Hoffnungsbarometer

28. Dezember 2015 05:45; Akt: 28.12.2015 11:25 Print

«Die Angst vor dem Jihadismus ist real»

von R. Landolt - Je mehr es rundherum tobt, desto stärker ziehen sich die Schweizer ins Private zurück. Das zeigt eine Umfrage.

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Polizisten der Kantonspolizei Zürich patrouillieren am 15. November 2015 im Hauptbahnhof Zürich. (Bild: Keystone/Pascal Mora)

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Trotz «Gaga-Wahlkampf» und zäher Verhandlungen mit der EU: Die Schweizer setzen dieses Jahr nach einem längeren Abwärtstrend erstmals wieder mehr Hoffnungen in die Politik. Das zeigt das Hoffnungsbarometer 2016 der Vereinigung für Zukunftsforschung Swissfuture. Gleichzeitig sind die Hoffnungen in die Wirtschaft gesunken. «Dieses Wechselspiel ist normal», sagt Swissfuture-Co-Präsident Andreas M. Walker. Wenn es der Wirtschaft schlecht gehe, müsse es die Politik richten.

Walker glaubt, dass der Wahlsieg der SVP im Herbst der Ausdruck der Hoffnung vieler Leute auf mehr Beständigkeit ist. «Es soll bleiben, wie es ist, denken sich viele.» Die FDP als Wirtschafts- sowie die SP und die Grünen als Weltverbesserer-Parteien hätten das Nachsehen.

Rückzug ins traute Heim

Auch im Privatleben zeige sich, dass sich die Schweizer gegenwärtig in die eigenen vier Wände zurückzögen. Am allermeisten wünschen sich die knapp 10'000 Umfrageteilnehmer eine «glückliche Ehe, Familie und Partnerschaft», «persönliche Gesundheit», «gute Beziehungen» und «Harmonie im Leben». Damit diese Hoffnungen erfüllt werden, setzt man primär auf sich selbst: «Die Bedeutung der Eigenverantwortung steigt kontinuierlich», so Walker.

«Das Beschauliche, das Überschaubare und die Gemütlichkeit stehen wieder hoch im Kurs», fasst Walker zusammen. Er nennt die Zeit, in der wir uns befinden, «Neo-Biedermeier». Wie in der Biedermeier-Epoche vor 200 Jahren besinne man sich wieder auf das eigene Heim – und löse sich damit von romantischen und idealistischen Vorstellungen.

Geld unwichtig

«My home is my castle», laute die Grundstimmung dementsprechend. Dazu passe auch, dass sich die Befragten «mehr Sicherheit im persönlichen Umfeld» erhofften. Die Anschläge in Paris Anfang und Ende 2015 hätten wohl zum Ergebnis beigetragen, sagt Walker: «Die Angst vor dem Terror, dem Jihadismus ist real geworden.»

Auch wirtschaftlich machen die Schweizer derzeit keine grossen Sprünge: «Wir haben keine Gründerbewegung, keine Welle neuer Unternehmen», sagt Walker. Weiter machten die Schweizer das private Glück offenbar nicht von materiellen Faktoren abhängig: Eine «sinnvolle und zufriedenstellende Aufgabe» ist den Teilnehmern wichtiger als ein «sicherer Arbeitsplatz» und «Erfolg». «Mehr Geld» liegt sogar abgeschlagen auf Rang 16 von 17.

An der Online-Befragung von Swissfuture haben im November 25'963 Personen teilgenommen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gruss aus Bern am 28.12.2015 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    Politikversagen

    «Die Bedeutung der Eigenverantwortung steigt kontinuierlich», so Walker. Und wie passt das zum Titel des Artikels, wonach die Schweizer angeblich "auf die Hilfe der Politik" vertrauen? Das Gegenteil ist der Fall: von Seiten der Politik, die auf der ganzen Linie versagt hat, erwarten immer weniger Menschen echte Problemlösungen, daher der Rückzug ins Private.

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  • oja am 28.12.2015 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zufriedenheit wünscht sich jeder

    da hat man wohl nur die oberen schichten, gut betuchten befragt! die leute die ich kenne und das sind sehr viele denen geht es nicht so...ohne job und natürlich ohne geld!

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  • C.S. am 28.12.2015 06:06 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenruhm stinkt!

    Was für ein Witz! Der Verlass auf die heutige Politik ist wirklich an der untersten Schwelle. Schuld tragen die lobbygesteuerten Politiker/innen, welche ihre Interessen an erster Stelle vertreten! Die Parteien selbst tragen nicht selten die Mitschuld! SVP und FDP vertreten Lobyismus am stärksten! Eines Tages dürften innere Unruhen die Antwort auf die eigensinnige und lobbygesteuerte Politik sein! "Die Politiker/innen sollten ihren Tag nicht vor dem Abend loben!"

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Babydragon am 28.12.2015 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krieg für nichts

    Ist ein extrem heikles Thema meine Meinung dazu ist Mensch sollte Mensch sein egal welche Religion oder Herkunft leider wird das nie der Fall sein es wird immer ein Glaubens Krieg geben der nie endet meiner Meinung nach sollte es auf der ganze Welt keine Religion geben Dan wãre diese schreckliche Glaubens Krieg auch kein tehma Dan würde die Gewalt extrem rapide sinken ist nur meine Meinung nur so am Rande ich glaube an nichts ich lasse alle Menschen leben und lebe mein Leben so wie es kommt

  • Fred am 28.12.2015 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsequent sein

    Und je mehr noch kommen, um so weniger Privatraum haben wir noch. Ich bin für Hilfe und Unterstützung. Ich bin auch für Beendigung einer Hilfe und die entsprechende Abschiebung, damit ein neuer Platz hat. Immer noch mehr kann nicht die Zukunft eines finanzierbaren Lebens sein.

  • Li am 28.12.2015 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunftvorschung

    Leider hab ich sehr wenig über die Verein Swiss future gefunden. Die Beiträge von 30.- bis 280.- CHF können die Aktivitäte nicht tragen, wer finanziert die unabhängige Vorschungen.?

  • Realist am 28.12.2015 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Staat und Politiker

    werden von denen am meisten kritisiert, die von Staat und Politikern am meisten erwarten, dass man sich um sie kümmert, wenns mal nicht so gut läuft.

  • DenktWeiter2016 am 28.12.2015 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Innere Sicherheit ...

    Europas wurde leichtsinnig aufs Spiel gesetzt. Die Folgen? Darf das Volk Europas tragen. Das auf mehreren Ebenen. "Wir haben lediglich zehn Prozent der Flüchtlinge kontrolliert", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Jörg Radek. Dieser Satz sagt schon alles! Wir haben nicht genügend Sicherheitskräfte die darauf vorbereitet sind. Danke Politik, was sich da im Untergrund zusammenbraut kriegt ihr nicht mehr in den Griff! Euer verschulden!

    • creole am 28.12.2015 11:44 Report Diesen Beitrag melden

      @DenktWeiter2016

      ich gebe Ihnen recht, aber ich würde sagen die innere Sicherheit Europas wurde WAHNSINNIGERWEISE aufs Spiel gesetzt. Ich habe eine unglaubliche und ohnmächtige Stinkwut auf die Politiker die dies zugelassen haben, aber denen ist es vermutlich komplett egal.

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