Auf Trottoir von Auto erfasst

14. August 2017 05:47; Akt: 14.08.2017 08:40 Print

Bub (4) getötet – wie gefährlich sind Laufräder?

Ein Vierjähriger auf einem Laufrad wurde von einer Autofahrerin übersehen und tödlich verletzt. Fachstellen raten zwar von dem Spielgerät nicht ab, mahnen aber zur Vorsicht.

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Eine Autofahrerin übersah am Samstag, 12. August 2017 einen vierjährigen Jungen, der mit einem Laufrad auf dem Trottoir unterwegs war. Das Kind wurde so schwer verletzt, dass es noch an der Unfallstelle starb. Zu einem tödlichen Unfall kam es bereits am 20. September 2013 in Bischofszell TG: Ein zweijähriger Laufradfahrer geriet vom Trottoir auf die Strasse und wurde von einem Lastwagen erfasst. In Uster ZH prallte im März 2010 ein zweieinhalbjähriges Mädchen auf einem Laufrad in einen Lieferwagen. Das Kind erlitt schwere Kopfverletzungen. Laufräder gelten im Gesetz als «fahrzeugähnliche Geräte». Diese dürfen auf allen für Fussgänger bestimmten Verkehrsflächen, auf Velowegen, Nebenstrassen ohne Radweg oder Trottori sowie in Begegnungs- und Tempo-30-Zonen benützt werden. In dieselbe Kategorie gehören auch Rollbretter, Kickboards, Inline-Skates und Kinderfahrräder. Fahrzeugähnliche Spielgeräte machen kleinen Kindern meist grossen Spass. Beim Laufrad müssen Eltern ganz besonders aufpassen. Die Kinder haben zwar oft schon die Fähigkeit, sich damit schnell fortzubewegen, ihre Reaktionsfähigkeit ist aber noch nicht gut genug. Je kleiner das Kind, desto grösser ist die Gefahr, dass es mit dem Dreirad oder Laufrad stürzt und sich eine schwere Kopfverletzung zuzieht. Dies hängt auch mit dem im Verhältnis zum Körper relativ grossen Kopf zusammen. Eltern sollten ihre kleinen Kinder auf solchen Spielgeräten darum nie unbeaufsichtigt lassen, sondern einen «sicheren Rahmen» stecken.

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Die Tragödie passierte am Samstagnachmittag. Ein Vater war mit seinen drei kleinen Kindern auf einem Trottoir in Jona SG unterwegs, der vierjährige Sohn fuhr auf einem Laufrad. Eine Autofahrerin (44) übersah den Jungen, als sie aus einem Parkplatz auf die Strasse wollte, und überfuhr das Kind. Trotz sofortiger Erster Hilfe erlag es noch am Unfallort seinen Verletzungen.

Zu schweren Unfällen von Kindern mit Laufrädern kommt es in der Schweiz immer wieder. Im Februar 2015 musste ein Zweijähriger mit der Rega ins Spital geflogen werden, weil er in Frutigen BE von einem Auto angefahren worden war. Im September 2013 kam in Bischofszell TG ein zweijähriger Laufradfahrer ums Leben. Er war vom Trottoir auf die Strasse geraten – in jenem Moment fuhr ein Lastwagen heran, der ihn überrollte.

Dort erlaubt, wo Fussgänger unterwegs sind

Mit Laufrädern auf Trottoirs herumzufahren, ist erlaubt. Weder gibt es dazu ein gesetzliches Mindestalter, noch ist dafür explizit die Begleitung durch Erwachsene vorgeschrieben. Das Gefährt fällt wie etwa auch Kickboards, Inline-Skates oder Skateboards unter die Kategorie «fahrzeugähnliche Geräte». Diese dürfen auf allen Flächen benutzt werden, die für Fussgänger bestimmt sind. Verwenden darf man sie auch auf Velowegen, auf der Fahrbahn von Begegnungs- und Tempo-30-Zonen und auf allen Nebenstrassen, die weder über ein Trottoir noch einen Radweg verfügen.

«Was ein Kind darf, müssen die Eltern entscheiden»

Ein Leitfaden für Eltern, den der Verkehrsclub der Schweiz und Pro Velo Schweiz gemeinsam erarbeitet haben, weist jedoch darauf hin, dass nicht alles, was erlaubt ist, auch gefahrlos sei. «Was ein Kind wo darf, müssen letztlich die Eltern von Fall zu Fall entscheiden.»

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung schildert in ihrem Ratgeber zum Laufrad die Vorteile, die die Verwendung dieses Geräts für die Entwicklung des Kindes hat: «Es bietet schon kleinen Kindern die Möglichkeit, das Fahren auf zwei Rädern zu üben.» Dabei würden sie spielerisch Koordination, Voraussicht und Geschicklichkeit schulen. «Beim Umstieg aufs Velo benötigen Kinder dann keine Stützräder mehr.»

Gefahr der Überforderung

Es bestehe jedoch die Gefahr, dass die Geschwindigkeit, die sie mit einem Laufrad erreichen, die Kinder überfordert. Eltern müssen daher einige Regeln beachten, um die Risiken zu minimieren (siehe Boxen). Besonders wichtig: Nicht erst auf dem Velo, sondern auch auf dem Laufrad sollten Kinder einen Helm tragen.

(lüs)