Arena-Debatte

04. November 2017 00:09; Akt: 04.11.2017 07:44 Print

Kommt wegen «No Billag» ein Schweizer Fox News?

In der Arena wurde am Freitagabend die No-Billag-Initiative diskutiert. Eine Zukunft ohne die Gebühr sahen die Politiker sehr unterschiedlich.

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Drohen der Schweiz ohne die SRG Zustände wie in den USA, wo die Rechten nur noch Fox News schauen und die Linken nur noch MSNBC? Das ist die Befürchtung eines Studenten der Uni Freiburg, der sich in der Arena vom Freitag zu Wort meldete. «Es braucht aber einen Sender der beide Meinungen gleichzeitig zeigt», so der Student. Ansonsten drohe «die Spaltung unserer Gesellschaft».

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Sehen Sie diese Gefahr der parteiischen Medien ohne Billag ebenfalls?

Diese Befürchtung teilte auch SP-Frau Edith Graf-Litscher: «Die SRG muss ausgewogen berichten und hat einen entsprechenden Auftrag. Private müssen das nicht.» Es bestehe die Gefahr, dass die TV-Sender bei Annahme der Initiative bald reichen Goldküstenbewohnern gehören würden, die ein Programm nach ihrem Parteibuch machen würden. Ein Ja zu «No Billag» sei ein Ja zu «Interessenmedien».

«SRG ist total von Staat und Politik abhängig»

Gregor Rutz (SVP) entgegnete: «Das stimmt nicht. Auch bei TeleZüri wird pedantisch auf die Ausgeglichenheit geachtet.» Und auch 20 Minuten sei keine «schlechte Qualität», wie dies der Student behauptet hatte. Für No-Billag-Initiant Olivier Kesser sind nicht die Privaten, sondern die SRG parteiisch: «Ist die SRG etwa kein Interessenmedium?» Der «Monopolsender» sei vom Staat und der Politik abhängig und deswegen nicht neutral.

So seien bei einem Faktencheck von «Swissinfo» alle Aussagen von Billag-Befürwortern als richtig, alle von den Gegnern als falsch dargestellt worden. SRG und Politik seien «total voneinander abhängig». Der Bundesrat setze die Gebührengelder fest und bestimme mehrere SRG-Verwaltungsräte. Ein Journalist habe zudem in einer Auswertung festgestellt, dass die SRG «extrem verwaltungsnah» berichte.

Werden bei einem Ja die Lichter beim SRF gelöscht?

«Kein Bundesrat darf das SRG-Programm beeinflussen, das ist so in der Konzession geregelt», entgegnete Kurt Fluri (FDP). Es kämen dauernd staatskritische Beiträge im SRF. Auch SRG-Chef Jean-Michel Cina verwies auf die Konzession: «Die SRG darf im Gegensatz zu den Privaten keine Meinungsmache betreiben.»

Doch wie würde es mit der SRF nach einer allfälligen Annahmen weiter gehen? Auch hier gingen die Meinungen auseinander. Laut internen Analysen bleibt dem Unternehmen wegen dem Einbruch der Werbeeinnahmen nichts anderes als die Liquidierung, argumentiert SRG-Chef Cina. Auch André Mösch vom Verband der Regionalfernsehen Telesuisse fürchtet ohne Billag bei seinen Sendern ein Lichterlöschen.

«Drogenjunkie auf der Jagd nach Subventionsspritzen»

Für Initiant Kessler ist dies Panikmache. «Sie sind wie ein Drogenjunkie auf der Jagd nach der nächsten Subventionsspritze.» Es werde auch ohne «Zwangsgebühren» genug Leute geben, die für ein qualitativ hochwertiges Informationsangebot bezahlen würden. «Die Kosten einer Folge Tagesschau werden durch eine Minute Werbung wieder eingespielt». Auch im Tessin werde es genug Leute haben, die bereit seien, für eine Informationssendung Geld zu bezahlen.

Für Graf-Litscher hingegen wäre die Medienvielfalt ausserhalb Zürich nicht mehr gewährleistet, weil eine Produktion für kleine Regionen zu teuer würde. Es sei wie bei der SBB: «Die Strecke Bern-Zürich könnte von Privaten gewinnbringend betrieben werden, doch schon am Bodensee würde es sich kommerziell nicht lohnen, eine Linie zu betreiben.»

Sendung verpasst? Die «Arena» vom Freitag ist hier online verfügbar.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Globeca am 04.11.2017 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diskussionsrunde

    Der Moderator hat seine Sache gut gemacht und mehr oder weniger alle Teilnehmer haben ihre Standpunkte relativ sachlich darbieten können. Bis auf diese SP-Frau Edith Graf-Litscher. Mann, ist diese Frau mühsam. Statt ihre Gegner ausreden zu lassen, fiel sie ihnen ständig ins Wort und brachte ihre "Argumente" in einer höchst unangenehmen und überheblichen Art und Weise zum Ausdruck. Keine passende Teilnehmerin für eine Diskussionsrunde.

  • René B. am 04.11.2017 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird bald Zeit

    Billag abschaffen und jeder kann das schauen und hören was er will. Es kann nicht sein dass wir alle zusammen dieses linkslastige Programm finanzieren müssen. Freie Medienlandschaft ist das Ziel.

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  • Blickens Dorfer am 04.11.2017 00:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fertig mit teurem Zirkus

    Das SRF wird weiter bestehen können oder wissen die nicht, wie mit Bundesgeldern und Werbe-Einnahmen ein nach prioritäten organisiertes Programm zu gestalten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sphere am 05.11.2017 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Weg vom zentralistischen System

    wo eine Instituation entscheidet darüber was die Mehrheit zu sehen hat und was nicht (egal wie Ausgewogen diese Informationen sind - ja, ein Paradoxum). Das Internet gibt die Möglichkeit einem Einzelnen oder einer Gruppe von Personen verschiedenste Sendeformate zu schaffen, Sendeformate die persönlicher/informativer sind als alles was es bis jetzt gibt. Nicht ein Weltbild, sondern viele Verschiedene die dann offenbar werden. Diese kann jeder nach seinem EIGENEN Gewissen und Wissen goutieren oder eben nicht, ob finanziell oder andersweitig.

  • Rolf am 05.11.2017 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    J A - 50 % SRF-ABBAU

    Wenn ein Betrieb mit den Finanzen nicht zu recht kommt, dann sind solche Massnahmen erforderlich, wie in der Privat-Wirtschaft auch.

  • Ein Leser am 05.11.2017 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder soll das bezahlen was er gerne hat

    Ich bin nicht bereit Sendungen zu bezahlen die ich gar nicht schaue z.b Glanz und Gloria und Müslüm TV. Bei anderen Sendungen wie Auf und davon, Kassensturz, Rundschau, Arena währe ich bereit etwas zu bezahlen.

  • mrfiveduck am 05.11.2017 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medienmonopol

    Wir haben die Wahl zwischen völlig von Sponsoren abhängigen Medien (Sponsoren =Geldgeber=Interessensvertreter) oder einigermassen freien Medien (öffentlich-rechtlich) Medien. Wenn die Billag weg ist werden wir sehr schnell italienische Verhältnisse haben. Berlusconi besitzt dort das Medienmonopol und wohin das führt ist bekannt. Also, denkt mal nach!

  • Dominik Frei am 05.11.2017 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    hin oder her...

    Wir haben doch schon heute einseitige Berichterstattung im Srf wenn man sich mal ernsthaft für Nachrichten interessiert. Freier Journalismus sieht anderst aus. Also warum soll man dafür bezahlen. Außerdem finde ich es nur gerecht wenn die Leute dafür bezahlen die dieses Fernsehn auch benötigen. Ich sehe es dafinitiv nicht ein Zwangsabgaben zu bezahlen für Dienstleistungen die ich nicht in Anspruch nehme! Das Leben wird immer teurer also will ich auch entscheiden können auf was ich verzichten will!