Zu viel Aufregung

05. März 2017 17:18; Akt: 05.03.2017 17:18 Print

Schulen sperren Eltern aus Prüfungszimmern

Zürcher Gymnasien haben Kiss-&-Go-Zonen eingerichtet. Diese sollen verhindern, dass Mütter und Väter die Aufnahmetests stören.

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Die Kandidaten sollen konzentriert arbeiten können: An Zürcher Gymnasium haben Eltern keinen Zutritt mehr zu den Prüfungszimmern. (Bild: Keystone/AP/Felix Kaestle)

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Eine Examensaufseherin musste sich durch Trauben aufgeregter Eltern zwängen. Die Eltern hätten ihre Kinder bis zur Tür des Schulzimmers begleitet. «Den Zutritt ins Prüfungszimmer musste ich mir regelrecht erkämpfen», sagt die Lehrerin. Andere Eltern verfolgten ihre Sprösslinge bis ins Prüfungszimmer, schossen Erinnerungsfotos oder drückten ihren Kindern einen Glücksbringer in die Hand.

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Aufgeregte Eltern machten den Tag der Aufnahmeprüfungen ins Gymnasium im letzten Jahr für die Schulen zur Herausforderung, wie die Beispiele der Sonntagszeitung zeigen. Morgen, wenn im Kanton Zürich wieder Hunderte Schüler zur Gymi-Prüfung antreten, werden für Eltern laut der Zeitung deshalb sogenannte Kiss-&-Go-Zonen eingerichtet.

Prüfungsetagen sind tabu

«Begleitpersonen dürfen nur noch bis in die Eingangshalle kommen», sagt Philipp Wettstein, Prorektor des Zürcher Real- und Literaturgymnasiums Rämibühl. Die Prüfungsetagen seien für Begleitpersonen gesperrt. «Zu den kritischen Zeiten wird Personal vom Hausdienst, vom Lehrerkollegium und der Schulleitung anwesend sein und kontrollieren, dass sich alle daran halten.» Laut Wettstein können sich die Eltern während der Prüfung in der Mensa installieren und nachher ihr Kind wieder in der Eingangshalle abholen.

Auch andere Kantonsschulen haben Massnahmen ergriffen. Ein Einladungsbrief der Kantonsschule Rychenberg informiert die Eltern, dass sie ihren Nachwuchs nicht bis ins Prüfungszimmer begleiten dürfen. Laut Rektor Christian Sommer geschieht dies «im Interesse eines ruhigen und reibungslosen Prüfungsbetriebs.» Hinweistafeln an den Treppenaufgängen machen zudem darauf aufmerksam, dass Begleitpersonen die Prüfungsstockwerke nicht betreten dürfen. An der Kantonsschule Zürich-Nord gilt dieselbe Regel.

«Wir kontrollieren in den Gängen»

Wer seinen Sprössling an die Prüfung an der Kantonsschule Wiedikon und Küsnacht begleitet, wird bereits beim Schulhauseingang gestoppt. Laut Christian Grütter, Rektor der Kantonsschule Küsnacht, weist eine Beschilderung daraufhin, dass sich die Eltern vor dem Gebäude verabschieden müssen. «Wir zirkulieren zu Beginn der Prüfung in den Gängen und Zimmern, um das zu kontrollieren.»

In Zürich ist der Andrang auf die Mittelschulen besonders gross. An den Aufnahmeprüfungen wird deshalb stark gesiebt. Das Problem mit Eltern, die vor lauter Sorge wie Helikopter um ihre Kinder kreisen, ist an den Aufnahmeprüfungen zu den Gymnasien in anderen Kantonen kaum bekannt. Ebenfalls durch Aufnahmeprüfungen geregelt ist der Übertritt ans Gymnasium in den Kantonen Appenzell, Glarus, Graubünden, Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Schwyz und Solothurn.

Klage wegen Aufregung

2010 zogen Eltern aus Zürich, deren Tochter bei der Aufnahmeprüfung durchfiel, bis vor Bundesgericht. Geltend machten sie «äussere Prüfungsumstände»: Es habe eine «nervöse, aufgeregte Atmosphäre» geherrscht, weil sich Eltern Zutritt zum Prüfungszimmer verschafft hätten.

Jürg Frick, Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Zürich, sagt, dass Eltern, die ihre wohlbehüteten Geschöpfe bis ins Prüfungszimmer begleiten, es zwar gut meinten. «Aber sie vermitteln ihrem Kind damit, dass es überall Unterstützung braucht.»

(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carmelita23 am 05.03.2017 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    tragisch

    also das ist doch peindlich sorry... meine tochter findet den weg alleine dahin, sonst wäre sie wohl nicht reif fürs gymi ;)

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  • Dr.Kern am 05.03.2017 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn

    Das ist ein scherz oder? Die armen Schüler. Liebe Eltern lasst eure Kinder alleine in die Schule gehen die schaffen das!

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  • Acuaria am 05.03.2017 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    abnormal

    Echt jetzt? Wollen das die Schüler oder die Eltern? Ich bin noch nicht steinalt und hatte es nie erlebt, dass irgendwelche Eltern ihre grossen Kinder bis oder ins Zimmer begleitet haben. Nicht mehr normal, dass so was von der Schule verboten werden muss. Diese Kinder sind alt genug und brauchen keine nervösen Eltern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Susanne D. am 06.03.2017 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch...

    ... im Artikel steht aber nirgends, wie die Eltern noch mit Töpfchen und WC-Papier im Schulzimmer sind, um ihren Sprösslingen den Hintern zu wischen? Oder ist das ein Tabu-Thema? Hmmm....

  • Zimmer 99 am 06.03.2017 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Hört mit den Vergleichen auf

    Auch wenn Kinder heute reifer aussehen ,hat es noch lange nicht zu bedeuten dass sie auch emotional reifer sind . Nichtsdestotrotz, ich finde es nicht gut, dass Eltern bis vor die Türe mitgehen .

  • Res Brügger am 06.03.2017 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Absurde Unarten

    Verhätschelte, unselbständige Kinder sollen also mal an die UNI und später Kaderstellen besetzen. Helikopter-Eltern tun ihren Kinder auf perfide Weise auch Gewalt an. Sie nehmen ihnen Freiheit und Ausprobieren von Selbständigkeit. Es sind kleine und letztlich doch unsichere Egoisten. In die Schule usw fahren ist ebenfalls verwerflich.

  • Andrea am 06.03.2017 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Entfremdung der Familie

    Was hier als "übervorsorglich" gilt, ist in anderen Ländern ganz normal. Es ist normal, dass man als Familie alles miteinander macht und zwar ein Leben lang. Es bedeutet dass man nie alleine sein muss. Keine Ahnung wie wir auf die blöde Idee gekommen sind das sich Kinder von ihren Eltern "ablösen" müssen. Kein Wunder haben wir soviele Altersheime voller einsamer alter Menschen, wenn wir verlernt haben was FAMILIE bedeutet. Einfach nur traurig.

    • Knaller am 06.03.2017 11:45 Report Diesen Beitrag melden

      @andrea

      Vielleicht weil sich unsere Kultur die Selbständigkeit und Eigenverantwortung hoch hält! Der Artikel zeigt klar die Verweichlichung!

    • mamelipapeli am 06.03.2017 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andrea

      der war gut, danke für den Lacher!!

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  • Zucker am 06.03.2017 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    whatelse

    Meine Mama hat mir (28) gestern auf Backpapier eine Karte gezeichnet, auf welcher das X den Raum für meine Diplomprüfungen markiert. Papa löst mir gleich die Zugfahrkarte. Hoffentlich schreibt noch jemand meine Prüfung :)

    • Nintendo Wax am 06.03.2017 19:06 Report Diesen Beitrag melden

      Zuckerlein

      Ja, und wenn du alt bist, wird sicher jemand da für dich sein, der für dich kaut und dann auch isst....

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