Mutter zahlte Prämien nicht

19. Mai 2017 20:59; Akt: 19.05.2017 20:59 Print

«Mit 20 Jahren hatte ich schon 15'000 Fr Schulden»

Weil die Eltern die Krankenkassenprämien nicht zahlten, waren deren Kinder bereits mit 18 Jahren verschuldet: Betroffene 20-Minuten-Leser berichten.

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Bezahlen die Eltern die Krankenkassenprämien der Familie nicht, starten ihre Kinder mit 18 Jahren bereits verschuldet ins Erwachsenenleben. Den Krankenkassen ist es nämlich erlaubt, diese ausstehenden Prämien den Jugendlichen beim Erreichen der Volljährigkeit direkt in Rechnung zu stellen.

Umfrage
Was halten Sie davon, dass Jugendliche die von den Eltern versäumten Prämien mit 18 selber bezahlen müssen?
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Caritas und Politiker von links bis rechts fordern nun ein neues Gesetz. Denn der Schuldenberg zum 18. Geburtstag macht den Start ins Erwachsenenleben besonders schwierig. 20-Minuten-Leser erzählen, wie es ist, unverschuldet verschuldet zu sein.

Lorena (23) aus Aarau

«Mein Eltern hatten zu wenig Geld, um für mich als Kind aufzukommen. Der Start ins Erwachsenenleben war dann auch äusserst schwierig: Aus meiner Kindheit hatte ich im Alter von 18 Jahren bei der Krankenkasse bereits Schulden in der Höhe von 4000 Franken. Trotz dem Zustupf des Sozialamtes kam ich aus dieser finanziellen Notlage nicht heraus. Im Gegenteil: Mit 20 Jahren hatte ich bereits 15'000 Franken Schulden. Es war wie ein Teufelskreis, in den ich völlig unverschuldet hineingeraten war. Schliesslich wurde ich depressiv. Ich war so am Ende, dass ich gar versuchte, mir das Leben zu nehmen. Dann erhielt ich Hilfe von der Invalidenversicherung und einer freiwilligen Sozialarbeiterin: So konnte ich eine Lehre als Malerin beginnen und lernte gleichzeitig, meine Buchhaltung in den Griff zu bekommen.

Heute bin ich stolz auf mich. Im nächsten Sommer bin ich fertig mit meiner Ausbildung und wohl auch mit dem Abzahlen meiner Schulden. Auch meine Eltern sind stolz, dass ich es geschafft habe. Gleichzeitig sind sie aber auch sehr traurig, dass sie mich überhaupt in diese Situation gebracht haben.»

Jerome (23) aus Freiburg

«Von einem Tag auf den anderen hatte ich 2000 Franken Schulden. Als ich mündig wurde, wälzte das Sozialamt sämtliche ausstehenden Rechnungen meiner Krankenkassenpolice auf mich ab. Dies, um meine Mutter etwas zu entlasten. So war auch ich plötzlich verschuldet. Ich war damals in der Lehre und hatte keine Chance, für den Betrag aufzukommen. Durch die Betreibungen fielen weitere Kosten an, zusätzlich hätte ich auch noch die aktuelle Prämie und Rechnungen zahlen sollen.

Kurze Zeit später hatte ich bereits einen Schuldenberg von 5000 Franken. Nur dank der Hilfe meines Freundes, der mir das Geld lieh, konnte ich der Schuldenfalle noch knapp rechtzeitig entkommen. In Raten habe ich meinem Freund das Geld zurückgezahlt, heute bin ich schuldenfrei. Dennoch: Durch das Versäumnis meiner Mutter habe ich mehrere Einträge im Betreibungsregister – das ist absolut unfair.

Ich bin lokalpolitisch engagiert und thematisiere diese Problematik schon seit längerer Zeit. Das Gesetz muss hierzu unbedingt geändert werden!»

Silvan (19) aus Zürich

«Weil meine Eltern die Krankenkassenprämien nicht einbezahlt hatten, war ich bereits an meinem 18. Geburtstag mit Schulden beladen. Ich habe mich entschlossen, diese Prämien nachträglich nicht zu bezahlen – ich lasse mir doch nicht mein Leben versauen. Deshalb verlasse ich nach dem Abschluss meiner Berufslehre die Schweiz für immer. Ich werde meine Eltern auch nicht verklagen; sie hatten es selber sehr schwer.

Mirjam (24) aus Basel

«Als ich ein Kind war, versäumte es meine Mutter, meine Krankenkassenprämien zu zahlen. Dann, als ich erwachsen wurde, steckte ich bereits tief in den Schulden – das waren insgesamt rund 10'000 Franken. Noch heute, mit 25 Jahren, muss ich diesen Schuldenberg abstottern. Dafür habe ich nun Unterstützung der Schuldenberatung. Man zeigt mir, wie ich die Rechnungen handhaben muss. Anfänglich hatte ich keine Ahnung, wie es mit der Krankenkasse und all den anderen Rechnungen läuft. Das hat mir nie jemand erklärt. Deswegen bin ich auch nicht wütend auf meine Mutter: Sie war damals selber überfordert.»


(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 19.05.2017 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Was für Eltern?

    Jetzt mal im Ernst. Was sind das für Eltern, die nicht mal fähig sind 20 Franken pro Monat für die KK ihrer Kinder zu bezahlen? Wahrscheinlich reicht das Geld locker für ein Auto, Zigaretten oder monatlichen Besuch beim Coiffeur, aber die KK der Kinder nee die bezahlt man einfach nicht...Solche Menschen sollten einfach keine Kinder auf die Welt setzen!

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  • vladimir am 19.05.2017 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit für Gesetzgeber

    Gesetzgeber soll das Problem ernst nehmen, das Volk konsultieren und eine Lösung finden. Und nicht junge Menschen mit falschen Gesätzen in Schuldensklaverei treiben.

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  • Versicherungsprofi am 19.05.2017 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    Gut überlegen und handeln!

    Schuld an diesem ganzen Schlamassel haben Bund und Staat! Eine solch hundsmieserable Gesetzgebung und KK-Obligatorium gibt es nur bei uns. Das Obligatorium ist abzuschaffen. Auch ist es eine unverschämtheit Versicherte zu binden wenn Prämienausstände herrschen. Die Prämien sind heute so exorbitant hoch dass bald niemand mehr bezahlen kann!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Omer am 20.05.2017 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohje

    Toll Ich hatte 78000.- Schulden, diese abbezahlt nun merkte die Versicherung das Sie falsch gerechnet hatten darf nun zusätzliche 46000.- Nachbezahlen plus die Artztrechnungen selber bezahlen. Zum Glück bin Ich erst 26 habe ja noch Zeit. Schön das endlich was an die Medien ging, in der Hoffnung das etwas passiert, villeicht sind die Kinder in Zukunft besser abgesichert! Wenn ich daran denke das es sicher noch höhere Beträge gibt... Schande :-(

  • Hofnarr am 20.05.2017 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir sind nicht unsterblich

    es spielt keine rolle was für zahlen auf meinem konto stehen, ob da ein plus oder minus steht. wen ich tod bin könnt ihr euch um das hinterbliebene streiten. wie ihr wollt. solange ihr glaubt geld hatt einen wert, werdet ihr euch dafür zu tode akern.

  • Neni Lika am 20.05.2017 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparsam

    Hatte mit 20 jahren 50000.- minus heute 27 habe ich 50000.- plus

    • Priska am 20.05.2017 21:30 Report Diesen Beitrag melden

      @Neni Lika

      Durch welchen Betrug haben Sie das geschafft? Und wieviele Mitmenschen haben dadurch Pleite gehen müssen? Haben Sie die Geldschöpfung aus dem Nichts, die rein auf die Kreditvergabe baut verstanden? Verstanden, dass der Zins nicht Bestandteil der Geldmenge ist? Dass 1 von 10 Pleite gehen muss, damit die anderen 9 nur rein ihre Schuldzinsen bezahlen können? Es fehlt ja überall das Geld nicht? Staaten, Gemeinden, Bundesländer, Kantone usw. alle sind hoch verschuldet! Bei wem eigentlich? Denken Sie mal darüber nach wohin das alles noch führt und geführt hat. ...

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  • ROPL am 20.05.2017 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    RE: Abzocker

    Interessantes Abzocksystem - habe ich so noch aus keinem anderen zivilisierten Land gehört, dass hier Konzerne und Unternehmen sogar schon die Zöglinge für die Zukunft belasten können. Solche Konstrukte gehören RUCK ZUCK zerschlagen - und die Bosse entsprechend mit Privatvermögen in Haftung genommen, wenn die dem Volk zu häufig auf der Nase herumtanzen!

  • Urgrossäti am 20.05.2017 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Schämt euch doch alle

    Und wieder ein Hausgemachtes Problem eines reichen Landes!! Ein richtiges neuzeitliches Wohlstandsproblem!