Extremismus

08. November 2017 05:41; Akt: 08.11.2017 08:21 Print

«Terror-Verhaftungen werden sich häufen»

von D. Krähenbühl/ N. Thelitz - Erneut wurde in der Schweiz jemand festgenommen, der Anschläge in Europa geplant hatte. Ein bald alltägliches Szenario?

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Bei einem koordinierten Einsatz der französischen und Schweizer Behörden wurden zehn Islamisten verhaftet, darunter eine Kolumbianerin in der Romandie und ein Schweizer in Frankreich. Im Tetra-Bericht des Bundes vom April 2017, der konkrete Massnahmen zur Bekämpfung von jihadistisch motiviertem Terrorismus aufzeigt, heisst es: «Die Schweiz kann von Jihadisten auch als logistische Basis für die Vorbereitung von Anschlägen im Ausland oder als Durchreiseland benutzt werden.» Dass man bei fast jedem europäischen Terroranschlag in den letzten fünf Jahren eine Verbindungen zur Schweiz herstellen kann, habe mit der geografischen Lage der Schweiz und den europaweit gespannten islamistischen Netzwerken zu tun, sagt Alexandre Vautravers, Sicherheitsexperte und Leiter des neuen Masters an der Uni Genf. So befinde sich eine wichtige Drehscheibe des Islamismus in Südfrankreich, eine andere in Nordeuropa. «Die ganze Organisation ist aber sehr mobil und dynamisch. Das ändert sich alle sechs Monate wieder.» Peter Regli, ehemaliger Chef des Schweizer Nachrichtendienstes, sagt: «Die Menge an aufgegriffenen Personen hat unter anderem mit den IS-Rückkehrern aus Syrien zu tun.» Weil der IS am Ende sei, würden viele Kämpfer nach Europa zurückkehren und hier Anschläge planen, warnt Regli: «Das wird sich noch verstärken, die Häufigkeit der Festnahmen wird noch steigen.» Es ist nicht das erste Mal, dass die Spuren von radikalen Muslimen in die Schweiz führen. An den Terror-Attacken in Barcelona, Berlin, Turku und Rouen waren Männer beteiligt, die sich zuvor hierzulande aufhielten.

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Bei einem koordinierten Einsatz der französischen und Schweizer Behörden wurden zehn Islamisten verhaftet, darunter eine Kolumbianerin in der Romandie und ein Schweizer in Frankreich. Gemäss «Le Parisien» soll die Gruppe über Handys «beunruhigende Nachrichten» ausgetauscht und über die russische Nachrichten-App Telegram einen Anschlag in Nizza geplant haben.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Spuren von radikalen Muslimen in die Schweiz führen. An den Terror-Attacken in Barcelona, Berlin, Turku und Rouen waren Männer beteiligt, die sich zuvor hierzulande aufgehalten hatten. Im Tetra-Bericht des Bundes vom April 2017, der konkrete Massnahmen zur Bekämpfung von jihadistisch motiviertem Terrorismus aufzeigt, heisst es: «Die Schweiz kann von Jihadisten auch als logistische Basis für die Vorbereitung von Anschlägen im Ausland oder als Durchreiseland benutzt werden.»

«Häufigkeit der Festnahmen wird steigen»

Beispiele für Bezüge von militanten Islamisten zur Schweiz gibt es mehrere: Im Juni 2017 kam es im Waadtland zu drei Verhaftungen von mutmasslichen Islamisten. Es habe die Möglichkeit bestanden, dass sie «relativ schnell» aktiv werden konnten, bestätigt der Generalstaatsanwalt des Kantons Waadt dem Sender RTS. Im Februar dieses Jahres wurde bei einer Polizeioperation mit über hundert Beamten zwei Personen verhaftet, die im Verdacht stehen, islamistische Organisationen zu unterstützen. Ende 2016 waren zwei islamistische Terroristen in Zürich, um an Fachwissen über Sprengstoffe zu kommen, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Und im Januar hielt sich Anis A., der an einem Berliner Weihnachtsmarkt zwölf Menschen tötete, für zwei Wochen in der Schweiz auf – unbehelligt.

Wird die Schweiz also als Operationsbasis für europaweite Anschläge genutzt? Peter Regli, ehemaliger Chef des Schweizer Nachrichtendienstes, sagt: «Die Menge an aufgegriffenen Personen hat unter anderem mit den IS-Rückkehrern aus Syrien zu tun.» Weil der IS am Ende sei, würden viele Kämpfer nach Europa zurückkehren und hier Anschläge planen, warnt Regli: «Das wird sich noch verstärken, die Häufigkeit der Festnahmen wird noch steigen.»

Zwar sei man mit dem neuen Nachrichtendienstgesetz besser aufgestellt als früher. «Weil es aber erst seit September in Kraft ist, darf man jetzt noch keine Wunder erwarten», sagt Regli. Der Nachrichtendienst arbeite jedoch eng mit den ausländischen Geheimdiensten zusammen. «Wer in Frankreich auf dem Radar ist, ist es auch in der Schweiz.»

«Die ganze Organisation ist aber sehr mobil und dynamisch»

«Man kann nicht sagen, dass die Schweiz Terroristen in Europa als Drehscheibe dient», sagt Alexandre Vautravers, Sicherheitsexperte und Leiter des neuen Masters «Globale Sicherheit» der Universität Genf. Dass man bei fast jedem europäischen Terroranschlag in den letzten fünf Jahren eine Verbindungen zur Schweiz herstellen kann, habe mit der geografischen Lage der Schweiz und den europaweit gespannten islamistischen Netzwerken zu tun. So befinde sich eine wichtige Drehscheibe des Islamismus in Südfrankreich, eine andere in Nordeuropa. «Die ganze Organisation ist aber sehr mobil und dynamisch. Das ändert sich alle sechs Monate wieder», sagt Vautravers.

Weil man diesen Entwicklungen immer auf der Spur bleiben müsse, sei die internationale Kooperation zwischen den Nachrichtendiensten so wichtig wie nie zuvor. Auch, weil sich Nachrichtendienste im eigenen Land grundsätzlich eher zurückhalten würden, im Ausland aber nicht. «Nachrichtendienste haben ausserhalb ihrer Grenzen fast freie Jagd.» Das neue Nachrichtendienstgesetz werde in diesem Zusammenhang nur eine beschränkte Wirkung entfalten – bisher sei es nur viermal angewandt worden. In England passe man das Geheimdienstgesetz alle zwei Jahre an die aktuelle Situation an und überprüfe es auf seine Anwendbarkeit und Effizienz. Ein solches Vorgehen fordert Vautravers auch für die Schweiz: «Man muss mit zeitgemässen Mitteln arbeiten.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Zürcher Wolff am 08.11.2017 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Schweizer

    Und nach Zürcher Art, darf darüber in Zukunft nur noch von Schweizern geredet werden, denn gemäss Auslegung der Zürcher sind neu alle sich in der Schweiz aufhaltende Kriminelle Schweizer

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  • Besserwisser am 08.11.2017 05:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein problem

    Die werden für wenige jahre hinter gitter gebracht, danach können sie unbehelligt weiterplanen.

  • Typhoeus am 08.11.2017 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich merken die Behörden

    bald einmal, dass die Schweiz ein ideales Feld für operative Zentren vieler krimineller Organisationen ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Olaf Rustle am 08.11.2017 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Slowclap

    Danke danke danke an alle die es ermöglicht haben, dass die Schweiz so kulturell bereichert wird. Es wurden uns Ärzte und Ingenieure versprochen, diese sind gottseidank ausgeblieben, anstatt haben wir Islamisten znd Terroristen, das hatten wir vorher noch nicht. Speziellen Dank gebührt auch der SP, die unermüdlich daran arbeitet.

  • Kleine am 08.11.2017 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ist es

    Ja da sollte man bei den Richtern mal nachschauen. Ich weiss dass wenn es Gerechtigkeit gibt dann wird sie jeden einmal finden auf eine Art.

  • Leone am 08.11.2017 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die 70er

    waren doch viel schlimmer,Die Brigate Rosse und Bleiernen jahre in italien,RAF in Deutschland,die Palestinensischen Anschläge an Olympia 72,Flugzeugentführungen,usw.Heute macht man mehr auf Panik.

  • Mohrrübe am 08.11.2017 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Kasperlitheater par excellence

    Mit Angst lässt sich eben viel Kohle machen und der Bürger gibt für die angebliche Sicherheit schon mal grosse Teile seiner Freiheit auf. Schafft die NATO ab und fertig ist es mit dem Terroranschlägen im Westen.

  • Mk am 08.11.2017 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Büchse der Pandorra

    Mit der Öffnung der Grenzen wurde die Büchse der Pandorra geöffnet! Das ist erst der Anfang!

    • Walter E. am 08.11.2017 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mk

      im den 1970er Jahren waren in Europa die Grenzen jedes Landes geschlossen. Und die damalige Terrorwelle war viel viel schlimmer, jedes Jahr dutzende schwere Anschläge. Wir waren in Italien in den Ferien als Faschos den Bahnhof in Bologna sprengten (ca 80Tote)...da hatten auch alle schiss...

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