Tamedia-Abstimmungsumfrage

10. Mai 2017 01:55; Akt: 10.05.2017 08:05 Print

Energiegesetz-Gegner holen auf

von D. Waldmeier - Noch immer unterstützt eine Mehrheit von 53 Prozent das neue Energiegesetz. Bei den Mitte-Wählern wächst aber die Skepsis.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In gut zehn Tagen entscheidet das Schweizer Stimmvolk über das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050. Laut der neusten Tamedia-Abstimmungsumfrage sind die Befürworter um Energieministerin Doris Leuthard weiterhin auf Kurs: 53 Prozent der Stimmbürger wollen derzeit die Vorlage sicher oder eher annehmen.

Im Vergleich zur letzten Befragung von Ende April hat die Unterstützung nur leicht um 2 Prozentpunkte abgenommen. 45 Prozent der Stimmbürger würden derzeit Nein stimmen. Das Gesetz will neue AKW verbieten, den Energieverbrauch senken und erneuerbare Energien stärker fördern.

Am grössten ist die Ablehnung mit 82 Prozent noch immer bei den SVP-Wählern. Auch eine Mehrheit der FDP-Wählerschaft lehnt das Gesetz ab. Dagegen befürworten die Anhänger von SP, Grünen und GLP die Vorlage klar.

Leicht an Rückhalt verliert die Vorlage bei den Mitte-Wählern: Bei Anhängern der CVP wollen noch 65 Prozent Ja und 32 Prozent Nein stimmen (2. Welle: 72% Ja und 24% Nein). Eine ähnliche Tendenz ist bei den BDP-Wählern zu beobachten.

Das beunruhigt Befürworter Stefan Müller-Altermatt (CVP) nicht: «Wir sind auf Kurs. Noch immer stehen zwei Drittel unserer Wählerschaft hinter der Vorlage. Das ist eine stabile Mehrheit.» Der Leuthard-Effekt schwäche sich nicht ab, sagt der Umweltpolitiker. «Leuthards Engagement hilft uns nach wie vor.»

Dass die Zustimmung in der Mitte leicht zurückgegangen ist, führt er auf die millionenschwere «Fake-News-Kampagne» der Gegner zurück. «Zum Glück haben sie mit Behauptungen wie einem Verbot von Bananen aber völlig überdreht. Da fallen unsere Leute also sicher drauf rein!»

SVP kämpft weiter

Für SVP-Chef Albert Rösti ist die Verschiebung in der Mitte ein positives Signal: «Wir konnten in der sachlichen Auseinandersetzung aufzeigen, dass das Gesetz eine höhere Regelungsdichte und höhere Kosten bringt. Diese Argumente können Bürgerliche nicht kaltlassen.» Anders sehe es auf links-grüner Seite aus, wo rein ideologisch argumentiert werde.

Rösti hofft, dass weitere Mitte-Wähler ins Nein-Lager wechseln – trotz CVP-Energieministerin Doris Leuthard. «Es ist ihr Projekt. Da ist es normal, dass man in ihrer Partei loyal zu ihr steht.» Aufstecken wollen die Gegner nicht, sondern noch einmal mobilisieren. «Wir werden weiterhin vehement für eine Ablehnung des Energiegesetzes kämpfen.»

Das stärkste Argument für die Revision des Energiegesetzes bleibt laut der Umfrage der Klimaschutz. Das stärkste Argument gegen die Vorlage ist aus Sicht der Gegner die Sorge, dass mit dem Gesetz die bewährte und sichere Energieversorgung der Schweiz zerstört werde. In der lateinischen Schweiz ist die Unterstützung deutlich grösser als in der Deutschschweiz, wo die beiden Lager nur durch zwei Prozentpunkte getrennt sind: 50 Prozent wollen Ja stimmen, 48 Prozent Nein.

Gewichtete Umfrage

11'490 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 4. und 5. Mai online an der dritten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zur eidgenössischen Vorlage vom 21. Mai teilgenommen.

Die titelübergreifenden Umfragen werden in Zusammenarbeit mit den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1.3 Prozentpunkten.

Weitere Informationen unter tamedia.ch/umfragen

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • piomasi am 10.05.2017 03:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strom wie Krankenkasse immer teurer

    werden wir wieder angelogen wie vor Jahren mit der Krankenkasse. Der Strom wird dann von Jahr zu Jahr immer teurer, bis fast unzahlbar, wie die Krankenkasse. Leider muss man von dem Angst haben, die zu späte Einsicht bringt dann auch nichts mehr.

    einklappen einklappen
  • Alex00 am 10.05.2017 06:39 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Ich weiss natürlich, dass es jedem Stimmbürger obliegt zu stimmen was er oder sie möchte, aber ich werde einfach meine Meinung äussern: Das Energiegesetz ist die USR2 im Öko-Pelz. Wenn der BR etwas empfielt steckt meist mehr als die Umwelt dahinter. ($$$) Wir können auch so unsere Emissionen reduzieren ohne uns derart ins eigene Fleisch und Portemonnaie zu schneiden. Lieber einmal mehr bedacht agieren als einfach drauf los.

    einklappen einklappen
  • Gerold am 10.05.2017 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkpause

    In D sind die Stromkosten nach der Energiewende um 50% gestiegen. Zusätzlich mussten Kohlekraftwerke in Betrieb genommen werden, um die Versorgung einigermassen aufrecht zu erhalten. Wo werden wir unsere Kohle KW aufstellen und wo bauen wir die Kohle ab?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel H am 10.05.2017 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Strom wird immer günstiger!

    Seit 35 Jahren wird der Strom günstiger. Der Anteil der Stromkosten am Haushaltsbudget sinkt ständig. Die FörDerung der erneuerbaren Energien gibt es schon seit mehr als 20 Jahren und seit 10 Jahren wird diese FörDerung angepasst und erhöht. Resultat: Der Strom kostet pro kWh trotzdem immer weniger. Das Kostenargument ist also schlicht irrelevant. Der Vergleich mit der Krankenkasse passt also nur insofern, dass bei den Gesundheitskosten tatsächlich Handlungsbedarf besteht.

  • Akw ja am 10.05.2017 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    AKW Befürworter

    Wieso sollte man vom Atomstrom wegkommen? Es ist eine Technologie mit Risiken ja. Aber deswegen das ganze verteufeln ist nicht die Lösung. Ich mein nur weil ein paar Akkus von Smartphones explodiert sind, wird auch nicht gleich die ganze Technologie Akku abgeschafft oder? Lieber die AKW's besser aufrüsten und noch sicherer machen. Denn diese liefern so viel Energie wie nichts vergleichbares.

    • Deathclock am 10.05.2017 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Akw ja

      Auch nicht alle Menschen sind Mörder, jedoch jeder Mörder ein Mensch. "Sichere" AKWs sind unsäglich teuer (siehe Olkiluoto Finnland). Atomstrom ist keine Alternative, denn schlussendlich ist er die teuerste Energiequelle.

    • Xsasan am 10.05.2017 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Akw ja

      Es spricht ja auch absolut nichts dagegen, die bestehenden AKWs sicherer zu machen und sie so länger am Netz zu behalten. Die Schweiz wird die nächsten 20 Jahre noch auf ihre AKWs angewiesen sein. Trotzdem hat die BKW beschlossen, Mühleberg 2019 stillzulegen. Weshalb? Weil ein Weiterbetrieb schlichtweg nicht mehr rentabel ist. Und auch die Axpo buttert jährlich Hunderte Millionen in die Sicherheit der AKWs - und sie rentieren nicht mal. Wir BRAUCHEN also schlichtweg Alternativen in Zukunft. Eine Möglichkeit sehe ich, im Sommer die AKWs ruhen zu lassen, weil wir da genügend Strom aus erneuerbaren Energien generieren können. Im Winter helfen dann die AKWs aus. Nur müssen sich alle Gegner bewusst sein: die AKWs werden, trotz Milliardeninvestitionen, immer anfälliger. Leibstadt war fast anderthalb Jahre nicht am Netz! Jede poppelige PV-Anlage hat während 18 Monaten mehr Strom als dieses AKW produziert. Dem muss man Rechnung tragen. Ein neues AKW zu bauen dauert Jahrzehnte, und Kosten von Dutzenden Milliarden verursachen (siehe aktuelle Bauten in Frankreich und GB). Die Energiestrategie sorgt dafür, dass der "bewährte Strommix" auch weiterhin funktioniert. Ansonsten haben wir ab 2019 wegen Mühleberg schon derbe Probleme. Aber das ignorieren die Gegner gekonnt. Immerhin schwemmt DE grad den Strommarkt mit billigem "Flatterstrom". Den will die SVP importieren.

    einklappen einklappen
  • Fussgänger am 10.05.2017 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    So nicht, darum NEIN

    Es gibt kein einziges nicht widerlegbares Argument für dieses unsoziale Gesetz. Rentner, Geringverdiener, Familien und Junge mit schmalem Budget werden die Energiepreiserhöhungen nicht ohne Armutsgefahr wegstecken. Dieses Gesetz verteuert alle Energieträger, nicht nur den Strom. Mein soziales Gewissen sagt klar NEIN zu diesem Betrug am Volk. Energiewende ja aber nicht so ! Wir brauchen eine bessere, sozial gerechtere Lösung. Darum NEIN

    • Xsasan am 10.05.2017 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fussgänger

      Eben nicht. Gerade ärmere Familien, die schon nicht viek konsumieren können, merken die Zusatzkosten von lächerlichen 0.7 Rappen / kwh kaum. Nur jene, die ein grosses Haus haben und dementsprechend viel Energie konsumieren, spüren es ETWAS im Geldbeutel. Ausser sie sparen Energie, dann hebelt sich das aus, und der Energiestrategie ist gedient.

    einklappen einklappen
  • F. P. am 10.05.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Folgekosten grosses Fragezeichen

    Die Vorlage mit einseitigen Subventionen belastet nicht zuletzt den Endkonsumenten, Mieter, Rentner und die Autofahrer. Folgekosten, wie Installationskosten aus Umstellungen etc. werden auf Mieter überwälzt. Effizienzgewinne können nur über längere Zeiträume erzielt werden. Sehr viele Fragen bleiben offen.

    • l. m. am 10.05.2017 17:21 Report Diesen Beitrag melden

      Vorlage verschweigt das

      Das neue Energiegesetz unterschlägt mögliche Folgen für Mieter. Energiesanierungen führen klar zu höheren Mietkosten und das wird brutal ausgenützt werden. Kleine Budgets trifft das neue Energiegesetz umso härter!

    • Xsasan am 10.05.2017 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @l. m.

      Eben genau nicht. Deshalb gibts erstens den Fonds zur energetischen Gebäudesanierung, diese werden subventioniert und deshalb nicht unweigerlich zu Mehrkosten führen. Zudem, wenn ein Gebäude saniert wird, dann weil man sich grosse Heizkosteneinsparungen erhofft. Das merkt jeder Mieter positiv, wenn er die Nebenkostenabrechnung erhält. Warum sonst ist wohl der Mieterverband FÜR die die Vorlage? Bitte nicht alles blindlings der SVP nachplappern, Herr Rösti befürchtet nämlich einfach nur Einbussen für seine Öllobby.

    einklappen einklappen
  • Orlando P am 10.05.2017 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Sachliche Auseinandersetzung?

    Herr Rösti spricht von sachlicher Auseinandersetzung, aber die Gegner bringen keinen einzigen brauchbaren Vorschlag, wie das Energieproblem in Zukunft gelöst werden soll. Wie z.B. der wegfallende StRomanteil der Uralt-KKw's ersetz werden soll, die früher als das EG vorsieht vom Netz gehen werden aus Unrentabilität, oder sollen wir etwa diese bis zum Gehtnichtmehr subventionieren. Auch bei den 75% fossiler Energie muss gespart werden, auch wenn das Swissoil-Rösti nicht ins Konzept passt. Sparen, effizient nutzen und Alternativenergien nutzen ist die Lösung. An dem kommen wir nicht vorbei!

    • Xsasan am 10.05.2017 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Orlando P

      Es ist mir ebenfalls schleierhaft, warum soviele Wähler blindlings wie Lemminge der SVP folgen, anstatt selbst mal nachzudenken. Hallo, das AKW Mühleberg geht 2019 definitiv vom Netz und wird stillgelegt! In zwei Jahren bauen wir kein neues AKW, dafür braucht es 20 Jahre, und Kosten in Milliardenhöhe. Da kämen wir selbst mit den überrissenen 3200.- noch gut weg! Die SVP muss einerseits die Interesse ihrer Lobbyvertreter sichern (bestes Beispiel Swissoil Rösti), und andererseits sind sie nach dem USR III Debakel mal wieder auf einen Abstimmungssieg aus. Und bei der ES haben sie das Gefühl, mit billiger Lügenkampagne genug Dreck aufzuwirbeln um genügend Wähler zu verunsichern (kalt duschen, Berge voller Windkraftwerke - selten dämlich!!!), um die Abstimmung zu gewinnen und sich wieder als "Volks"partei auf der Siegerseite zu feiern.

    einklappen einklappen