Ja zum Geldspielgesetz

11. Juni 2018 21:21; Akt: 11.06.2018 21:21 Print

«Jetzt könnte ich spielsüchtig werden»

von B. Zanni - Ein Online-Pokerer zweifelt am neuen Geldspielgesetz. Im Casino sei die Suchtgefahr grösser.

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Herr C.M*, das Volk hat das Geldspielgesetz mit einer deutlichen Mehrheit angenommen. Haben Sie als leidenschaftlicher Pokerer internationaler Online-Turniere schon die Koffer gepackt?
Nein. Ich habe meiner Frau im Scherz aber schon gesagt: «Komm, zügeln wir doch nach Konstanz.» Da ich aber kein Berufspokerer bin, wird es zum Glück nur schwieriger, einem lukrativen Hobby nachzugehen.

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Die Netzsperren zu umgehen, ist ja ein Leichtes. Mehr als 28 Sekunden soll man dafür nicht benötigen. Ist das eine Option, um Ihrem Hobby weiterhin zu frönen?
Ich weiss nicht, wie viel mir dies bringen würde. Spielen kann ich dann zwar. Die Frage ist aber, ob mir das Geld auch ausbezahlt würde. Sieht der Anbieter, dass ich ein Schweizer Konto habe, werde ich den Betrag wahrscheinlich nicht erhalten können.

Sie geben Ihr Hobby also auf?
Nein, das nicht. Bis jetzt habe ich vor allem am Sonntagabend am Computer PokerStars und PartyPoker gespielt. In Zukunft werde ich mehr ins Casino gehen und dort an realen Pokertischen spielen müssen. Klar ist, dass das Geldspielgesetz für mich nur Nachteile bringt.

Welche?
In den letzten zehn Jahren habe ich durch Online-Poker pro Jahr im Schnitt rund 8000 Franken herausgeholt. Mein Höchstgewinn liegt bei 20 000 Dollar. Rein gesteckt habe ich gerade mal 55 Dollar. Ich spielte gegen mehrere tausend Spieler aus der ganzen Welt. So bestand die Chance, dass man den Gewinn bis zu verfünfhundertfachen kann. Mit dem Geldspielgesetz aber ist Online-Poker nicht mehr reizvoll.

Warum nicht?
Was soll ich mit 20 Franken gegen 50 Leute spielen? Das ist kein richtiger Wettbewerb mehr. Setze ich mich nur gegen 50 statt 500 andere Spieler durch, fehlt mir das Erfolgserlebnis.

Mit dem Geldspielgesetz fallen auch Ihre fetten Gewinne weg. Reisst das ein Loch in Ihr Portemonnaie?
Nein. Ich spiele nicht mit meiner Miete. Das Geld habe ich schon als Abschreiber eingerechnet. Einen Teil davon habe ich mir auszahlen lassen und für Ferien ausgegeben. Den Rest habe ich reinvestiert. Online-Poker ist für mich ein Spiel – so wie andere an der Börse spielen. Ich habe einen festen Job als stellvertretender Geschäftsführer eines Personalbüros. Von meinen Gewinnen im Online-Poker war ich nie abhängig.

Süchtige Phasen gab es bei Ihnen auch nie?
Nein. Aber wenn ich jetzt vermehrt ins Casino gehen muss, besteht eine grössere Suchtgefahr. Am Schalter wird man ja so freundlich empfangen! Und um an einem Pokertisch zu spielen, muss man durch den ganzen Automatensektor laufen. Da ist die Gefahr gross, dass man noch an vielen anderen Automaten hängen bleibt. Auch könnte ich mir vorstellen, dass ich nach einem Pokertournier das restliche Geld an einem Cherryautomaten verpulvere. Zudem ist es sehr zur Unfreude meiner Frau, wenn ich plötzlich mehr Zeit im Casino verbringe.


*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Online Zocker am 11.06.2018 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Haben die Casinos jetzt wirklich das Gefühl dass ich auf Ihrer Seite spiele? Voher umgehe ich die Netzsperre und eröffne ein Deutschtes Konto. Geht auch ungekehrt ;)

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  • Stefan Meier am 11.06.2018 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VPN olé

    Bei Pokerstars bekommen Sie die Auszahlung nach erfolgter Identifizierung innert 72 Stunden. Egal welcher Betrag. Werde weiterhin Online im Ausland spielen. Sommaruga hin oder her. Das geht keinen was an.

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  • Esther am 11.06.2018 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Umsetzung?

    Online Poker gibt es auch ohne Echtgeld-Einsatz. Wie soll ich nun denn Zugriff auf diese Seiten bekommen? Und wie gedenkt man diese Sperren einzurichten? Ich halte unsere Politiker nicht für fähig dies anständig iin den Griff zu bekommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel Dash am 12.06.2018 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Konto

    Ich sage nur Revolut App Runterladen und ein Konto nach Wahl eröffnen. Kein Stress mit Ein und Auszahlungen.

  • Groog am 12.06.2018 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    Online einfacher Süchtig zu werden

    wer die Tendenz hat süchtig zu werden wird dies Online erst recht! dies ist ein Fadenscheiniges Argument

  • AlliN am 12.06.2018 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    JA zum Casino-Verbot

    Am sinnvollsten wäre ein Casino-Verbot.

  • Peter Maier am 12.06.2018 06:29 Report Diesen Beitrag melden

    Prävention

    Da die Casinos von den Süchtigen leben soll die Prävention auch Online nicht funktionieren. Auf Kosten einiger Gieriger wurde das ganze Volk von der Politik hinters Licht geführt.

  • Reto am 12.06.2018 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach schade....

    Ich bin selbst Online Pokerer auf Pokerstars, ich halte den Volksendscheid für falsch und mit viel Casinolobbygelder unterstützt und verfälscht! Wenn ich hier die Kommentare lese sieht das die Mehrheit auch so, - jedoch frage ich mich wie viele von diesen auch wirklich abstimmen waren? Dort liegt leider auch immer ein grosses Problem! Bin sicher die meisten die das jetzt bedauern waren gar nicht abstimmen sonst wäre der JA anteil niemals so hoch gewesen... SCHADE