Energiegesetz

11. Mai 2017 11:01; Akt: 11.05.2017 12:52 Print

Mit Gülsha, Atombaron und Bier auf Stimmenfang

Im Abstimmungs-Endspurt machen die Jungparteien mobil: Die Junge SVP warnt vor Stromlücken, die Grünliberalen lancieren ein Anti-AKW-Game.

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Der Abstimmungskampf um das Energiegesetz geht in die heisse Phase. Um noch unentschlossene Stimmbürger von ihrer Parole zu überzeugen, mobilisieren nun die Jungparteien. Die Mitglieder der Jungen SVP etwa erhalten in einem selbstgedrehten Video warmes Bier vorgesetzt («Versorgungsengpass!»). Gleichzeitig warnen die Jungen Grünliberalen mit einer App vor dem rücksichtslosen «Atom-Baron», der den Profit über die Sicherheit seiner Kraftwerke stellt («Neustes Update: Setze oxidierte Brennstäbe ein!»).

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«Wir Junge haben keine Millionen für den Abstimmungskampf, aber mit unserer selbstgemachten App versuchen wir der Atom-Lobby einen Strich durch die Rechnung zu machen», erklärt Pascal Vuichard von den Jungen Grünliberalen das Spiel «Atom-Baron 2».

Das Spiel «Atom-Baron» soll Alternativlosigkeit aufzeigen

Ziel der App ist es, als CEO eines Schweizer AKW möglichst viel Geld zu verdienen. «Du bleibst länger am Netz, wenn du bei der Sicherheit sparst», heisst es in der Spielanleitung. Die erste Version des Spiels lancierten die Grünliberalen zur Atomausstiegs-Initiative letzten Herbst.

Vuichard betont, dass der «Atom-Baron» die Alternative der Energiegesetz-Gegner offenlege: den «gefährlichen und wirtschaftlich sinnlosen Weiterbetrieb der Schweizer AKW». Das revidierte Energiegesetz sieht dagegen ein Verbot von neuen Kernkraftwerken vor.

Auf Unzulänglichkeiten der Nein-Kampagne will auch Ex-Joiz-Moderatorin Gülsha in einem Video der Befürworter hinweisen: Sie wärmt dabei ein Abstimmungs-Plakat, das eine frierende Frau unter der Dusche zeigt. «Niemand muss kalt duschen – das ist so, wie wenn jemand sagen würde, Igel-Frisuren seien noch im Trend», tröstet Gülsha. «Es ist schwierig, wenn sie immer lügen.»

JSVP-Video: «Ist das Glühbier, oder was?»

Doch die Junge SVP, die das revidierte Energiegesetz bekämpft, schlägt in einem eigenen Video zurück. «Ist das Glühbier hier, oder was?», ruft der Berner Co-Präsident Nils Fiechter aus, nachdem ihm der Kellner – den sein adrett gekleideter Parteikollege Adrian Spahr mimt – ein warmes Bier in einer improvisierten Gartenbeiz serviert hat. Darauf klagt auch der Kellner: «Seit der Energiestrategie steigt dauernd die Kühlanlage aus!» Fiechter zählt nun eins und eins zusammen: «Dann hätten wir Nein stimmen müssen!»

Andreas Gerber, Generalsekretär der Jungen SVP, erklärt die Beweggründe für das Video so: «Wir versuchen die realen Gefahren durch Stromschwankungen, bis zur Möglichkeit eines höchst gefährlichen Blackouts, aufzuzeigen.»

Wirtschaftskomitee setzt auf Erklärvideo

Nicht einstimmen in saloppe Video- und Game-Kampagnen kurz vor der Abstimmung möchte das Komitee «Wirtschaft gegen das Energiegesetz». Stattdessen referiert ein über die «grossen Stromlücken» besorgter Experte des Industrieverbands Swissmem vor einem Flipchart über die «Auswirkungen der Energiestrategie». Deshalb auch sein nicht erstaunliches Fazit nach sechs Folien: Die Energiestrategie sei ein Etikettenschwindel.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Helveticus am 11.05.2017 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Fakt

    Nur zur Erinnerung. Die Schweiz ist in jedem Falle vom Ausland abhängig. Schon nur darum, weil die schweizerischen Stromproduzenten inkl. Solar, Wind etc. allesamt ins europäische Netz einspeisen.

  • Simi am 11.05.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Worte der Vernunft

    Fest steht, unsere AKWs haben eine begrenzte Laufdauer. Weiterhin ist es Fakt, dass beim momentanen Strompreis und dem politischen Klima kein Konzern ernsthaft über den Bau eines neuen AKWs nachdenkt. Entweder, wir begegnen dem zukünftigen Wegfallen des Atomstroms mit einer Strategie, oder wir lehnen sie ab und lassen alles planlos auf uns zukommen. Welches Szenario, glaubt ihr, wird besser für uns sein?

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  • Broetli am 11.05.2017 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht als Lügen

    Richtig peinlich, dass solche "Argumente" notwendig sind. Ohne EnG sind wir genau so auf das Ausland angewiesen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beno K. am 12.05.2017 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Teuer, teurer ES 2050

    Heizöl: 67 Rp. pro Liter mehr. Benzin: 26 Rp. pro Liter. Strom: 3 Rp. pro kWh mehr. Deshalb: An alle Otto-Normalbürger: NEIN am 21. Mai. Ich habe bereits mein NEIN-Votum eingereicht.

  • Dani W. am 12.05.2017 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    ES 2050 - 40, 700 oder 3200 Franken?

    Wie hoch sind die Kosten bei einer Annahme der ES 2050 wirklich für uns? 40Fr. (Frau BR Leuthard), 700 Fr. (Herr Gunzinger) oder 3200 Fr. (Toni Brunner) Auf jeden Fall unzumutbar teuer für den Durchschnittsbürger. Deshalb habe ich NEIN gestimmt.

  • Käser am 11.05.2017 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gröl, grins, lach, Bauchweh!

    Info an die ewig Gestrigen. Energie Gott Musk hat neue Solarziegel vorgestellt welche jetzt verfügbar sind, die kosten weniger als ein normaler Dachziegel! Ihr könnt natürlich weiterhin die teuren Tonziegel auf das Dach montieren, gemäss SVP ist das billiger. Ich frage mich je länger je lauter, was kostet ein nein zur EW2050!?

    • Stromer am 12.05.2017 07:40 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist ernst

      Erklär uns doch bitte noch, weshalb die grossen Firmen mit hohem Stromverbrauch profitieren sollen und weshalb die Kleinen wiedermal nicht?! Danke

    • Orlando Pezzani am 12.05.2017 09:31 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist Ernst

      Dass ist leider eine Konzession an den Wirtschaftsstandort Schweiz! Sonst würden die grossen Firmen abwandern und man klagte dann über verlorene Arbeitsplätze.

    • Politikverdrossener am 12.05.2017 14:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Käser:

      Bitte physikalisch erklären, woher der Strom denn kommt wenn keine Sonne scheint und/oder kein Wind weht. Aber bitte nicht den Witz mit der Batterie, der funktioniert nähmlich nicht wirklich effizient. Aber vielleicht ist es ja so, dass unser Dorli und ihre Befürworter einen Weg gefunden haben physikalische Gesetze zu ändern...

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  • ich will am 11.05.2017 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    eine sichere Zukunft der Schweiz

    und sage deshalb klar NEIN zu diesem Gesetz. Diese grün bemalte Wirtschaftsförderung ist kein nachhaltiger Weg. Das Gesetz sozialisiert sämtliche Kosten und privatisiert alle Gewinne die mit der ES2050 gemacht werden. Das erkennt man auch daran dass sich die Grossverbraucher nicht wehren, im Gegenteil sie unterstützen als Profiteure das Gesetz. Nur ein NEIN bringt uns auf den richtigen Weg zum Ziel.

    • Orlando Pezzani am 12.05.2017 09:43 Report Diesen Beitrag melden

      @ ich will

      Was wird bei der Kernenergie gemacht? Die Gewinne weitgehend privatisiert, die Kosten für Rückbau und Endlagerung werden sozialisiert. Das kommt noch auf uns zu! Und was wäre der richtige Weg, bitte?

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  • Hr. Schmied am 11.05.2017 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN

    Ein klares NEIN! Oder wollt ihr kohlestrom aus Deutschland importieren? Dann sind mir die paar Atomkraftwerke in der schweiz lieber.

    • Amperus am 11.05.2017 21:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Hr. Schmied JA

      Kohlestrom wird eben genau importiert werden wenn wir Keine Strategie haben. AKWs sowieso abgestellt werden. Also um weniger Kohlestrom zu importieren muss man JA stimmen. Lässt Euch nicht von dieser Online Kampagne der Gegner verwirren!

    • Orlando Pezzani am 12.05.2017 09:42 Report Diesen Beitrag melden

      @ Hr. Schmied

      AKW's in der Schweiz? Uralt und altersschwach, Ausfälle garantiert (siehe Leibstadt und Beznau I) zudem noch gefährlich und Endlagerung ungelöst. Nein danke!

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