SP-Vorschlag

10. Juli 2018 14:18; Akt: 10.07.2018 15:30 Print

«Migrantenkinder schon vor dem Chindsgi fördern»

Lehrer trauen Migrantenkindern weniger zu als Einheimischen. Eine SP-Frau will nun Förderkurse schon vor dem Chindsgi.

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Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt: Lehrer diskriminieren Kinder mit Migrationshintergrund, weil sie zu tiefe Erwartungen an ihre Leistungen stellen. «Die Förderung und Beurteilung von Kindern erfolgt leider nicht so neutral, wie sie sollte», sagt der zuständige Professor Markus Neuenschwander in der «NZZ am Sonntag».

Besonders in Mathematik liegen die Erwartungen laut der Studie massiv tiefer – und das bei gleicher Leistung. Dies führe zu schwächeren Leistungen bei den Schülern. «Wer von einem Kind wenig erwartet, fördert und fordert es weniger», so Neuenschwander. Die Leistungsunterschiede würden im Verlauf einer Schulkarriere folglich immer grösser. Die Studie bestätigt bisherige Forschungsergebnisse und Erfahrungen von Fachleuten. «Geringe Erwartungen führen zu geringen Leistungen», sagt auch Erziehungswissenschaftlerin Katharina Maag, die an der Universität Zürich zu solchen Themen forscht.

«Es braucht eine spezielle Förderung»

Für SP-Nationalrätin Martina Munz ist klar: «Es braucht schon vor dem Kindergarten eine spezielle Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund, etwa durch regelmässigen Besuch von Tagesstrukturen.» So könne man verhindern, dass Ausländerkinder mit einem Nachteil in den Schulalltag starten würden.

Die Lehrpersonen seien nicht vor Vorurteilen gefeit und das ist auch nicht auf fremdsprachige Kinder beschränkt. «Ich bin Naturwissenschaftlerin und habe selbst erlebt, dass Mädchen in MINT-Fächern einfach weniger zugetraut wird.» Ob bei Frauen oder Personen mit Migrationshintergrund, den Lehrpersonen muss aufgezeigt werden, dass unterbewusste Vorurteile mitschwingen könnten.

«Förderung ist teuer und nicht zielführend»

Nichts von flächendeckenden Förderkursen schon vor dem Kindergarten hält FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. «Solche Strukturen zu schaffen, ist teuer und nicht zielführend. Zudem vergisst man so die einheimischen Kinder.» Stattdessen liege der Ball bei den Lehrern: «Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind oft sehr ehrgeizig und leistungsbereit und schöpfen ihr Potenzial beinahe besser aus als ihre Schweizer Mitschüler. Lehrpersonen sollen diese Leistungsbereitschaft fordern und fördern, unabhängig davon, welche Herkunft die jungen Leute haben.»

Beat Zemp vom Lehrerverband nimmt seine Kollegen in Schutz: «Erwartungen sind immer durch Erfahrungen geprägt, die sich im Verlauf der Zeit zu Stereotypen verdichten können.» Es sei wichtig, dass vermehrt auch Lehrer mit Migrationshintergrund in die Schulhäuser kämen. Noch ist ihr Anteil sehr gering. «Eine bessere Durchmischung der Schulteams würde die Erwartungshaltung der Kolleginnen und Kollegen positiv beeinflussen», so Zemp.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman am 10.07.2018 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind wir eigendlich

    Noch bevorzugt behandeln, noch mehr Geld ausgeben und für die eigenen Landsleute wird nicht mehr geschaut. Wo sind wir???? Alles Cervelat oder was!!!

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  • biopower am 10.07.2018 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    keine Sonderwurst für Migranten

    Wer fördert dann die Schweizerkinder? Haben die CH-Kinder nicht auch eine spezielle Förderung verdient? In der Schweiz sollten alle gefördert werden.

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  • Seconda am 10.07.2018 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nötig

    Hä? Wer finanziert das? Die Eltern, die wirklich wollen, dass ihre Kinder deutsch lernen, schaffen das auch ohne Deutschkurs, nämlich wenn sie sich anpassen und selbst auch die Landessprache lernen. Ich bin zweisprachig aufgewachsen, meine Eltern haben sich die deutsche Sprache selber angeeignet, wenn auch nicht perfekt sprechend. Uns hat damals auch niemand gefördert, trotzdem haben wirs gelernt, weil man doch auch hier lebt, will man doch die Sprache beherrschen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Banani am 11.07.2018 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Jobs für viele viele gute Menschen

    Hat die SP Forderung nach Förderung vielleicht doch auch einen monetären Hintergrund? Denn merke irgendjemand wird an diesem Angebot ja auch etwas verdienen. Oder? Ein Schelm der dabei Böses denkt.

  • Adi Mo am 11.07.2018 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EK - Einführungsklassen

    Aber in unseren schulen die einführungsklassen wegen geldmangel abschaffen. Ich hoffe man sagt unseren kindern, welche das nachsehen haben, danke!

  • Brigitte am 11.07.2018 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    2. Generation ohne Deutschkenntnisse

    Ich weiss, dass bei uns in Spielgruppen, welche zur Förderung der fremdsprachigen Kinder dienen sollen, viele Kinder teilnehmen, deren Eltern in der Schweiz zur Schule gingen, aber ihren Kindern kein Detsch beibringen. Diese Eltern sprechen ausser Haus durchaus Dialekt ..... Somit wird die Spielgruppe vom Staat bezahlt, da die armen kleinen ja kein deutsch können

    • Irmi am 11.07.2018 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Brigitte

      Aber sie können Dialekt. Ist das nicht sinnvoller für die Integration?

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  • Dagmar Steffen am 11.07.2018 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Die Sprache öffnet Türen

    Wie wäre es wenn die Kinder zuerst unsere Landedsprache lernen. Dann würden die auch verstehen was in der Schule gelehrt wird. Bei und im Dorf können die meisten bis in die erste Klasse kein oder nur gebrochen sprechen. Und sind wohlgemerkt hier geboren.

    • Ueli am 11.07.2018 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dagmar Steffen, schon möglich

      Aber es geht hier nicht um Einheimische sondern um Migrantenkinder.

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  • Vivien E. am 11.07.2018 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Sowas kann man im Paradies anbieten

    Die Realität ist leider, dass viele Einheimische nicht auf Rosen gebettet sind. Man kann unter diesem Gesichtspunkt, den Asylanten und Migranten nicht einen gratis Vollservice bieten. Das wird als sozial höchst ungerecht empfunden.