Konsumentenschützer

01. Juli 2015 21:33; Akt: 02.07.2015 00:35 Print

«Der Lohn des SBB-Chefs muss überprüft werden»

Der Lohn von SBB-CEO Andreas Meyer knackt die Millionengrenze. Konsumentenschützer finden den Lohn «unanständig». Andere finden, er mache einen guten Job.

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Sein Lohn knackte 2014 die Millionengrenze: SBB-CEO Andreas Meyer. (Bild: Keystone/urs Flueeler)

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SBB-Chef Andreas Meyer schwingt im Vergleich der bundesnahen Unternehmen lohnmässig deutlich obenaus: Meyer verdiente im vergangenen Jahr 1,072 Millionen Franken – rund 14 Prozent mehr als im Jahr davor, als der Lohn des 54-Jährigen noch 943'698 Franken betragen hatte.

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Im Kaderlohnreport des Bundes wird die Steigerung mit der «besseren Konzernzielerreichung» begründet. In allen Bereichen seien Verbesserungen erzielt worden, «insbesondere bei der Sicherheit, der Personalmotivation und der ökologischen Nachhaltigkeit».

«Höherer Lohn trotz steigender Ticketpreise»

Die höheren Bezüge stossen vielen 20-Minuten-Lesern sauer auf. 91 Prozent von über 4000 Teilnehmer finden den Lohn viel zu hoch. Auch Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz reagiert mit Kopfschütteln auf die höheren Bezüge: «Während die Passagiere für die Billetts immer mehr bezahlen sollen, steigt der Lohn um knapp 130'000 Franken. Das ist das absolut falsche Signal und verärgert die Kunden.» Die Löhne gewisser bundesnaher Betriebe hätten «schwindelerregende Höhen» erreicht, die «unanständig» seien und sich nicht mehr mit Leistung rechtfertigen liessen. «Herr Meyer ist schon fast ein kleiner Daniel Vasella.»

Stalder spricht sich dafür aus, dass die Löhne der Chefs von SBB, Post oder Ruag vertieft überprüft würden, wenn sie 500'000 Franken überschreiten. Die zuständigen Departemente müssten in diesem Fall ihre Kontrollfunktion wahrnehmen und dafür sorgen, dass die Löhne nicht weiter aus dem Ruder liefen.

Kritisch ist auch die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Sprecher Peter Moor-Trevisan sagt: «Der Lohn ist mehr als grosszügig.» Er kritisiert, dass es bei der Basis im Gegensatz zum Chef nicht honoriert werde, wenn die SBB die Ziele erreichen.

«Meyer macht einen guten Job»

Rückendeckung erhält Meyer dagegen vom Verein Pro Bahn, der die Kunden vertritt. «Der SBB-CEO hat einen Vertrag abgeschlossen. Werden die vorgegebenen Ziele erreicht, hat Andreas Meyer Anspruch auf den Lohn», sagt Präsident Kurt Schreiber. Meyer mache insgesamt einen guten Job und gehe auf Kundenbedürfnisse ein.

Die variablen Lohnbestandteile seien allerdings zu hoch. «Der Lohn zeigt, dass das Bonus-System in der Schweiz überhandgenommen hat.» Doch selbst wenn der Lohn des SBB-Chefs auf 700'000 Franken – so viel verdiente ungefähr Meyers Vorgänger Benedikt Weibel – gekürzt würde, habe dies keinen Einfluss auf die Billettpreise: «Das ist ein Tropfen auf den heissen Stein.»

Die SBB verweisen darauf, dass der Lohn schon im Geschäftsbericht im März kommuniziert wurde. Über die Lohnhöhe entscheide letzlich der Bund, sagt ein Sprecher. Gemäss Uvek-Informationschef Dominique Bugnon sind das Bundespersonalgesetz und die Kaderlohnverordnung massgebend. Die Entlöhnung richtet sich nach verschiedenen Kriterien wie dem Umsatz des Unternehmens oder dem Personalbestand. Werden die Ziele wie bei den SBB im letzten Jahr erreicht, steigt die Entschädigung.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • voilà am 01.07.2015 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gehts noch?

    die rede ist von zu tiefen löhnen bei lockführern, stetiger anstieg der billettpreisen für ÖV, Billag und ddr ganze quatsch und dann erhöht man mal schnell den lohn um 10 satte prozent.. säg emol spinnts euch?!?

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  • Ruedi am 01.07.2015 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    tja....

    Dank der Zuwanderung spült es jetzt noch ein paar Milliönchen via TV-Gebühren in die Kasse ohne irgendeine Leistung dafür zu erbringen. Da kann man dann schon mal eine schlappe Lohnerhöhung von Fr. 70'000.-- durchwinken....Es ist und bleibt einfach ein S-Laden. Und 'S' steht nicht für 'Super'

  • A.Vogel am 01.07.2015 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade!

    Ich bin selber Teamleiter eines Teams der SBB. Wir haben und müssen extrem sparen und jeder Kranke Mitarbeiter stellt uns von grosse Probleme. Weil keine Reserve mehr vorhanden ist. Dies spüren die Kunden mit Zugausfällen und Verspätungen. Wie soll ich meinen Mitarbeiter diesen Lohn von unserem CEO erklären und auf der anderen Seite auf Einverständnis hoffen? An der Front wird gespart und im obersten Kader aus dem vollen geschöpft. Danach fragt man sich, wieso die Personalzufrirdenheit nicht im grünen Bereich liegt. Schade!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • JKH am 03.07.2015 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer arbeitet am besten?

    Stellwerkstörungen, wohin man schaut. Ständig Zugverspätungen, wegen techn. Problemen. Und der Chef von diesem Betrieb lies seinen ehemaligen Betrieb in einem Chaos zurück. Arbeiten in der Schweiz heutzutage Supermanager so und erhalten dafür reichliche Boni? Und die vielen Mitarbeiter, die sich krank krampfen? Haben die nichts geleistet, weshalb sie keinen Bonus erhalten?

  • marion am 03.07.2015 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Millionär

    Auch der Vorstand der DB hat die Milliönchen jedes Jahr auf dem Konto,also seit ihr Schweizer mit den SBB nicht alleine. Nur die Leistung der DB ist noch schlechter als die der SBB.

  • M. S. am 03.07.2015 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocken

    Eine absolute Frechheit. Gleichzeitig wird den ehemaligen Angestellten die in Rente sind u. als kleinenBonus bis jetzt das GA etwas günstiger erwerben konnten mitgeteilt, dass ab 2016 die Differenz zum effektiven Abopreis versteuert werden muss. Man(n) findet doch immer wieder einen Weg wie man den Normalbürger abhocken kann.

    • wwo am 03.07.2015 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Versteuerung

      In anderen Ländern müssen die Billette schon seit Jahren vesteuert werden.Man hat einen Freibetrag, alles was drübergeht wird versteuert.

    • Binggeli Ruedi am 07.07.2015 19:01 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte Objektiv!

      Herr/Frau M.S. Die SBB kann nun nichts dafür, dass Sie ihr GA-FVP versteuern müssen. Das haben die Kantonalen Steuerdirektoren so entschieden. Wie gesagt: Sagen Sie danke den Steuerbehörden!

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  • Dmir am 03.07.2015 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschädigung - Entschädigung

    Andreas Meyer erhält 130000.- Entschädigung? Ist er denn zuvor beschädigt worden oder sonst wie beschädigt gewesen?

  • cleo am 03.07.2015 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    SBB Lohn

    Die Ticketpreise steigen immer? Warum nicht Löhne anpassen, statt Ticketpreise.