Gesundheit

29. Oktober 2017 20:49; Akt: 30.10.2017 09:50 Print

Zürcher sind besonders häufig depressiv

Im Kanton Zürich ist ein fünfmal höherer Anteil der Bevölkerung depressiv als in Uri. Woran das liegt, ist umstritten. Auch Westschweizer leiden häufiger.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In der Deutschschweiz leiden 5,5 Prozent der Bevölkerung an depressiven Symptomen. Das zeigen Daten der neusten Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Gesundheit, über die «Le Matin Dimanche» berichtet.

Der Deutschschweizer Kanton mit dem höchsten Anteil ist Zürich mit 6,2 Prozent. Auch im Kanton Schwyz (6,1 %) und Aargau (5,8 %) sind überdurchschnittlich viele depressiv, während der Anteil in Uri (1,6 %) und Appenzell-Ausserrhoden (2,4 %) am tiefsten ist.

Städte sind schlecht für die Gesundheit

Wie die Zeitung schreibt, gibt es in Sachen Depression einen echten Röstigraben. In den Westschweizer Kantonen zeigen fast 9 Prozent der Bevölkerung depressive Symptome, im Tessin sind es sogar 9,4 Prozent. Weshalb das so ist, ist nicht restlos geklärt. Es gibt mehrere Erklärungsansätze.

So leiden Menschen in städtischen Regionen häufiger an depressiven Symptomen. Das liegt an der Einsamkeit, der Anonymität und dem Stress. Die Bevölkerungsstruktur der Westschweiz sei urbaner als jene der Deutschschweiz, sagt Psychiatrie-Professor Martin Preisig zu «Le Matin Dimanche». Mehr Bewohner lebten dort in Städten.

Westschweizer reden über Gefühle

Ein weiterer Grund könnte die Mentalität sein. Frankophone neigten eher dazu, zu ihren Gefühlen zu stehen und diese auszudrücken, so Preisig. Sie nähmen zudem ihre Emotionen besser wahr. In der konservativeren Deutschschweiz hingegen konzentrierten sich Patienten und Ärzte häufiger auf biologische Ursachen und behandelten Symptome häufiger mit Medikamenten.

Auch Stress, der Depressionen begünstigt, könnte ein erklärender Faktor sein. Im Tessin und in der französisch sprechenden Schweiz gebe es eine höhere Arbeitslosigkeit, mehr Singles und eine höhere Scheidungsrate. All dies führe zu Stress, sagt Erich Seifritz, Chefarzt der psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, dem Sonntagsblatt.

Zudem suchten die Westschweizer häufiger Spezialisten auf und die Konzentration von Psychiatern sei dort höher, sagt Seifritz. In der Deutschschweiz sei zudem das Tabu, das die Krankheit umgebe, höher. So könne es auch sein, dass in den Deutschschweizer Kantonen viele Depressionen unerkannt und Patienten unbehandelt blieben.

(ehs)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andrea am 29.10.2017 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn wunderts...

    Hektik, Stress, Lärm, HF Belastung (Mobile, WLAN) - da muss sich niemand wundern...

    einklappen einklappen
  • Mario Oiram am 29.10.2017 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    J.D

    Themen wie die SBB-Billettpreise oder die Billag sind auch wirklich Depressionsfördernd. Und der wilde Koreaner machts auch nicht besser.

    einklappen einklappen
  • Andrea am 29.10.2017 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht glücklich

    Seit ich in Zürich arbeite und wohne, fühle ich mich gestresst. Die Anonymität und die Hektik machen mir sehr zu schaffen. Alles ist überfüllt, Züge, Strassen, Läden und Restaurants. Auf dem Land in der Ostschweiz hatte ich ganz klar mehr Lebensfreude.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • doris am 30.10.2017 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Depressionen Kt.Zürich

    nur Macht und Reichtum ( witschaftswachstum) für Menschen,welche am Existenzminimum leben müssen trotz Arbeit,ist das Alles schwer zu verkraften! die Banken regieren unsere Welt,die Schweiz war mal ein anderes Land.Wenn kein Geld zum Leben keine gute Gesundheitsvorsorge,vom vergiftetem Essen nicht zu schweigen,nur Provit ist unserer Politik wichtig,da muss man ja krank werden!

  • Lisa am 30.10.2017 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts

    Die ( zürischnorre) ist sicher mit ein Grund. Dieser Dialekt tönt so herzlos, kalt, abweisend, hart, grosspurig. Ich schäme mich selber dafür.

  • Empathie am 30.10.2017 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    der Mensch, das Individuum

    Schade, dass es soviele Menschen gibt die unter Depressionen leiden und es kein Patentrezept gibt. Nichtbetroffene verstehen es nicht. Unverstandensein ist ein weiteres Phänomen.. Der Mensch, das Individuum verlangt nach neuen Lösungen sich von den Netzen der Depressionen zu befreien.

  • StefanO am 30.10.2017 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist los mit Euch?

    Was mir als Aargauer, der jeden Kanton und dessen Einwohner mag, auffällt, ist wieviele negative Kommentare über Zürich fallen. Ich denke, die Wenigsten hier kennen Zürich wirklich gut noch kennen sie "die" Zürcher. Was ist Eure Motivation? Ist es Missgunst, Neid? Ich kann es mir nicht erklären... Seid doch glücklich mit dem was Ihr habt und lasst das Lästern!

    • Anna am 30.10.2017 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @StefanO

      Endlich mal die richtigen Worte. Es ist nicht zu verstehen, weshalb hier die Menschen so aufgebracht werden oder sind. Das hat mit Respekt gar nichts zu tun. Dumm nenne ich das. Danke für die wahren Worte !

    einklappen einklappen
  • Beobachter 73 am 30.10.2017 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stadt Menschen

    Besonders Stadt Menschen wenn sie umgeben sind von Beton und nicht mehr wissen wie ein Baum aussieht.