Steigende Zahlen

11. März 2018 22:21; Akt: 11.03.2018 22:21 Print

«Mehr Waffen heisst mehr Familiendramen»

Die Zahl der registrierten Waffen in Schweizer Haushalten steigt. Politiker sind sich uneins, ob das die Schweiz unsicherer macht.

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In der Schweiz sind aktuell 865'000 private Waffen registriert. Das sind 73'000 mehr als noch vor einem Jahr. Das berichtet der «Sonntagsblick». Zu den privat erworbenen Waffen kommen noch rund 900'000 zu Hause gelagerte Ordonnanzwaffen der Armee, nicht registrierte und illegale Waffen. Der Bundesrat schätzte 2013, dass sich insgesamt rund zwei Millionen Feuerwaffen in Schweizer Haushalten befinden. Die «Small Arms Survey» geht sogar von 3,4 Millionen Waffen aus.

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Für SP-Nationalrätin Chantal Galladé ist diese Entwicklung besorgniserregend, falls der Anstieg auf mehr Waffen im Umlauf zurückzuführen sei. «Mehr Waffen machen die Schweiz unsicherer. Es gibt laut wissenschaftlichen Studien eine direkte Verbindung zwischen der Menge an Waffen und der Zahl der Waffentoten.» Möglich sei aber auch, dass mehr Schweizer ihre Waffe registrierten. «Das wäre positiv zu werten», so Galladé. In der Schweiz brauche es Schusswaffen aber nur für staatliche Sicherheitskräfte, Jäger und Sportschützen. «Waffen, die beschafft werden, um sich besser zu fühlen oder um sich selbst zu verteidigen, braucht es nicht.»

«Gefährlich sind eher illegale Waffen»

SVP-Nationalrat Werner Salzmann ist sich sicher: «Es werden mehr Waffen registriert, weil etwa das Sturmgewehr 57 mit neuen Ausrüstungsgegenständen für Wettkämpfe verwendet werden darf, oder weil die Schweiz bald EU-Richtlinien übernimmt, die eine Registrierung verlangen.» Es seien nicht unbedingt mehr Waffen im Umlauf, und selbst wenn: «Gefährlich sind Waffen eher, wenn sie illegal erworben und nicht registriert werden.» Legale Waffen würden nur in sehr seltenen Fällen missbraucht.

Laut Zahlen des Bundes gab es 2015 hierzulande 231 Waffentote, 211 davon waren Suizide. «Eine Schusswaffe ist die einfachste und schnellste Methode, sich selbst oder anderen das Leben zu nehmen», so Galladé. In der Schweiz seien auch bei Familiendramen häufig Waffen involviert. «Mehr Waffen heisst auch mehr schlimme Familiendramen. Wenn wir die Verbreitung von Waffen in Privathaushalten reduzieren, werden viele Tragödien verhindert und Menschenleben gerettet.»

«Waffenlobby nimmt Tote in Kauf»

Galladé reichte bereits zahlreiche Vorstösse ein, die den Gebrauch von Waffen einschränken wollten. Viele davon wurden vom Parlament abgelehnt. Erst am Donnerstag scheiterte ihre Motion, die einen Bedürfnisnachweis für den Waffenbesitz forderte. «Es ist frustrierend, wie stark die Waffenlobby im Parlament ist. Sie nimmt Tote in Kauf, um das Waffenrecht zu schützen – ähnlich wie in den USA», so Galladé.

Salzmann entgegnet: «Jeder Suizid ist tragisch, doch wer sich das Leben nehmen will, findet auch ohne Schusswaffe einen Weg dazu.» Wegen dieser Fälle das Waffenrecht einzuschränken, sei falsch. «Wir haben in der Schweiz eine lange Militär- und Jagd- Schützen-Tradition, die Waffenkultur ist eine andere als in den USA», sagt er. «Eine Einschränkung wäre ein Misstrauensvotum gegen den rechtschaffenen Bürger, der legal eine Waffe besitzt und niemanden gefährdet», so Salzmann. Das habe das Stimmvolk 2011 auch so gesehen und die Waffeninitiative abgelehnt.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Henry am 11.03.2018 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Suizid ist ein Menschenrecht!

    Wenn ich meinem Leben ein Ende machen will, dann soll mich bitte niemand aufhalten - dass ist ein Menschenrecht. Es ist besser, dies mit einer Schusswaffe zu tun als einen Lokführer mit einzubeziehen.

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  • Peschä am 11.03.2018 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sportschütze

    Ich gehe regelmässig ins Schützenhaus wo ich als Sportschütze schiesse. Dabei ist man laufend von augebildeten Schützenmeistern überwacht, welche auf die Sicherheit achten. Danach wird die Waffe geputzt und wieder fein säuberlich verräumt. Ich kann nicht verstehen warum ich laufend in einem Atemzug mit Kriminellen und Terroristen erwähnt werde. Ich finde das als Sportschütze diskriminierend und deplatziert. Es gibt Gruppierungen welche sich statistisch viel näher am kriminellen Rand befinden aber laufend von gewissen politischen Akteuren ausgeblendet werden. Das ist nicht in Ordnung.

  • G.V. am 11.03.2018 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem ist nicht die MENGE der Waffen

    Das Problem ist, WELCHE PERSONEN an Waffen kommen und wie gut diese im Auge behalten werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ACP45 am 15.03.2018 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trugschluss

    Beispiel china. Ein sehr strenges waffengesetz bei dem privater waffenbesitz praktisch ausgeschlossen ist. Aber auch in china gibt es amokläufe an schulen, und morde. Gemordet wird einfach mit dem messer, hammer oder klassisch mit der axt. Wo ein wille ist, ist ein weg

  • Motz Alot am 12.03.2018 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sör

    Sehr geehrte Frau Gallade wir haben also 2-3'000'000 Waffen und ungefähr 20 (!!!) relevante Todesfälle. Wovon sicherlich auch noch einige Unfälle waren... Trotz dieser unglaublich niedrigen Zahl sehen Sie immernoch Gefahren die offensichtlich keine sind. Evtl. sollten Sie mal aus dem goldenen Käfig Schweiz raus um wieder einmal die wirklichen Probleme zu sehen, anstatt der Schweizer Bevölkerung ständig ihre mangelnde Fachkompetenz unter Beweis zu stellen. BITTE stoppen Sie endlich diesen persönlich motivierten Feldzug gegen Probleme die keine sind!

  • Phil am 12.03.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Das Messer.....

    ist mit Abstand das beliebteste Mittel bei Häuslicher Gewalt und Familiendramen, es ist leicht verfügbar und immer zur Hand. Bei vollendeten Tötungsdelikten ist das Messer die erste Wahl, es sterben doppelt so viele Menschen durch Messer wie durch Schusswaffen. Bei den registrierten Körperverletzungen werden weniger 1% mit einer Schusswaffe begangen. Wird der Messer dadurch in den Medien als Mordwerkzeug Nr. 1 Thematisiert? Wohl kaum.... Da steckt wohl die Messerlobby dahinter, welche all die Toten in Kauf nimmt um ihren Umsatz nicht zu gefährden.

  • CH Men am 12.03.2018 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit, und Sicherheit

    Ich Besitze eine Waffe, wie ich auch einen Feuerlöscher besitze, in der Hoffnung diese niemals im Ernstfall einsetzen zu müssen. Meine Waffe verwende ich im Schiessverein, habe grossen Respekt davor, und schliesse sie zuhause im Safe ein (Munition in einem anderen Safe). Jeden Tag fahren übermüdete, betrunkene, unter Drogen stehende Personen, Auto & Lastwagen - mit einem Fahrzeug kann schnell unabsichtlich jemand getötet werden. Was mir aber mehr sorgen bereitet, sind die illegal eingeführten (Kriegs)Waffen via Marseille. Da gibt es beispielsweise für 500 eine AK47

  • Marco am 12.03.2018 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Ausreden, Teil 2

    Wir sind bei den Autos stehen geblieben. Ja auch damit kann man töten. Nur sind für uns die Autos halt einfach notwendig. Bei Waffen sehe ich keine Notwendigkeit, dass ein 0815 Bürger eine Besitzt. Sportschützen können Waffen vor Ort im Schützenhaus einschliessen lassen usw. Es gibt aus meiner Sicht keinen einzigen sinnvollen Grund, wieso die Bevölkerung bewaffnet sein soll/muss. Egal was man sagt, es gib kein einziges gutes Argument. Egal von wem. Weg mit den Waffen. Und ja, man kann sich eine Waffe auch illegal beschaffen... dafür muss man aber wieder Aufwand betreiben.