polizei- und Grenzschutzkorps ausbauen, Bauunternehmer für Katastrophenschutz verpflichten und bezahlen, Geheimdienst gegen Cyberattacken, ...) 3. Frage: welche Kernaufgaben bleiben bei der Armee und wie viele Leute braucht es dazu? Etc.

  • Ludwig am 02.07.2017 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht fair

    Moderne Kriege werden immer weniger mit Körperkraft geführt. Es kommt auf die Maschinen an. Die können Frauen und Männer gleich gut führen. Ein Würsterl von Mann kann nie bestehen gegen eine sportliche Frau. Trotzdem behauptet das Gesetz, dass er aus Prinzip überlegen wäre. Da stimmt doch alles nicht. Die einen sind so altmodisch, dass sie sich's nicht vorstellen können, die anderen wollen sich einfach nicht den Dienst anhängen lassen, wenn's auch ohne geht. Das ist der reinste Opportunismus.

  • Ada's am 01.07.2017 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armee muss umdenken

    Wir sind gerade im Umkreis von Bern im WK. Unsere bisherigen WK's hatten wir in jener Funktion geleistet, wofür wir in der RS ausgebildet wurden. Da diese Einheit abgeschafft wurde, besteht unsere einzige Aufgabe nun darin, uns selbst und eine weitere LEERE Zivilschutzanlage zu bewachen. Pro Tag werden wir meist weniger als 4h effektiv beschäftigt. Die restliche Zeit verbringen wir im Café, in der Badi, beim Sport oder im Ausgang. Obwohl dies natürlich sehr bequem ist, ist es dennoch eine unfassbare Zeit- und Ressourcenverschwendung. Wir sitzen effektiv nur noch unsere Diensttage ab.