Revision der Fahrausbildung

26. Oktober 2017 10:34; Akt: 26.10.2017 14:40 Print

Das sollen Neulenker können – oder doch nicht?

Die geplante Revision der Fahrausbildung geht vielen Akteuren zu weit. Was an den Plänen des Bundes beanstandet wird.

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«Unfertiger Rundumschlag», «gefährliche Pseudovorschläge», «schwerwiegende Massnahmen»: Die vom Bundesrat vorgeschlagene grosse Revision der Fahrausbildung kommt nicht überall gut an. Viele Verbände pochen auf eine verschlankte Version.

Die Pläne des Bundes sind ambitioniert. Die 187 Seiten umfassende Vorlage setzt bei verschiedenen geltenden Verordnungen an. Es geht etwa um die künftige Praxis mit Nothilfekursen, Lernfahrausweisen und Fahrprüfungen. Der Bundesrat schaute bei der Ausarbeitung des Projekts auch ins angrenzende Ausland, und er will viele EU-Vorschriften übernehmen.

In der heute zu Ende gegangenen Vernehmlassung zeigt sich vor allem eines: Vorbehaltlos hinter alle Vorschläge stellt sich praktisch niemand. Dafür ist die Bandbreite der geplanten Änderungen zu gross.

Voreiliger Schritt

Den lautesten Widerstand gegen die Revision der Führerausweisvorschriften leistete in den vergangenen Wochen der Schweizerische Fahrlehrerverband. Dass der Bund nach wenigen Jahren die sogenannte Zweiphasenausbildung schon wieder anpassen will, sei unnötig und falsch, kritisiert er.

Die Schweiz erhalte für die Verkehrssicherheit von allen Seiten Bestnoten. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) solle deshalb mit klaren und begründeten punktuellen Vorschlägen kommen statt mit einem «unfertigen Rundumschlag».

Weniger statt mehr Sicherheit

Der im Entwurf vorgeschlagene Ersatz des zweiten Weiterbildungstages durch zwei Pflichtstunden beim Fahrlehrer sowie die vorgezogene Ausbildung ab 17 Jahren finden die Fahrlehrer gefährlich und folgenschwer: Sie prognostizieren «mehr Unfälle, mehr Verletzte und zunehmend wieder mehr Verkehrstote».

Die zweitägige Weiterbildung sei eine Chance, nachhaltig auf das Fahrverhalten von Neulenkern einzuwirken, schreibt der Verband. Zudem mache es keinen Sinn, rund 40'000 Junglenker mehr auf die Strassen zu lassen. Es gebe schon so genug Unfälle in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen.

Automat ist nicht Handschaltung

Weniger ist mehr - dieser Meinung ist auch der TCS, der grösste Mobilitätsclub der Schweiz. Er setzt aber andere Prioritäten als der Fahrlehrerverband. So unterstützt er beispielsweise die Halbierung der Weiterbildungszeit und die vorgezogene Fahrausbildung.

Er lehnt dafür drei andere vom Bundesrat vorgeschlagene Massnahmen ab: die obligatorischen Einzellektionen bei einem Fahrlehrer zum Bremsverhalten und zum ökologischen Fahren; die Mindestfahrpraxis von zwölf Monaten für unter 25-Jährige vor der Zulassung zur Fahrprüfung und die Erlaubnis, handgeschaltete Autos zu fahren, wenn die Fahrprüfung auf einem «Automaten» absolviert worden ist.

Pro und Kontra Nothilfekurse

Auch umstritten ist die geplante Streichung der Nothilfekurse. Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) wehrt sich vehement. Für das Überleben eines Menschen am Unfallort seien die Massnahmen in den ersten paar Minuten entscheidend, argumentiert er. Wenn auch nur ein einziger Mensch dadurch gerettet werden könne, dass jemand einen Nothilfekurs absolviert habe, dann sei es den Aufwand wert, finden auch die Fahrlehrer.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) pflichtet bei: Jedes Todesopfer im Strassenverkehr sei eines zu viel. «Deswegen ist es gut, wenn Autofahrende wissen, wie sie sich zu verhalten haben.»

Das Nothelfer-Obligatorium für die Fahrprüfung sei nicht mehr zeitgemäss, schreibt dagegen die Vereinigung der kantonalen Strassenverkehrsämter (asa). Das Erste-Hilfe-Wissen solle darum nicht mehr praktisch geübt werden, sondern eventuell noch Bestandteil der Theorieprüfung sein.

Bundesrat entscheidet

Definitiv über die Revision entscheiden wird nun der Bundesrat. Erst dann lässt sich dann auch der genaue finanzielle und personelle Aufwand für Bund, Kantone und Verkehrsexperten beziffern.

Teile der Vorlage, die mit wenig Umstellungsaufwand für die zuständigen Vollzugsstellen verbunden sind, sollen ab Mitte 2019 in Kraft treten. Die übrigen Elemente sollen gemäss Plänen des ASTRA ab Anfang 2020 in Kraft treten.

(woz/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc am 26.10.2017 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar sind die Fahrlehrer dagegen

    Weiterbildungskurse komplett abschaffen! Reine Geldmacherei... Ökologisch fahren lerne ich beim Fahrlehrer, wenn dann höchstens ein Schleuderkurs. Aber über 300 Franken pro Kurs sind zu viel, zumal man mit dem eigenen Auto kommen muss!

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  • Dino Schön am 26.10.2017 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ähnlich wie beim Waffengesetz

    Ähnlich wie beim Waffengesetz sollte man gewissen Bevölkerungsruppen den Zugang zu PS-Starken Autos erst ab einem Mindestalter erlauben oder grad ganz verbieten...

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  • Tobias am 26.10.2017 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es muss sich was ändern

    scheinbar hilf da nur noch eine ps begrenzung für neulenker. oder eine prüfung für ps starke autos. mal ehrlich wer braucht 400 ps um in der stadt rumzufahren?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mutterschiff am 29.10.2017 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Klein anfangen !!!

    Grosse, schnelle, PS-starke, prestigeträchtige, geleaste und schwere Autos sollten im ersten halben Jahr nach der Fahrprüfung tabu sein. Alle Autos mit Zielvorrichtung auf der Kühlerhaube sollten erst 1 Jahr nach der Fahrprüfung gefahren werden dürfen.

  • Rutiniert aber unkonzentriert am 26.10.2017 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auffrischen

    Ob ich 100Ps oder 500Ps zügeln muss spielt doch überhaupt keine rolle! Ja ich weiss was ich sage, habe ein Auto mit 580Ps und eines mit 160Ps. Man rast nicht desswegen, sondern es kommt auf den Fahrer an. Ich kann mit beiden Autos problemlos +200km/h fahren, mache das aber nicht... Sinnvoll wäre doch, Kurse einzuführen um die Verkehrsregeln für ältere Fahrer aufzufrischen. Viele Fahrer fahren wie vor 20 Jahren in Sachen Vortritt, blinken usw. Ich sehe kein Problem bei Neulenkern, da diese meistens vorsichtig fahren und die Verkehrsregeln gut kennen. Rutine bringt die Gefahr der "Sicherheit"!

    • Stimme zu am 26.10.2017 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rutiniert aber unkonzentriert

      Ich fahre seit 2 Jahren Auto und ich will nicht sagen dass ich keine Fehler mache oder dass ich besser fahre als Andere. Aber ich stimme dem zu. Oft nerfe ich mich daran dass 40-70 jährige einfach mal in oder aus dem Kreisel fahren, plötzlich abbremsen um abzubiegen ohne zu blinken oder am Handy hocken und bei grün erst losfahren wenn ich anfange zu hupen. Ich bin auch für Auffrischungskurse! Auch damit ich später nicht dran Schuld bin dass andere sich ab mir stöhren!

    • Pendler am 27.10.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rutiniert aber unkonzentriert

      Ich fahre seit 35 Jahren. Sehr viel beruflich. Noch nie im Leben einen Unfall verursacht . Mein jetziges Auto hat 340 PS. Ich würde es nie einem Neulenker zum fahren geben. Das Problem bei Neulenker ist dass sie weder Geschwindigkeit noch Abstand richtig und rechtzeitig abschätzen können. Es fehlt ihnen die nötige Erfahrung und sie überschätzen sich enorm. Deshalb Mehrheit der Unfälle wird durch Neulenker verursacht. Durch " Nicht beherrschen des Fahrzeugs" . Kürzlich wurde ich in einer rollenden Kollone auch von einen Neulenker von hinten angefahren. Er sagte er war " abgelenkt"..

    • Chnuuschti am 27.10.2017 07:08 Report Diesen Beitrag melden

      Regeln gestern und heute

      Die Regeln zu Vortritt und blinken sind die gleichen wievor 20 Jahren. Also ok, wenn auch so gefahren wird. Aber manchmal frage ich mich, ob die Blinkerregel überhaupt noch gilt.

    • Spaniel am 27.10.2017 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chnuuschti

      Richtig - die Frage ist Berechtigt! Gerade bei Panzerfahrenden jungen Helikoptermütter scheint der Blinker nicht zu funktionieren. Beobachtet man tagtäglich.

    • D.N. am 27.10.2017 15:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Spaniel

      Wie soll man denn blinken mit dem Natel in der Hand? Vielleicht sollte man da mal einen Kurs machen, wie man das alles zusammen auf die Reihe kriegt.

    • Walter Störchlin am 27.10.2017 21:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Chnuuschti

      da fehlt noch die "Vernunft vor Recht" Regel, die zwar in keinem Gesetzbuch steh! Aber bis Dato der Grund dafür ist, das Rund 2/3 der Unfälle durch rücksichtsvolle Verkehrsteilnehmern verhindert werden, die ab und an bremsen, auch wen sie den Vortritt hätten. Oder einem Sich blödsinnig verhaltenden Verkehrsverbrecher passieren lassen. Oder gar Suizid gefährdeten Radfahrer oder Fussgänger, durch aus üben einer Schnellbremsungen, mit längeren Leben bestrafen und von Schmerzen und Verstümmelungen schützen.

    • chluetteri am 31.10.2017 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rutiniert aber unkonzentriert

      Unkonzentriert sind diejenigen, die telefonieren, chaten usw., und das sind meistens nicht die Alten. Autofahren ist eine Charaktersache nichts anderes.

    • chluetteri am 31.10.2017 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @D.N.

      Ja und eine Hand permanent am Schalthebel.

    • chluetteri am 31.10.2017 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pendler

      Abgelenkt!, vom Handy. Das muss ja sicher ein 40 bis 70jähriger gewesen sein.

    • Stefan Rast am 18.11.2017 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stimme zu

      Sie haben keine Ahnung von Autofahren.Nach 2 Jahren.

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  • Bruce21 am 26.10.2017 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessenkonflikt

    Da geht es primär um das Einkommen der Fahrehrer

    • Bärner72 am 26.10.2017 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bruce21

      Und wie kommen Sie auf diese Idee? Nur ein Bruchteil der Fahrlehrer betreuen beispielsweise 2-Phasenkurse. Ich hätte nach den neusten Ideen nicht einen einzigen Franken mehr Umsatz (ist übrigens nicht das gleiche wie Gewinn)

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  • hotchili am 26.10.2017 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    driver

    Prüft doch auch mal die Fähigkeiten der langjährigen Fahrer. Da ist extrem viel auf der Strasse, wo nicht dahin gehört. Nur schon die Frage wo der Tempomat ist, überfordert wohl die meisten. Ob das in der Fahrschule auch vorkommt? Grundlegende Reaktion ist gefragt im Verkehr. Angst herrscht auf der Strasse.

    • chluetteri am 26.10.2017 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @hotchili

      Ja. Angst vor "Möchtegern-Drivers", die in den Ferien mit "ihren" geleasten und getunten BMW's, AUDI's usw. gross angeben.

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  • slowy am 26.10.2017 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Nothelfer

    Das Abschaffen des Nothelferkurses ist wohl der grösste Schwachsinn, ich hätte eher die Qualität massiv erhöht und auch sichergestellt. Die "Erste Hilfe" ist die wichtigste, weil es einfach dauert, bis der Profi erscheint. Meeensch wenn ich mal nen Herzinfarkt habe und keiner eine Ahnung hat wie man eine 'Herz-Lungen-Wiederbeleung' macht - dann bin ich tot bevor der Rettungssanitäter kommt. Gleiches gilt für das Stoppen einer Blutung. Sowas lernt man nicht mit einem Multiple Choice Test.

    • Jodelio am 26.10.2017 18:24 Report Diesen Beitrag melden

      Nothilfe

      @slowly Anschaffen ist schwachsinn. Jedoch sollte die erste Hilfe als Pflichgfach in den Schulen gelernt werden! Treffen kann es jeden und nicht nur Autofahrer. Aber leider haben ja die Lehrer ohnehon schon "zu viel" zu tun.....

    • Spaniel am 27.10.2017 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jodelio

      Ihre Idee unterstütze ich voll und ganz. Man müsste in der Schulzeit die Zeit dafür freischaufeln und Fachkräfte für diese Stunden einsetzen. Das Thema kommt nämlich bei Jugendlichen recht gut an - und alle würden dabei geschult. Nicht nur spätere Autofahrer.

    • Beeker am 29.10.2017 21:35 Report Diesen Beitrag melden

      Stva

      ...da will sich wohl das Strassenverkehrsamt etwas dazu verdienen, wenn solches Wissen dann ev. in der Theorieprüfung abgefragt wird: mehr Fragen = grössere Möglichkeit durchzufallen sprich man muss sich wieder neu anzumelden und zahlen.

    • chluetteri am 31.10.2017 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @slowy

      Organisation ist ALLES Plane deinen Herzinfarkt zu hause oder am Arbeitsplatz. Wenn du Herzprobleme hast, solltest du nicht Auto fahren und die andern gefährden.

    • chluetteri am 31.10.2017 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jodelio

      Wer redet denn hier von "Anschaffen"? Nothelferunterricht in der Schule? Steuergelder sind nicht dazu da, zukünftige Autofahrer auszubilden.

    • chluetteri am 31.10.2017 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beeker

      Wenn man genug lernt, reicht eine Anmeldung.

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