Car-Sharing

10. August 2017 05:55; Akt: 10.08.2017 05:55 Print

Mobility-Autos rollen immer mit Winterreifen

von Stefan Ehrbar - Der grösste Car-Sharing-Anbieter setzt auch im Sommer auf Winterreifen. Experten raten ab – und Versicherungen könnten Regress nehmen.

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Auf 2300 Metern liegt die Schneefallgrenze diesen Donnerstag. Wer mit einem Mobility-Auto in diese Höhe fährt, hat nichts zu befürchten: Auf allen der 2950 Autos des Car-Sharing-Anbieters sind das ganze Jahr über Winterreifen montiert. Aus Gründen der Sicherheit, sagt Sprecher Patrick Eigenmann: «Wetterumbrüche oder Schneefälle sind in der Schweiz jederzeit möglich, gerade in höheren Lagen. Da unsere Kunden die Autos für alle erdenklichen Zwecke und Strecken nutzen, müssen sie jederzeit einsetzbar sein.» Ein Wechseln je nach Wetter sei unmöglich.

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Experten raten aber von Winterreifen im Sommer ab. Der TCS empfiehlt, im Sommer auf Sommerreifen zu setzen, sagt ein Sprecher. Die gewährleisteten höhere Stabilität und Haftung. Der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) wird deutlicher: «Der Sicherheit wegen ist dringend vom Fahren mit Winterreifen im Sommer abzuraten», schreiben seine Experten. Tests zeigten, dass Winterreifen bei höheren Temperaturen bei nasser und bei trockener Strasse einen «markant längeren Bremsweg» hätten. Das könne sich fatal auswirken.

10 Prozent längerer Bremsweg

Mobility-Sprecher Eigenmann sagt, ganzjährige Winterbereifung sei gesetzlich zugelassen. Verschiedene Experten kämen bei Messungen zu verschiedenen Resultaten. Als Faustregel könne davon ausgegangen werden, dass ein Winterreifen-Bremsweg bei sommerlichen, trockenen Verhältnissen rund 10 Prozent länger sei.

Mit der ganzjährigen Winterbereifung steht Mobility allein da. Bei Hertz Schweiz seien aus Sicherheitsgründen im Sommer Sommerreifen montiert, sagt Marketing-Chef Roberto Delvecchio. Auch Europcar teilt mit, die Autos seien saisonal mit entsprechenden Reifen ausgestattet. Gleich tönt es bei Avis und Sixt. Bei Autovermietern sind Fahrzeuge allerdings nur kurz im Einsatz: Bei den meisten werden neue Autos nur sechs Monate vermietet, bevor sie verkauft werden.

Versicherung könnte kürzen

Wer im Sommer mit Winterreifen fährt, riskiert im Extremfall Probleme mit der Versicherung. Die kann die Schadensübernahme teils oder ganz ablehnen, wenn die Bereifung eine Rolle bei einem Unfall gespielt hat, schreibt der SVV. «Stehen die Pneus in kausalem Zusammenhang mit dem Unfall, müssen Kunden ohne Grobfahrlässigkeitsschutz allenfalls mit einer Kürzung rechnen», sagt David Schaffner von der Zürich Versicherung.

Bei der Axa heisst es, eine Kürzung der Versicherungsleistung sei denkbar, wenn dem Lenker ein grobfahrlässiges Verhalten vorgeworfen werden könne. «Das könnte etwa der Fall sein, wenn das Auto mit Winterreifen ausgerüstet, mit voller Ladung und hoher Geschwindigkeit auf einer langen Strecke bei hohen Temperaturen unterwegs ist und es dadurch zu einem geplatzten Reifen kommt.» In der Praxis sei das äusserst selten der Fall.

«Nicht lange schnell fahren»

Mieter haben kaum etwas zu befürchten. Von der Versicherung könnten sie höchstens belangt werden, wenn sie durch grobfahrlässiges Handeln zum Schaden beigetragen hätten, heisst es bei der Mobiliar. Primär sei der Fahrzeughalter für die Sicherheit verantwortlich. Als Mieter sollte man sich darauf verlassen können. Ein kurzer Check bei der Übernahme sei aber zu empfehlen.

Rechtlich sind Winterreifen im Sommer erlaubt. Axa-Sprecherin Mirjam Eberhard empfiehlt aber, dass Vermieter ausdrücklich darauf hinweisen. «Aus unserer Sicht wäre ein Kleber beim Armaturenbrett zweckmässig», sagt sie. Wer ein solches Auto fahre, müsse darauf achten, bei Hitze nicht länger mit hoher Geschwindigkeit unterwegs zu sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ryan Ausgold am 10.08.2017 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch unser aller Freund...

    Auch die Schweizer Armee hat ganzjährig Winterreifen drauf, ist einfach ein logistischer Mehraufwand und wie gesagt, in der Schweiz kann es auch im Juni mal schneien, wenn man am falschen Ort ist.

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  • RolfH am 10.08.2017 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    Angstmacherei / Abzockerei

    2650 Autos mit Winter- und Sommerpneus auszustatten bedeutet 10'600 zusätzlicher Sommerpneu-Umsatz. Ist doch klar machen die Pneu Hersteller miese Stimmung! Und die Versicherungen welche ihren Umsatz mit "Angst machen" machen, sind natürlich auch sofort wieder mit im Boot.

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  • w8 am 10.08.2017 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja genau Sicherheit

    aus gründen der sicherheit ja sicher zum glück wird der bremsweg nicht massiv länger mit Winterreifen bei 30 Grad. Da gehts um Geld und um sonst nichts.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ay. am 12.08.2017 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rollende Bremsen

    So wie die Mehrheit dieser Car-Sharing-Fahrer/in herum irren und schleichen kommt es überhaupt nicht darauf an. Es würden auch Vollgummireifen ausreichen.

  • Robert am 10.08.2017 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch bezüglich Bremsweg

    Das mit dem längeren Bremsweg stimmt überhaupt nicht! Im Schleuderkurs hatten einige noch Winterreifen drauf, die hatten mit Abstand auf jedem Untergrund einen kürzeren Bremsweg.

  • Nurso am 10.08.2017 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    bei Winterreifen ist der Spritverbrauch und die Laufgeräusche etwas grösser. Ich selber fahre schon seit über zwanzig Jahren nur noch mit Ganzjahrersreifen (Flachland). Habe damit nie Probleme gehabt.

  • Kurt am 10.08.2017 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal nicht übertreiben

    Was verschwiegen wird, es betrifft den längeren Bremsweg nur bei trockener Strasse. Auf nasser Strasse ist kein Unterschied feststellbar.

  • B. Reifer am 10.08.2017 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Regress

    Eine Kürzung der Versicherungsleistung (Regress) wäre in dieser Kausalität für den Versicherer juristisch zu aufwändig. Zudem kostet der Zusatz "Grobfahrlässigkeit" pro versichertes Fahrzeug nur ca. CHF 20.00 pro Jahr. Bis auf wenige Ausnahmen fahren Nutzfahrzeuge (inkl. ÖV-Busse), ganzjährig seit eh mit denselben Reifen. Übrigens: Eines meiner Velos ist ganzjährig mit Spikesreifen ausgerüstet, man weiss ja nie...