Hotel-Reinigung

11. Juli 2018 19:17; Akt: 11.07.2018 19:17 Print

«Ich würde im Zimmer nicht barfuss laufen»

Laut einem Bericht der Gewerkschaft Unia arbeiten Putzkräfte in einem Zürcher Hotel unter schlechten Bedingungen. Der Direktor wehrt sich.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Hotelreinigung ist kein einfaches Gewerbe. Die grossen Hotelketten wie Marriott haben in der Vergangenheit die Reinigung ihrer Hotels auf externe Firmen ausgelagert. Einige Reinigungsfirmen halten sich von Aufträgen dieser Art fern, kleinere Unternehmen versuchen sich mit hohem Konkurrenzdruck in einem harten Wettbewerb zu behaupten.

Dies kann unrealistische Zeitvorgaben für eine Zimmerreinigung oder zu wenig Personal für zu viel Arbeit zur Folge haben. Laut einem Report der Unia Zürich-Schaffhausen arbeiten die Putzkräfte in den Zürcher Marriott-Hotels deshalb unter bedenklichen Bedingungen.

Giftige Reinigungsmittel

«Wir sollen alles mit demselben Reinigungsmittel putzen.
Dieses Mittel ist giftig», sagt eine angebliche Reinigungskraft des Sheraton Hotel Zürich West gegenüber der Gewerkschaft. Bei den Holzböden und dem Mobiliar werde Reinigungsmittel verwendet, das eigentlich fürs Bad gedacht sei und mit viel Wasser wieder abgespült werden sollte. «Ich würde in diesem Hotelzimmer nicht barfuss herumlaufen.»

Die Missstände in den Reinigungsfirmen ergeben sich laut Unia in der Hotelindustrie, weil sich das Geschäft stark verändert hat. Es gebe neue Geschäftsmodelle, Entkoppelungen von Besitzern und Betreibern und «konsequente Auslagerungen», die zu einer Situation führten, in der Zeit- und Spardruck zum Alltag gehören.

Haltlose Vorwürfe

Die Fachkräfte bekämen dies zu spüren. «Stress und
Verletzung der geltenden Gesamtarbeitsverträge» gehören zur Tagesordnung, schreibt die Unia in ihrem Report. «Vor ein paar Monaten hatte ich ein Ohrenproblem mit sehr starken Schmerzen», sagt eine andere Reinigungskraft, «trotz der Schmerzen und der starken Antibiotika habe ich weitergearbeitet.»

Mauro Cerutti, Direktor der Hotels Sheraton Zürich und Sheraton Neues Schloss Hotel, die zu der Mariott-Kette gehören, weist die Vorwürfe zurück. «Ich wurde mit diesem Bericht vor den Kopf gestossen», sagt Cerutti.

Die Vorwürfe seien haltlos. «Unsere Zimmermädchen haben die Vorschrift, jeweils verschiedene Putzmittel zu verwenden.» Auch dass ein Zimmer in 10 Minuten fix und fertig geputzt sein müsse, sei «Quatsch».

«Mir ist bewusst, dass gerade die Putzkräfte den härtesten Job haben», sagt Cerutti, «wir führen deshalb immer wieder Mitarbeitergespräche, und mir wurde stets versichert, dass alles in Ordnung ist.»

(stv)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Attt am 11.07.2018 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab

    Na klar sagen sie das alles in ordnung ist. Es traut sich doch niemand etwas zusagen niemand wil gekündigt werden. Und das ist überall so!!

    einklappen einklappen
  • Insider am 11.07.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Welch ein Wunder: Die Mitarbeiter, welche Angst um ihre Jobs haben sagen, dass alles in Ordnung sei....

  • Pflegerinn Säbi am 11.07.2018 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Hat was

    Ich würde auf meinem Arbeitsplatz auch nicht Barfuß laufen wollen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • gabo am 13.07.2018 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    hässlicj

    ich würde nie baden. , egal wie vornehm das hotel ist. auch nie barfuss gehen. und das ist nicht die menschen, die mir das zimmer zubereiten. neim, ich weiss, sie sich mühe. nur leider müssen sie nach den vorgaben gehen. und die... die sind hässlich!!

  • Ameise am 12.07.2018 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Mitarbeiterumfragen für die Katz.

    In unserer Firma gibt es auch jedes Jahr eine "anonyme" Umfrage. Jedes Jahr ist das Resultat, dass die Mehrheit der Belegschaft mit dem Lohn zufrieden sei und lieber nette Mitarbeiter habe. Im Gespräch zeigt sich aber, dass niemand zufrieden ist mit dem Lohn. Es ist eine Frage des Verhältnisses: Natürlich will niemand 50% mehr Lohn, dafür ein 50% schlechteres Team. Leider ist die Frage nie, ob man nicht lieber beides haben möchte: Mehr Geld und nette Mitarbeiter.

  • marie am 12.07.2018 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    ich habe selbst mal in den Bereich gearbeitet. und wir hatten auch nur 10 Minuten Zeit um ein Zimmer zu reinigen. und wenn man länger gebraucht hat würde es nicht bezahlt. würde nie wieder in den Bereich arbeiten wollen.

  • payassli am 12.07.2018 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alte Geschichte

    Wenn's ums Geld geht, hört die Menschlichkeit überall auf. Da kann der Hotelier noch so freundlich sein.

  • Anna am 12.07.2018 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Gewerk, was?

    Immerhin arbeiten sie, was man von den Akademikern in den Gewerkschaften, die sich noch nie in ihrem Leben ihre Fingerchen schmutzig gemacht haben, nicht wirklich behaupten kann.

    • Mike am 12.07.2018 11:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Anna

      Und das ist nun wieso relevant? Soll das heissen man soll sich lieber als Putze knechten lassen anstatt als Gewerkschafter auf Missstände aufmerksam machen.

    einklappen einklappen